Und vorab - ich freue mich, daß Du Dir kein Bild von mir machen kannst!
Das läßt mich - weitgehend frei sein.
Die vielen Selbstbilder - die ich so mit mir herumgetragen habe und noch trage - sind schon einschränkend genug.
Zu Deinen Gedanken über die Liebe - nur wenig von mir.
Habe sie gerne gelesen - und stimme auch in großen Teilen zu. NIcht, weil sie "eine" Wahrheit verkörpern - aber viele mögliche.
Kann aber selbst nicht sagen - was nun "echte Liebe" ist - und was womöglich "falsche".
Diese gern zitierte "bedingungslose Liebe" ist vermutlich keine, die ein Mensch mit Ego (also wir alle zu Lebzeiten) "fassen" kann.
Diese - würde auch Kriege und viele Tode mit einschließen - in vollkommenem Einverständnis. Ich kenne eigentlich niemanden - der dazu in der Lage ist - also "bedingungslos".
Die anderen Facetten - habe ich hier oder da mal gekannt - für eine Weile.
Und ihre mitgelieferten Trugbilder natürlich auch jeweils - nach einer Weile bemerkt.
Allerdings bin ich da fachlich nicht sonderlich kompetent - und ich habe mich beispielsweise schon seit Ewigkeiten nicht mehr „ernstlich“ in eine bestimmte Person verliebt.
Die letzten Male - habe ich eher neben mir gestanden und meine seltsamen Projektionen und Emotionen dazu beobachtet.
Einerseits wissend - daß es Trugbilder sind - und andererseits staunend, wie sehr ich diesen doch immer noch aufsitze - und für eine Weile auch erliege.
Interessanterweise - dufte ich dies die letzten beiden Male mit gehörigem Abstand verfolgen - da beide Subjekte meiner temporären Begierde glücklicherweise nicht wirklich verfügbar waren.
Manchmal stelle ich mir auch noch Fragen - zur Liebe.
Aber greifbar ist sie nicht - nicht für mich.
Sobald ich mich frage - was ich liebe - sehe ich mich gleichzeitig allem gegenüber, was ich nicht liebe. Und spalte das Leben in Teile - fragmentiere. Die Natur - von Polarität eben.
Im Frühjahr - verliebe ich mich immer wieder neu in die aufblühende Natur -
und verspüre gleichzeitig schon den Schmerz darüber - wie schnell alles wieder vergehen wird.
Manchmal verliebe ich mich kurzfristig für eine Taxifahrt lang in die jeweiligen Gäste und ihre Eigenarten - und habe keine Probleme damit, daß die Menschen gleich wieder aus meinem Blickwinkel verschwinden.
Jede einstige Verliebtheit in einen Mann - kam mit der Vorstellung einher - ich sei noch nie zuvor derart verliebt gewesen. Und wenige Monate später hat mich das Leben eines Besseren gelehrt. Einmal – ließ ich scheinbar die Hälfte von mir bei einem … und mußte mich über Wochen wieder als Ganzes zusammen-sammeln.
Von Mutterliebe - weiß ich auch nicht viel - habe keine eigenen Kinder geboren und hatte nie den Ruf dazu. Ich weiß nur etwas - von natürlichem Instinkt - wie ich kürzlich nochmal beobachtete, als ich einem Kind, welches bei mir mitfuhr - schützend und automatisch meine Hände über seine Schultern legte beim Aussteigen.
Manchmal höre ich Geschichten der Mitfahrenden - wie sie von ihren Müttern (und/oder Vätern) zutiefst gedemütigt und klein gehalten wurden einst - und denke - Mutterliebe (Mutter-, Vater-, Elternliebe ...) ist wahrlich überschätzt auf unserem Planeten. Und allzu oft - werden Kinder aus reinem Egoismus erzeugt. Damit endlich mal jemand – länger - da ist - der einen liebt und „braucht“.
Es scheint offenbar Paare zu
geben – die klüger mit der Liebe umgehen, als ich es je vermochte. Meistens freue ich mich einfach für diese
Menschen – und bleibe unwissend.
