... stellte neulich fest: Es wird wieder Zeit - das Hirn - anders - zu trainieren. Die simplen Funktionen des Memorierens und Kombinierens. Höchste Zeit!- für´s Wiederaufgreifen.
Zwei sachdienliche Hinweise gab es:
Zum Einen habe ich mit dem Unternehmerwechsel mein Abrechnungssystem umgestellt - und habe nun nach langer Pause wieder etwas zu rechnen. Stellte entsetzt fest, daß ich tatsächlich Schwierigkeiten mit dem Kopfrechnen hatte anfangs, jetzt geht´s schon wieder erheblich besser, einfach - weil ich es ewig nicht in der Form praktiziert hatte.
Früher mal - war das eine leichte Nummer für mich. Und langsam - kommt es auch wieder. Ich arbeite da teilweise in "inneren Bildern" und "Klängen", was schnell geht. Wenn es geübt wird. Neulich aber - war das alles nicht mehr wirklich in Betrieb aufgrund von Unterlassung in den Vorjahren. Und ich war ein wenig schockiert - daß die entsprechenden Verbindungen im Gehirn offenbar nicht mehr geschaltet waren.
Der andere, sehr gute Hinweis kam von einem vitalen, gut aussehenden 79-jährigen Fahrgast - mit dem ich kurz über´s Älter- bzw. Altwerden sprach. Ein schlanker, hochgewachsener, geistig-reger Mann, gekleidet in feinstem Tuche und sehr angenehm in seinen Umgangsformen. "Kultiviert" also.
Wie wir - zügig - drauf kamen - aufs Älterwerden bzw. -sein, habe ich vergessen.
Ich fragte ihn also - neugierig auf seine Antwort dazu: Wann ist man denn - "genau" - alt?
An materialistischen Maßstäben - und der Vorstellung an Jahren gemessen - wäre er es ja schließlich gewesen. Theoretisch .....
Nun - antwortete dieser - das wisse er auch nicht. Bislang habe er es sehr gut vermeiden können. Er verriet ein paar seiner persönlichen Tricks - mäßiges (also:maßvoll - Maß halten! - inzwischen eher entfremdeter Begriff ... ) Leben, keine Exzesse, weiter mit Freude arbeiten und unter Menschen gehen und vor allem: Immer nach dem Essen spazierengehen. Das würde er von je her so praktizieren, das gäbe es bei ihm nicht, daß er nach dem Essen nicht seine Schritte tun würde. Und einen guten Tip hätte er noch - ein Freund von ihm würde das so halten:
Jeden Tag einen Vierzeiler auswendig lernen.
Ich dachte kurz zu dem Vierzeiler, der einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen hatte - ja, das gefällt mir - und das ist doch kein Problem. Und täuschte mich zunächst gründlich. Gleicher Sachverhalt in den eingeschlafenen Hirnwindungen - wie oben schon mit dem Kopfrechnen beschrieben: Die dazugehörigen Verbindungen waren nicht mehr geschaltet - aufgrund von mangelnder Übung in den vergangenen Jahren.
So - habe ich nun also für mein erstes Projekt in dieser Richtung - eine ganze Weile gebraucht, bis ich es auswendig konnte.
Ein Gedicht von Fontane - gefunden neulich bei der Wildgans - die unermüdlich mit Gedichten und Geschichten lockt auf ihren erquicklichen Seiten. Aber erst besagter Fontane war´s - der bei mir einschlug wie ein durchsichtig-gläserner Meteorit vor kurzem. Findet sich am Rande hier im Blog .... es geht um "verdoppeltes Leben", um Intensität - und Dankbarkeit. Vier Vierzeiler ..... die jeden neuen Tag versüßen.
Habe mir nun einen Gedichtband mit deutschen Gedichten aus vielen Jahrhunderten und von verschiedenen Erschaffenden bestellt - mein Übungsmaterial. Deutsche Gedichte - mit verschiedenen Facetten dieser Sprache, wie sie sich im Laufe der Jahrhunderte gewandelt hat.
"Meine" Sprache. Eine mit Ausdrucksmöglichkeiten - die sich mir gar nicht erschließen, weil ich soviele Worte nicht nutze. Wunderbare Worte - und eine wunderbare Sprache. Glaube ich - obwohl ich relativ wenig Vergleich habe - zumindest in der Tiefe - ansonsten schon einiges - in den Umgangsformen jedenfalls.
Eine Sprache - die von vielen Schriftschaffenden auch ganz anderer Kulturen geliebt wird aufgrund ihrer Ausdrucksmöglichkeit und ihrer Klarheit, ihrer Tiefe eben. Und manches Mal sogar - weil sie humorig sein kann.
Eine Art "verschollene Schönheit" - die es lohnt, wieder zu beleben.
