Mittwoch, 11. Januar 2012

Trommel-Traumen und Trommel-Segen

Eieiei ... gut, daß ich ein wenig ruhiger geworden bin und mich immer öfter dran erinnere, daß ich lieber Spaß habe, als recht zu haben.  Eine Tänzerin, mit der ich schon mal zusammengearbeitet habe - ich habe gespielt auf ihren Workshops - lud mich erneut ein, diesmal aber zusammen mit jemand, den ich noch nicht kannte. Und er mich also auch nicht. Sie hat gerne auch "männliche Energie" dabei - wobei ich selber sicher bin, daß ich genug davon habe beim Trommeln. Dennoch wußte ich in etwa, was sie meint. Bei den beiden vergangenen Workshops bzw. Zusammenarbeiten waren auch jeweils mehr Männer mit dabei, als es unbedingt üblich ist - und auch ich finde das sehr angenehm.
Im Telefongespräch vorab zur heutigen "Wokshop-Besprechung" sagte ich ihr, daß ich seither nichts mehr gemacht habe. Sie antwortete darauf, daß ihr das keinerlei Sorge bereiten würde, da sie mich ja bereits erlebt habe. Ja, sagte ich darauf, ich mache mir auch keine ernstlichen - aber ich sag´s Dir halt einfach, wie es ist. Wir hatten uns bei den vorhergehenden Workshops kurz vorher über einen "Ablaufrahmen" abgestimmt - und im Grunde sehr wenig festgelegt -  da es bei solchen Zusammenkünften sowieso immer ganz anders kommt und mensch sich ohnehin auf die jeweiligen Gegebenheiten und Menschen einstimmen muß, die dann da sind, wenn es soweit ist. Sie hat ebensowenig Berührungsängste vor einem offenen Raum, vor Improvisation, wie ich. Und beide - legen wir wenig Wert auf allzu enge "Struktur", dafür umso mehr darauf, was sich - teils sehr spontan - entwickelt.
Zwar habe ich viele Jahre in festen Strukturen das Handwerk gelernt - aber irgendwann bin ich daraus ausgeschert. Immer schon - im Rahmen von Spielen und Üben - aber eben im Rahmen eines Zusammenspiels, in dem man zurückkommt in die Form - und dann jemand Anderem den Raum mittels Struktur bzw. "Teppich" - wie es so schön heißt beim Trommeln - einen offenen Raum zu schaffen. So kann man sich die Räume gegenseitig geben oder sich "die Bälle zuwerfen". Um dann irgendwann zusammen zum Thema zurückzukehren.
Mit manchen Menschen ist das ein regelrechter Hochgenuss, manchmal gar orgiastisch. Meist waren es in meinen Begegnugen Profis, die es genossen, endlich mal wieder ihre vorgegeben Muster sein lassen zu können - um wirklich zu spielen. Spielen! So kam dieser Vergleich mit einem Orgasmus auch nicht von mir, sondern von der Profi-Seite.  Tatsächlich gibt es auch manche Musiker, die diesen tatsächlich empfinden beim Spielen. Neulich hörte ich sogar von Mathematikern, denen es so ergeht, wenn sie nach einer Lösung suchen.
Für mich ist das Spielen jedenfalls eine höchst sinnliche Erfahrung, bei der der Denkapparat in den Hintergund tritt. Von einem ehemaligen Kolegen gefragt, was ich denn da eben für ein "Pattern" gespielt hätte - mußte ich gestehen, daß ich keine Ahnung habe. Irgendwas, was die Götter gerade spielen wolten ...  war nicht "von mir". Bereits als "frische Conga-Azubine" nahm ich mir während der Kurspausen in zahlreichen Workshops bei gut 15 Lehrern und Leherinnen in der Mittagspause Zeit, um zu improvisieren, stellte mir einfach mal 5 statt 2 Congas hin und spielte drauf - was kam. Einmal stand einer meiner "Meister" neben mir und schüttelte mit dem Kopf.  Anerkenend - nicht mißbiligend. Es ist ein Talent - welches ich in die Wiege gelegt bekam. Ein ausgezeichnetes Gehör und gute, motorische Fähigkeiten - sowie die Liebe zur Musik, da sie für nicht über Verstandeswahrnehmung läuft. Sie ist nur fühlbar. Dennoch ist Üben Üben Üben wichtig ... ohne das - geht nichts. Auch Muster und vorgegene Srukturen müssen gut gelernt und verinnerlicht  werden- damit mensch später mit ihnen tanzen kann und sich nie verliert.  Das ist wichtig, um immer wieder auf den o.g. "Teppich" zurückzukommen. Ob Du alleine spielst oder mit Anderen. Es gibt immer einen "Grundrhythmus", den Du weiterspielst, egal, was Du "drüberlegst", welche Blumenteppiche sich ergeben. Je besser das alle Mitspieler wissen - desto "verquerer" können alle spielen - um sich doch wieder an einem Punkt zusammenzufinden.
Es geht also überhaupt nicht um irgendein "Ego", welches sich beweisen oder profilieren möchte - für mich geht es um ein Spiel, welches sich um der Musik willen selbst  spielt. Und gut darauf achtet, das der Turm niemals einzustürzen droht. Kann natürlich auch passieren, wenn mal zuviel übertrieben wird  -  führt aber nur zu Lachen, wenn kein "selbstdarstellerisches Ego" dabei ist.
Von je her habe ich es verabscheut, wennjemand sich lediglich persönlich hervorheben und/oder darstellen wollte, wie gut er es doch kann - und wie laut.  Mir geht es um die Schönheit dieses Spiels und darum, daß es mit sich selbst spielen kann - gerne auch orgiastisch. Ich spiele auch gerne durchgehend den Teppich, wenn es dafür gut ist, daß darauf Blumen spriessen.
Nach vielen eher ent-täuschenden Erlebnissen mit Menschen, denen es offenbar nicht um die Musik selbst ging, die sich da entfaltet, sondern eben um Selbstdarstellung und Profilierung, statt um das nicht greifbare Mysterium des Spielens selbst, habe ich noch lange alleine weitergespielt. Was seinerzeit, als ich noch in Übung war und fliegende Hände hatte, dazu führte, daß ich manchmal aus dieser Not an "seelenverwandten" Mitspielern heraus für drei spielte. Irgendwann - hatte ich keinen Proberaum mehr und ließ es ganz sein.
Die Flamme wurde kleiner und kleiner - nicht ob der Musik selbst - und verwandelte sich in kalte Asche.
Das Gehör - blieb. Manches Stück singe ich mit, während ich es zum allerersten Mal höre. Und lache darüber -  daß es sogar harmoniert. Wie gesagt - ich bin es nicht, es ist etwas anderes, was spielt.

