Ein Vater und seine kleine, aufgeweckte Tochter fahren ein kurzes Stück mit mir mit. Das Mädchen erzählt wie ein Wasserfall, ich lausche nicht den Einzelheiten, amüsiere mich nur darüber, wie sie erzählt - kurzes L.uftschnappen zwischendurch und schon geht´s ungebremst weiter.
Dann höre ich plötzlich wieder eine dieser genialen Kinderfragen:
"Papa, was ist ein Wunder?"
Der Vater bleibt ihr eine Antwort schuldig - er schweigt dazu - und sie vergißt ihre Frage wieder, plappert munter weiter. .
Sofort beginnt es in mir zu arbeiten - ich schaue bei mir nach, ob ich eine Antwort darauf finde ... eben am Kaffeetisch erst fällt mir eine dazu ein:
Alles - ist ein Wunder. Das ganze Leben.
Hole mein Tagebuch aus der Schubalde und zeichne mit dem Füller ein paar Striche, die zu Worten und zu Geschichten werden. Auf zuvor weißes, unbeschriebenes Blatt. Ein Wunder.
Eiue Figur entsteht aus ein paar weiteren Strichen - und lächelt mich an. Fast scheint diese lebendig, eben geboren. Ein Wunder.
Ich wundere mich - daß ich so lange gebraucht habe - um in einem dieser stillen, raren Momente zu begreifen, daß alles, alles was geschieht - im Grunde ein Wunder ist. Und unerklärlich bleibt. Sogar die scheinbar profanen Verrichtungen, jede Bewegung, die dieses Körperkonglomerat ausführt. Ich bin einfach höchst erstaunt - und beobachte in einer Art Verlangsamung einfach, was als nächstes geschieht. Unaufhaltbar. Ein Wunder eben, lauter Wunder.
Und ich weiß - daß ich keine Antwort habe und auch keine bekommen werde, was genau die treibende Kraft ist, die unablässig Leben und Geschichten erschafft.
Plötzlich - erlebe ich zum ersten Mal so deutlich, was "Schaffenskraft" ist - und meine erlernten Bewertungen verblassen im Nichts. Dachte immer, es müsse etwas "Besonderes" sein - vielleicht ein beeindruckendes Lebenswerk, was immer das sein mag. Aber es ist viel einfacher und gewaltiger. Und es findet in jedem Moment statt. Ist nicht aufzuhalten, ein Perpetuum Mobile. Alles nur dünne Worte - für einen seltenen Moment.
Ich bemerke - daß ich mich seit einem halben Jahrhundert auf einem Holzweg befunden hatte - was "Kreativität" betrifft. Und das ich mir diese selbst verweigert habe. Allzu oft jedenfalls. Es ist - viel einfacher, als ich dachte. Ein Moment mit offenem Geist - reicht aus. Und schon geschehen wieder - lauter Wunder. Ich hab´s nur nicht gesehen - allzuviel angesammelter "Müll" im Kopf.
Wunderbar - solche Kinderfragen!
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