Die Liebe zur Natur –
ebenfalls eine komische Menschen-Angelegenheit. Die Blumen im eigenen Garten
werden geliebt, gehegt, gepflegt – und die
wildwachsenden heilkräftigen Kräuter vor den Zäunen als Unkraut beschimpft und
ausgerissen, weggeschmissen. Ein kühles Bad im See wird geschätzt - und wenn eine Flut kommt, wird das Wasser zum
bedrohlichen Monster.
Tierliebe – so gespalten – in
„liebenswerte und betuttelte Haustierchen“ und „freßbare Nutztiere“, über deren
Elend nicht gerne viele Gedanken verschwendet werden.
Innerhalb eines
Menschenlebens – erscheint mir die Vorstellung von Liebe also doch eher sehr
bedingt zu sein. An Bedingungen geknüpft – die möglichst zum eigenen
Wohlergehen beitragen sollen.
Selbst die göttlichen Mythen - gehen selten über solche egomane Vorteilsnahme hinaus.
Kurze Momente von „bedingungsloser
Liebe“ mögen vielleicht erlebbar sein. In Extremsituationen vielleicht … wenn
plötzlich das Leben offenbar an einem seidenen Fädchen hängt – und mensch dennoch
dran hängt, obwohl es gerade äußerst beschissen und schmerzhaft ist.
Vielleicht – wenn sich jemand
vor einen anderen stellt – damit dieser weiterleben kann. Wobei ich meine –
auch so etwas geschieht mehr instinktiv.
Vielleicht ist „Liebe“ diese Kraft, die mich überhaupt lebendig erhält? Damit bleibe ich aber - erneut - im engen Kästchen von Vorstellungen und Begrifflichkeiten – die das alles nicht zu benennen vermögen – und deren Name keine Rolle spielt.
Liebe und Kunst – sind m.E.
nicht „definierbar“. Bei beiden tut der Mensch sich m.E. schwer – und beide werden auch gehörig
mißbraucht und vermarktet.
Vermutlich ist nicht mehr
möglich – als für sich selbst einige Erfahrungen zu machen hier auf Erden. Trial and error …
„Liebe Deine Feinde“ – ist auch
nur so eine Idee – zu bedingungsloser Liebe. Sowas kann mensch nicht einfach
tun. Und wenn doch – so ist es ihm einfach gegeben – von irgendwoher. Vielleicht von dort – wo alles herkommt –
erscheint und wieder vergeht – dieser „Ort“ (und schon wieder an
Begrifflichkeiten gescheitert …) – aus dem das Leben selbst – entsteht und
wieder vergeht.
Ne – ich „weiß“ nichts von
der Liebe.
Und doch – scheint sie
manchmal einfach da zu sein.
Und nicht etwa – nur in zwei „Formen“ sondern in vielen.
Jedes Wesen wird für sich
selbst herausfinden – ob es sich in ihrem Erleben um „echte“ oder „falsche“
handelt – oder einfach um eine, die nur für eine Weile erscheint und dann
wieder vergeht . Wie ihre zahlreichen Geschwister.
Jeder menschengemachte
Versuch einer Beschreibung – muß fehlbar bleiben.
Egal – wie gut es klingen
mag.
Es gibt auch solche Begrifflichkeiten
wie „perverse Liebe“ – wo die Einen den Anderen die Anwesenheit von „wahrer
Liebe“ empört und vehement absprechen – wollen. Obwohl sie selbst keine Ahnung haben und auch
nie haben werden – weil diese seltsame Erscheinung nicht in ihrem Lebensplan
vorkommt.
Scheinbar „bedingungslose
Liebe“ wie einst die vielgepriesene einer weltberühmten Nonne – stellt sich im
Nachhinein als tiefe Geistesverwirrung dieser Dame – die immer nur Mensch war -
mit fatalen Folgen für die derart mit ihrer
"fehlgeleiteten Liebe" vergewaltigten Opfer heraus.