Heute war ich also, anch längerer Pause, auf dem Weg zu einem Treffen, bei dem sich zeigen solte, ob die beiden MusikerInnen miteinander harmonieren. Ich nutzte die Gelegenheit, um für mich im Vorfeld zu klären, was ich mir, . wünsche. Mein Wunsch ist immer noch der gleiche: Ich möchte, daß es "groovt". Dabei ist es nicht einmal wichtig, wer was kann und wer wie virtuos spielt  Viel wichtiger ist es, zu hören, was entstehen will und kann. Glücklicherweise hatte ich das für heute sehr klar vor Augen. Es geht mir mit der Tänzerin um die Freude und die Spontaneität, die entstehen kann - wie wir es bereits zweimal auf sehr verschiedene Arten zusammen erlebt haben.  Es hängt von allem ab, was gerade zusammenkommt. Und meine Rolle ist zunächst einmal recht klar: Einen guten Teppich geben für die tanzenden Füße.
Jetzt war es also so, daß sie gerne zwei sich noch fremde Spieler zusammenbringen möchte (im gestrigen "männliche und weibliche Energie" - s.o., was meine "männliche Trommelenergie" betrifft) . Der mir noch unbekannte Mensch hat neulich spontan life gespielt bei einem "Tag der offenen Tür" in dem schönen Zentrum, in dem der Workshop stattfinden soll. Ich habe daher für mich einen guten Anlass, mich nochmals mit all meinen ehemals frustrierenden Erfahrungen im Zusammenspiel mit Menschen zu beschäftigen. Was ich ja oben "schrub" ("Schrub" kommt von "schrubben" - reinigen).

Es gibt Dinge im Leben, von denen ich möchte oder weiß, daß sie wie das Wasser laufen - können. Harmonisch, dem freien Fluss an sich gewidmet, jeglichen Widerstand und eventuelle Hindernisse schlicht umspielend bzw. spielend meisternd. Liebe und Musik gehören dazu..
Soweit mein persönliches Feedback zu diversen vergangenen Geschichten.  Viele nicht erwähnt hier.  Ich habe also gut bei mir selbst nachgeschaut und gehe heute so offen zum Treffen, wie ich es vermag. In der ersten halben Stunde beobachte ich mich und meine althergebrachten Reaktionen aufmerksam ... bleibe da, trotz Fluchtinstinkt. Zuviel Gerede, Theorie, Blabla ...  keine Freude am Tun. Kein Spiel - sondern verkopftes Zeug. Mich hält die Schönheit der vergangenen Erlebnisse mit der Tänzerin am Ort - wir hatten auch noch einen gebuchten Auftritt für einen Geburtstag zusammen, der  mir wieder einfält gerade. In einem afrikanischen Restaurant in der Kolonie. Auf der gegenüberliegenden Stassenseite - standen plötzlich tanzende Afrikaner, lauschten und wunderten sich wohl irgendwie über soviele Blasse, die da ihre helle Freude an ihrem Kulturgut hatten..... Die Tänzerin selbst - hat afro-amerikanische Wurzeln und ist daher schon eine gute Vermittlerin zwischen den Kulturen. ich = ES sang noch ein Lied von den Göttern für die Geburtstagsfrau - und die afrikanischen Restaurantbetreiber nickten mir = den Göttern zustimmend und wissend zu anschließend.
"ich" - kann gar nicht singen (was ich will). Aber ich lasse durch mich singen ... und bin selbst verwundert, welches Volumen dann durch dieses Körper-Seele-Geist-Instrument strömen kann. Gilt aber nur für die Weisen der Götter - bei Popular-Musik versagt dieses Instrument, welches offenbar nur durch die Ahnen ertönt.