Auch hier - also beim Memorieren des Sechszehnzeilers vom Herrn Fontane - fand ich mich einigermaßen enstetzt darüber, wie wenig meine Hirnwindungen zusammengeschaltet waren in den vergangenen Jahren des langsamen Verblödens in der Limousine - mit immergleichen Sprüchen und nur seltenen "Zusammentreffen mit Kultivierten" - sowie auch einer gewissen Form des systematisch-fortschreitenden Verblödens vor dem Bildschirm. Eine der zahlreichen Paradoxien in einem Menschenleben - zwar lernst Du viel dazu - aber Du kannst auch viel Wichtiges dabei ver-lernen.
Zu den Zeiten, in denen ich exzessiv getrommelt habe - waren diese Schaltungen im Gehirn mehr als intakt.
(Was Exzesse, hier: Intensität betrifft - bin ich anderer Ansicht als der oben erwähnte Herr - und liebe solche durchaus, weil sie zu einer erstaunlichen Verdichtung in Zeit und Erleben führen können. Besipielsweise auch in Partnerschaften - mit Manchem war ich 24 Stunden bis ein paar Jahre pro Tag zusammen - und so bin ich sicher, daß manchmal trotz "kurzer Gesamtlaufzeit" mindestens ebenso viel geschehen ist - wie bei anderen Paaren in 25 Jahren - nicht.)
Ich konnte alles, alles, was ich gelernt habe, memorieren - und ich tat dies auch täglich viele Stunden lang. Eigentlich - immer - nur mit wenigen Pausen. Lernte Vierzeiler und Sechzehnzeiler in einer mir - scheinbar - völlig fremden, aber doch zutiefst vertrauten Sprache - mühelos. Gesänge der Yoruba - für universalen Götter.
Viele kann ich heute noch mühelos memorieren - manchmal fehlt mir hier und da ein Wort zur Melodie. Auch die Rhythmen - lassen sich memorieren. Es ist immer eine Frage - der Übung und der Regelmäßigkeit und/aber besonders der Intensität.
Melodien habe ich vermutlich noch nie vergessen - kann mich jedenfalls nicht dran erinnern. Und es gibt bislang auch nichts, was ich auch nur annähernd vergleichbar schnell auffangen und memorieren kann. Manches Mal - wenn ich eine ganz neue Melodie vernehme, weiß ich gar vorher - was sich in der Folge quasi rein logisch erschließen wird - ohne, daß ich auch nur den geringsten Schimmer oder gar Interesse an "höherer Mathematik" hätte. Was alles selbstredend - für Musik und nicht nur als Gehirntrainerin spricht.
Velleicht war dieses exzessive Memorieren ein Grund - warum manche, die all das einst nur unter größeren Anstrengungen gelernt hatten, mir nicht glauben wollten, daß ich es in Windeseile tat: Ich memorierte etwa 24 Stunden bis ein paar Jahre am Tag - auch im Schlaf und im Traume, mit großer Begeisterung. Werde nicht vergessen, wie sich des Nachts im Traum, gerade auf Cuba und beim ersehnten Meister angekommen, Ogún - bei uns Mars - äußerst real mit einer ganzen Armee von Helfern in Bewegung setzte, um mich zu unterstützen.
Bin bis heute davon überzeugt - daß es ein "Wiederhören" war .... also nicht das erste Mal. Ein klares "Nachhausekommen" - schon nach den ersten wahrgenommen Klängen von bespielten Batás (die "göttlichen Trommeln") einst in Deutschland im schönen Westerwald. Ein paar Hundert Meter von der Spielstätte entfernt - aber diese Trommelklänge verbreiten sich in Wellen über große Distanzen ....
Nun - bieten sich also neue, alte Übungsfelder. Und noch etwas, was schon lange vor sich hin schwelt, etwas, was verloren gegangen ist in diesem Land: Lieder!
Will heißen: Vierzeiler - Gedichte - lassen sich schließlich auch vertonen und singen! Und so - macht es nicht nur gleich doppelt Spaß - sondern brennt sich auch erheblich tiefer ins ganze System ein.
Lauschte mehr am Rande in den vergangenen Jahren hier und da gebannt und meist nur per Zufall wenigen MusikerInnen, die sich altem deutschen Liedgut widmeten - und war immer fasziniert von der Schönheit, die es mit sich bringt. Es ist aber leider - fast völlig verschollen und vergessen - so wie die Hirnverbindungen es auch tun - wenn sie nicht gepflegt werden.
An dieser Stelle also - herzlichen Dank an die wilde Gans und ihre Leidenschaft für Sprache, Bilder und "alles drumherum" - und an den o.g. Herrn, den ich fuhr. Auch an die neuen, korrekten Unternehmer - u.a. wegen dem Kopfrechnen. Also mal an alle - für die Erinnerung!
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen