... jou, da isser, der Sommer, den sich alle so herbeigewünscht haben.
Noch sind alle recht entspannt und genießen es. Freuen sich. Nehmen Vitamin D auf und die Stimmung ist gut in der Limousine. Wenn jemand kommt - es sind Sommerferien. Wenn keiner kommt, wie neulich morgens, gibt´s halt mal zwei Stunden was zu lachen und/oder zu erzählen mit den Kollegen. Aktuell auch hier und da ein paar "Frotzeleien" zum Ramadan ... Oder ich erledige erst mal in aller Ruhe ein paar Einkäufe auf dem schönsten Wochenmarkt der Kolonie - wo ich ebenfalls auf freundliche Menschen treffe. Oder - meistens - beides.
Auch der heutige Morgen fing mit lautem Lachen an - der erste Fahrgast war ein lebendiger Temperamentsbolzen und teilte meine Aversion gegen einen bestimmten Muttertypus mit Kinderwagen .... köstlich, diese Wahrnehmungsparallelen. Ich bekundete meine aufrechte Freude, endlich mal jemanden zu treffen, der das genau so sieht, wie ich. Er - hatte damit angefangen - über den Wochenmarkt direkt vor seiner Haustür kam er drauf - der einzige Markt in der Kolonie, der sechs Tage in Betrieb ist. Den ich schon seit Urzeiten kenne - und mag. Und ich amüsierte mich genüßlich drüber. Fragte nach - wie die denn aussehen, diese Feindbild-Mütter?
Er sprach von diesen Müttern mit diesen Männern dazu, die es halb geschafft haben. Und die Mütter sitzen nun jeden Tag an seinem ehemaligen Lieblingsplatz - mit zugekniffenen, aufeinandergepreßten, dünnlippigen Mündern - und tauschen sich stundenlang über die neuesten "Alnatura-Produkte" aus. Ich grinse breit .... der ist in Hochform - oder eher: Immer so.
Ein nagelneues autofreies Wohngebiet mit lauter Zugezogenen am Rande des uns beiden sehr vertrauten Stadtteils - mir länger als ihm, er ist Immi seit etwa 30 Jahren, ich bin "echt" - bezeichnete er gar als "No-Go-Area" - und ich kriegte mich kaum ein dadrüber. Fand es interessant, zu lauschen, wie sich seiner Wahrnehmung nach dieser Stadtteil verändert hat. Wie geschruben - ich kenne diesen noch länger und das kennt er nicht einmal - denn etwa zu der Zeit, als er ankam in der Kolonie fing das mit diesen halbintellektuellen Immies an.
Der Mietwucher begann - weil die halbintellektuellen Zugezogenen die einstigen Arbeiter aus ihren einstigen Wohnvierteln vertrieben. Altbauten wurden saniert und Parkettböden für die einstmals-gehobene Schicht der Pädagogen eingezogen. Ganze "Lehrerviertel" entstanden - und das ehemalige, lebendige Blut zog sich zunehmends zurück aus diesen Gebieten. Innerhalb der jeweiligen Stadtteile bzw. "Veedel" - begann eine Art Kolonialisierung durch die Zugereisten mit Geldmitteln. Und so - ist es bis heute. "Einheimische" triffst Du dort kaum noch. Die haben sich mehr an die Peripherien zurückgezogen - weil ihre einstige Kolonie immer teurer wurde.
Irgendwann später - ruft einer an der Säule an und meldet sich mit einem bislang noch nie von mir gehörtem Namen - ich sage ihm "Ich bin die Nummer Soundso - bin gleich bei Ihnen." Sicherheitshalber - in diesen mauen Zeiten könnte ja ein anderes Taxi anhalten, um ihn auf der sehr belebten und vielbefahrenen Straße aufzulesen. "Tschöööö - Nummer Soundso" - sagt der belustigt, bis ich´s ihm kurz danach erläutert habe.Er erläutert mir seinerseits seinen seltenen Namen - der ist polnischen Ursprungs.