Spirituelle MeisterInnen –
von Abertausenden verehrt und verklärt – gebärden sich oft im Alltäglichen –
wie alle Anderen auch hier und da – als wahre Despoten und Arschlöcher. Natürlich wird das nicht gerne berichtet –
weil ja sonst die schönen Illusionen wieder ins unerträglich Banale rutschen.
Und so weiter – und so weiter
….
Tausende von Büchern und
Gedichten – schon über die Liebe verfaßt.
Und ich weiß nicht – wirklich nicht – ob jemals ein Mensch diese wirklich durchdrungen hat. Eher nicht – in meiner Wahrnehmung.
Wo ausschließlich nach "Liebe" gesucht wird - wird sich vermutlich das Universum wehren - beleidigt ob solcher Ignoranz seiner unendlichen Vielfalt - und gerne auch ein paar andere Zutaten liefern.
Wo an Gott geglaubt wird - wird auch der Teufel ins Leben gerufen.
Wo Licht ist - ist auch Schatten.
Bedingungslose Liebe wäre demnach - jeweils die ganze Palette eines Menschenlebens zu umarmen. Gesundheit - wie Krankheit - noch beispielsweise.
Eine treffliche Übung. Ich wünsche - allseits gutes Gelingen. Nicht nur - ein wenig ironisch - sondern auch tatsächlich.
Meine einstige, eigene Suche nach dieser so benannten "bedingslosen Liebe" - war sicher ein wenig zu hehr angesetzt - sicher sogar arrogant. Und mußte wohl zwangsläufig ihren eigenen Schatten werfen, für eine Weile.
Danke – für die Anregung.
5 Kommentare:
So ein "offenbar-gibt-es"-Paar sind wir. Aber nicht immer.
Ohne Freiräume wären wir eine olle Symbioseveranstaltung. Das wäre das Ende. Was irgendwann eh kommt.
So eine Fülle hier!!
Liebe Zwillingssonne,
ist es Liebe oder Trieb? Schreibtrieb? was Dich zu Deinem außergewöhnlichen Logbuch treibt und Dich in Deiner rastlosen Liebe zum Detail inspiriert, und - mein eigenes Herz sagt mir immer, wenn etwas "mit Liebe" getan wird, getan worden und also gelungen ist.
Und es erfreut sich daran, was Dich an der Welt fasziniert: das Echte und das Innere und die Schönheit ...
Deine gestrige Reflektion der Liebe
trifft und erfüllt diese beiden komplementären Eigenschaften des Menschen: dass er/sie zugleich Akteur und Zuschauer ist.
In der astrologischen Matrix: zugleich Aszendent und Deszendent.
In Deiner Betrachtung der Liebe begegnet mir "quasi exotisch" dieser, Dein, Charakter, den ich das "Konvexe" der Zwillinge nenne, dieses der Streulinsende, um im Geiste der Wildgans zu sprechen, diese Zwillingslinse...mir
als Mond im Krebs (ASC) eignet dagegen elementar die Sammellinse, Wasser ist Sammlerin, so ist es mir von der Anlage unbegreiflich, wie man, so wie Sati, den ganzen Kreis, die ganze Runde der Facetten, mit spot so beleuchten, so "abhandeln" kann.Im Krebs-Fisch muss sich immer ein Gefühls-Gefälle, eine Welle ergießen, Nahestes und Fernstes weiter schwemmend.Er kann nichts, oder nur Schwimmendes und Schwemmendes abhandeln.
Dein Kurzessay zur Liebe bereichert um eine sachliche, neutrale Materialbeschreibung.
Der Wiener Zwillingsbruder, auch so Einer vom "ganzen Kreis der Facetten" ... - und er dazu als Schütze - weiten Kreise ... "1,4 Millionen Kilometer ..." schrieb er mal - hat es bereist.Er kennt daher wohl relativ wirklich "alles" und erscheint immer froh, mit einer doppelten "Inneren" Version der Zwillinge de ja-vus teilen zu können... doppelt, weil zum sie zum einen Frau ist und zum anderen ein Wasser-Zwilling - mein bevorzugter Wasser-Zwilling.