Der mir noch unbekannte, potentielle  Trommelpartner fragt mich eingangs, welchen Hintergund ich denn habe. Ja .... also .... angefangen habe ich mit afrikanischen c-Rhythmen, dann habe ich sehr viel Conga gespielt und dann bin ich nach Cuba, um Batá zu lernen." Kurz, sehr kurz, eine Vita kann viele Wörter enthalten - und wenig Rhythmus.  Er - lernt und spielt Malincke-Rhythmen auf der Djembé. Ok ....  Ich spiele was dazu. Sagte zuvor- daß ich das alles gelernt habe, aber nicht mehr in Patterns memorieren kann. Ich spiele quer Beet ... improvisiere. Er spielt diverse Malincke-Rhythmen, ich höre das, erinnere mich. Versuche, mich einfach in das Spiel zu geben. Geht schon ... Nehme mich gerne auch zurück und sage doch sehr laut und deutlich etwas wie - wir sollten mal auf die Bedürfnisse der Tanzenden schauen - und nicht einfach "durchbrettern" auf den Trommeln. Also - eine gewisse Dynamik reinbringen - und uns gegebenfalls  auch zum Wohl des Ganzen zurücknehmen." Die erste Reaktion, die kommt, ist etwa die "Ahja - gut, daß Du es ansprichst, ich trommle ja gerade nur mit Afrikanern - und da wird einfach draufgehauen. Also - ruf mich ggf. zurück." Ich sage "Ruf Dich doch selbst zurück- das ist die bessere Übung" Daraufhin ernte ich massiven Protest! In keinem Fall - würde er sich selbst beschränken und zurücknehmen wollen! Ich denke - dann lass es sein - und lern halt nix. Sage nochmal, daß es mir nur um eine Dynamik geht - mit den Menschen, die dann da sein werden - und um die Dynamik des Moments. Habe keine Lust auf "Durchdrescher". Er spiele aber geade mit den vielen, tollen Afrikanern, wo eben durchgedrescht wird. Tja .....
Es ist keine  naturgegebene männliche Eigenschaft, durchzudreschen - im Gegenteil.
Ich habe schon das Glück genossen - sehr sensible Meister-Trommler zu treffen. Afrikaner, Kubaner ... scheiss-egal. Zu mir sind schon Afrikaner gekommen, die meine Hand schütteln wollten und mir sagten, ich sei die beste Trommlerin überhaupt. Was meine Palm-Herzen in den Händen sehr erfreute.
Der potentielle Kollege von heute - war mir zwar viel zu verstandesorientiert - und meinte "Ja, wir wissen beide, wo die 1 ist"! - ich singe in Claven, in Rhythmen, egal ....... aber er ist tempofest und kann seine Djembe-Sachen gut spielen. Mal sehen - ob oder ob nicht. Er bemerkte treffend - ich würde agnz anders spielen, als er. Ja, sage ich - ich spiele mit den Zwischenräumen, kann nicht auf 1234, das ist mir zu langweilig. Was mich noch mehr erstaunte, war, daß er sogleich dabei war, als ich sagte - daß ich doch lieber Congas statt Djembe spielen will beim Workshop. Djembe - ist mir zu begrenzt im Sound.

Es geht um nichts - und ich habe eine goldene Gelegenheit, mir all das unnötige Zeugs nochmal anzusehen.
Wir haben ganz gut zusammengespielt. Nichts Orgiastisches, eher Mechanisches - schade - aber:  Der Kollege ist tempofest - und sicher - das ist ein guter Teppich - den wir ggf. für die Tanzenden legen könnten.  
Als die Tänzerin uns verliess - um nach einem Termin zu schauen - unterbrach ich weitere, verbale und theoretische Ergüsse mit den Worten: Weißt Du - ich rede nicht gerne soviel über Musik - Lass uns lieber was spielen."  Und es ging ganz gut ...jedenfalls haben sich die Leute vor der Tür sehr gefreut.
Jetzt - nach so vielen Worten - die Essenz:
Als ich nach Hause kam - war ich völlig spannungsfrei. Alle körperlichen Beschwerden und Verspannungen - die ich reichlich angesammelt habe durch die Bewegeungslosigkeit in der Limousine - sind nur durch ein wenig Trommeln abgefallen und alle Kanäle waren frei. Danke für die Erinnerung!
Und: Ich werde nicht mitspielen - heute morgen beim Aufwachen war es sonnenklar!. Weil es halb- bis viertelherzig wäre von meiner Seite und die echte Freude fehlte, es war kein "Groove" da, kein "Feeling". Die englischen Wörter treffen es in diesem Falle besser als die deutschen.
Früher hätte ich mich selbst nicht so wichtig genommen und es nochmal versucht. Und vielleicht nochmal. Jetzt freue ich mich darüber, daß ich mich auf mein Bauchgefühl verlasse und mir weiteres Gekrampfe mit Leuten, mit denen es nicht zusammenpaßt, einfach erspare. 
Ja - stimmt - jetzt habe ich ganz schön viel über Musik geredet .....

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