... in jüngster Zeit erst wieder:
Ein paar Anekdoten von traumatisierten Taxi-Kunden.
Eine Dame, die ich zum Friedhof fahre, gibt mir 15 statt den 8 Euro, die auf der Uhr stehen und bricht geradezu in eine begeisterte Rede aus: Das fände sie ja so toll - daß ich tatsächlich den kürzesten Weg genommen hätte!
??? .... Ja - was denn auch sonst? Nun - andere würden meist Umwege fahren. Nun - meine ich - dann sagen sie denen doch, wo sie gerne langfahren möchten?! Täte sie ja - aber die würden trotzdem woanders lang fahren.
Ein Kollege erzählt mir von zwei traumatisierten Damen, die er fuhr. Diese berichteten ihm vom Einstieg bei einem muselmanischen Fahrer - der habe Ihnen gesagt, sie müßten hinter ihm sitzen und sie dürften nicht mit ihm sprechen.
Ein paar der üblichen Geschichten noch - Kundinnen, die vom Fahrer angeschnauzt wurden, weil sie nur eine sehr kurze Fahrt machten. Meistens sind es Frauen - die sich sowas gefallen lassen. Ich meine, es gehören immer zwei dazu - wenn ich gutes Geld für ein Taxi ausgebe, lasse ich mich sicher nicht von einem übellaunigen Fahrer zur Sau machen.
Selbst habe ich ein paar Jahre Übung gebraucht - um meine eigene, mögliche Übellaunigkeit nicht mehr an den Kunden auszulassen. Die haben damit nämlich nichts zu tun - und viele kleine Fahrten sind ebenso gut, wie eine längere. Es muß halt rollen ... was es leider nicht mehr oft tut. Und wer weiß, wohin mich die Fahrt zu 3,50 als nächstes bringt? Das Wichtigste aber war - das ich (ein-)gesehen habe, daß ich mir selbst nichts Gutes tue, wenn ich übellaunig bin - in einer Branche, die nun einmal weitestgehend dem Zu-fall und dem Glück überlassen ist. Im Gegenteil, es macht mehr Freude, jedem, der kommt, einfach mit Respekt zu begegnen. Niemanden anzuschnauzen. Alten Menschen, die sich oft grundlos entschuldigen, daß es etwas länger dauert, zu sagen: "Lassen Sie sich Zeit!". Den Geiz bei denen zu lassen, die keinen Cent Trinkgeld geben - was sie ja auch nicht müssen - und mich über manche, überraschende Großzügigkeit zu freuen, die mich anschließend erwartet. Mich über erfreute Kundschaft zu freuen, die sich für die angenehme Fahrt bedankt. All das - macht es leichter. Und ist gesünder - für mich selbst.
Manchmal auch Grenzen setzen, wie neulich bei einer von denen, die nichts merken. Die gerne schon beim Einsteigen ihre Krankheitsgeschichten bei mir abladen möchten, weil sie sonst nichts erleben. Und weil sie sich damit irgendwie wichtiger fühlen - als wenn sie keine Krankheit "hätten". Die - gibt zwar während der Fahrt Ruhe, aber als sie aussteigt, versucht sie´s nochmal. Es daure etwas länger - weil sie letztes Jahr zwei Augen-OP´s gehabt hätte. Und seither habe sie auf dem Auge nur noch soundsoviel Prozent Sehkraft und auf dem Anderen .... blablabla. Ich schaue schon mal in die andere Richtung und lege demonstrativ den Gang ein. Jaja - sie wisse ja, das mich das nicht interessiere. Ich denke "Warum erzählst Du´s mir dann dennoch, wenn Du´s doch weißt?" und sage nur sehr laut "Auf Wiedersehen!". Tut gut - daß alles nicht "nehmen zu müssen". Und dennoch neutral-freundlich sein zu können. Mich zu freuen, daß es mir selbst fern liegt, über irgendwelche Krankheitsgeschichten nach Aufmerksamkeit zu dürsten. Vorzugsweise sind dies ältere Damen und manchmal tun sie mir fast leid. Aber nur fast. Sie hätten ja auch andere Wege wählen können - als die Mitmenschen mit ihren langweiligen Krankheiten tyrannsieren zu wollen - um ein kleines bischen Aufmerksamkeit.
Und genau darum geht´s - bei allen, die ich treffe: Alle wünschen sich - ein kleines bischen Aufmerksamkeit. Wollen kurz "gesehen" bzw. "wahrgenommen" werden. Der eine mehr - der andere weniger. Aber alle sind zufrieden - wenn sie einfach ordentlich gegrüßt und verabschiedet werden. Das reicht schon. Und manchmal ergibt sich mehr - manchmal nicht. Alles in bester Ordnung. Und seit ich dies und jenes für mich selbst gelernt habe - besonders, jede(n) so zu lassen, wie er/ist - ist es meist ganz angenehm in der Limousine mit den Menschen.
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