"Manchmal verliebe ich mich kurzfristig für eine Taxifahrt lang in die jeweiligen Gäste und ihre Eigenarten - und habe keine Probleme damit, daß die Menschen gleich wieder aus meinem Blickwinkel verschwinden."
Meine Lieblingsstelle.
Das Netz, das mir, aktiv, wie passiv die Sprachwelt geöffnet hat, es erlaubt in gewissen Fällen eine Intimität, die es sonst nur am philosophischen Küchentisch von Paaren und Freunden gibt.
Ein Bildschirm ist (auch) so ein virtueller "Küchentisch", an dem dem ein genauso essentieller Hunger gestillt werden kann im Geben und Nehmen, wie im realen Leben.
Es gibt Privilegierte, die mit Dir diesen virtuellen "Küchentisch" teilen, meine Gefährtin und ich zählen dazu ... von uns ein großes Danke.
Und sei umarmt zum 50. Geburtstag. Zur Wiederkehr dieses Tages an dem Du zur Krebsstunde unter uns geworfen wurdest ... aus Deiner Mutter, gesegnet sei sie dafür.
Mundanomaniac und seine Liebste
Wildgans,
wir sind auch so ein "offenbar-gibt -es"-Paar, komplementär zu all den "literarisch- unterhaltsamen"-Paaren.
Und trotzdem manchmal geht's über den Rand hinaus von Wut, Schmerz, oder Doofheit ...
Freue mich an Deiner stoischen Komik und kindlichen Liebe zur Kreatur (inklusive Mann) und Schwester ...
MM
Von mir jetzt mal - ein paar doch wässrige Krebs-Tränen - vor Freude über Eure Kommentare.
Danke - für die Sichtung von "Fülle" - an die wilde Gans!
Besonders freuen mich auch diese Ingredenzien - gleich zwei, nein sogar drei von denen - Herzliche Grüße an Deine Liebste, geschätzter Bruder! wußte nicht, daß sie mitliest - von denen hier zu wissen - die die Liebe unter Paaren gut zu meistern wissen.
Relativ unbeirrt von auch diesen Realitäten -
"Und trotzdem manchmal geht's über den Rand hinaus von Wut, Schmerz, oder Doofheit ..."
Lachen ist ja wahrlich gesund - und dies bringt mich zum Lachen.
"Dein Kurzessay zur Liebe bereichert um eine sachliche, neutrale Materialbeschreibung." - naja - nicht ganz - sachlich und neutral - ist ja nicht so, daß Zwillingssonnen nicht etwa fühlen und selbst durchleben. Vermute - wir sortieren nur anders - im Nachhinein und/oder mit anderer Linse..
Und - ja bzw. nein, Sammlerin bin ich nicht (mehr wirklich).
Streulinse war ich schon immer - von Haus aus - und von klein auf.
Sternförmig das Leben und seine Erscheinungen betrachten also. Und den Vielen - ihre eigenen Wahrnehmungen oder Wahrheiten lassen - eine gewisse naturgegebene Anlage - die vielen verschiedenen Sichtweisen zwar nachvollziehen zu können - aber mich nicht unbedingt für eine entscheiden zu müssen.
Nur - wenn´s nötig wird - für eine Weile.
Liebe oder Schreibtrieb? - Viel Trieb - möglichst, so es geht, mit Liebe gewürzt.
Und - wieder einmal - gründlich unreflektiert - ohne Sorge um fehlende Details - und mal eben dahingeschrieben.
In meiner - seit heute beginnenden - zweiten Lebenshälfte - werde ich gründlicher.
Und werde von nun an mehr meinen Trieben und der Liebe frönen.
So!
Das war - ein "Spell".
Danke für die gute Gesellschaft, Sati
PS - fast versäumt - danke für den segensreichen Gruß - an die Welt der Geistseelen - hier die Mutter.
Ihre einstigen Vornamens-Insignien übrigens = M.M. .. Huch!
Nur ein Scherz - sie hat sich einfach gefreut - über Deinen Gruß - innerhalb der vielen Äonen.
Sati
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