Ein lebendiger Typ - echter Ruhrpottler mit speziellem Humor, den ich auch mag. Nach unterhaltsamer Fahrt läuft mir im fliegenden Wechsel ein neuer Fahrgast zu und der Ruhrpottler, dem ich zuvor erläutert hatte, daß ja manchmal auch Fahrten abgegriffen werden - fragt "den Neuen", ob er ein Taxi bestellt hätte? Ich muß lachen und lobe ihn - da habe er aber jetzt gut aufgepaßt, daß ich nichts "abgreife".
Nein, der junge Mann freut sich einfach, daß ich gerade passend vorbeikomme. Er ist auf dem Weg nach Amerika - mit einem Köfferchen voller Stammzellen. Also - die seien eigentlich in dem Blut drin, was da in dem Spezialkoffer ist. Und diese Stammzellen sind für einen Empfänger in USA - der braucht die für´s Rückenmark. Aha?! Was es alles für Jobs gibt .....
Am Vormittag fahre ich einen, der seit etwa 25 Jahren in Kolumbien lebt - zum Bahnhof in Deutz. Sehr interessanter, reflektierter Mensch, der auf der ganzen Welt gearbeitet hat - auch einst als freier Mitarbeiter für die Eh-Uh-Komm-Mission. Irgendwas mit großen Infrastrukturprojekten. Nach einem kurzen Austausch über Politisches und (A-)Soziales - erzählt er mir kurz vor dem Ziel etwas, was mich wirklich erheitert.
Ein paar wenige "Reste" von einem gut besuchten Grufti-Festival am Rheinufer laufen noch in Bahnhofsnähe herum .... die sind allesamt in Schwarz gekleidet und mit viel Rüschen, Rissen, Plateausohlen, Nieten, Gürteln, Geblümtem und anderen Accessoires unterwegs. Von vier aus Westfalen angereisten, quicklebendigen Schwulen erfuhr ich am Samstag, daß es sich um ein sogenanntes "Amphi-Festival" handelt .... die gingen dort auch hin - natürlich in Schwarz.
Mein deutschwurzeliger Fahrgast aus Kolumbien hatte aber nichts von dem Fest gewußt und sich die ganze Zeit nicht schlecht gewundert ... was hier los ist in der Kolonie. Das hatte er noch nicht gesehen vorher und war davon ausgegangen, daß wir hier immer so rumlaufen - bis er gestern auch endlich von dem Festival erfahren hatte.
Die sind übrigens ganz artig, die Grufties. Keine Randale, alles friedlich. Sie sind - sensibel. Aber nicht so sensibel, als daß sie merken würden, daß Schwarz dazu genau die falsche Farbe ist. Schwarz - absorbiert allen Scheiß, der so in der Gegend herumwabert. Weiß - ist die "Farbe", die in anderen Kulturen bei Beerdigungen und auch bei Initiationen getragen wird - um unerwünschte energetische Konglomerate eben nicht auf sich zu ziehen.
Fuhr gestern mittag noch ein sehr angenehmes Paar dorthin - ganz harmlose und freundliche Menschen. Wunderte mich dann aber auch noch kurz, als die beiden mich verließen - über ihr Röckchen. Das hing nur knapp halb über den hübschen Arsch, der in eine Netzstrumpfhose verpackt war. Naja - jeder, wie er/sie möchte .... und sie hatte einen sehr hübschen Hintern.
Apropos Hintern: Nachdem ich in den vergangenen Tagen des öfteren mal wieder stark behaarte, nackte Männerbeine auf den Straßen sah - fragte ich mich heute bei einem solchen jungen Exemplar, der in seiner Shorts Motorrad fuhr und kurz neben mir stand - ob die sich wohl schaaam-h-r-rasieren? Und wie das dann wohl aussieht? Nix am Sack - aber die Beine überwuchert mit Wildkraut.
Habe mich inzwischen gut und willig in die Hitze akklimatisiert und stelle fest - eigentlich entspricht die ganz gut meinem Temperament. Muß nur aufpassen - weil ich manchmal eher an Energie zulege. Und als mich heute jemand zweimal willentlich schnitt - beim zweiten Mal schon kriminell und mehr als provokant, alles ohne Blinker - gab ich mal kurz Gas und schnitt sehr knapp zurück - um direkt darauf willentlich in die Eisen zu gehen. Wären ein paar Tausend Euro gewesen - für´s Taxi-Unternehmen, wenn das Arschloch draufgerasselt wäre. Muß manchmal sein - aber nur noch sehr selten. Viele schwere Unfälle gab´s in den vergangenen Tagen - und heute abend habe ich wegen einem weiteren solchen über eine Stunde gebraucht, um überhaupt rauszukommen aus der Kolonie. Hitzige Vollmond-Verdichtung.
Der alte, gebückte Bauer vom Freitagsmarkt hat sich noch eingebrannt neulich. Ein Stand auf dem Markt um die Ecke meiner ehemaligen Behausung in der Kolonie. Die bauen tatsächlich alles selbst an und bieten ohne Zukauf ihre eigenen Lebensmittel an - und diese haben den Namen wirklich verdient. Mein Lieblingsstand - in der ganzen Kolonie eigentlich. Weil das feilgebotenene und allzu spottbillige, lebendige Gemüse und die Früchte quasi singen! Die singen noch, als ich sie ins Limousinenheck lege. "Wir sind so frisch und köstlich - so frisch ist niemand sonst." Zwei schwere Tüten - für keine sieben Euro. Irgendwas - scheint mir mal wieder sehr verdreht ....
Der alte Bauer - ist vermutlich gut über die achtzig und eventuell noch weiter, der Rücken ist krumm und gebeugt, er ist hager und wäre der Rücken noch gerade, wäre er sehr hochgewachsen. Seine Hände sind überdimensional groß - vom Arbeiten. Echte Erd-Arbeits-Pranken eben.
Und während der mir das Gewünschte in seinem angemessenen Tempo zusammenholt - sagt einer seiner Mitarbeiter "Das ist mein Papa". In etwas gebrochenem deutsch - es sind nämlich alles Leute aus irgendwelchen östlichen Gefilden, die dort arbeiten. Der Alte ist der Chef. Lasse mir noch vom selbsternannten "Sohn" erzählen, wie ich überhaupt die dicken Bohnen kochen muß, habe die noch nie zubereitet zuvor. Ob ich die einweichen muß? Neinnein - soundso .... klingt gut, danke.
Der alte Mann erzählt mir - vom gestrigen Tage bei weit über dreißig Grad in der Sonne auf den Feldern. Diese mußten den ganzen Tag über mit vierzig Schläuchen bewässert werden. Fünfzehn Leute hätte es gebraucht - immer wieder diese Riesenschläuche zum Bewässern umzulegen - und am Abend sei er fix und alle gewesen. Ob ich mir das vorstellen könnte? Ja - sage ich - kann ich mir sehr gut vorstellen.
Naja - sagt er - aber schließlich habe er halt durchgehalten - er habe sich ja nicht vor den Anderen blamieren wollen. Wieder so ein Moment - den ich wohl kaum vergessen werde.
Übrigens - seit nicht mehr gesprüht wird am Himmel und der Sommer einfach sein darf - habe ich nachts nicht ein einziges Flugzeug überm Haus vernommen. Wenn wieder gesprüht wird - donnern die hier ununterbrochen drüber.
Und noch ein wenig "Übriges", neben Vergessenem- und neben hier nicht erwähnten Geschenken: Tausend Dank - für die Klimaanlage zwischendurch! Und für Nächte, in denen sich die kühlende Feuchtigkeit der Wälder ringsum wie ein Labsal auf den hiesigen Boden begibt. Es ist gut auszuhalten. Sogar im Himmelsgeschoß - so ab Neune.
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