Samstag, 8. Juni 2013

Narrenfreiheit - und Nachrichtenabstinenz ....

... die Nachrichten-Abstinenz hält an. Unverkrampft - also es kann durchaus mal was durchrutschen zu mir, aber ich will mich nicht mehr länger damit aufhalten. Und das ist literal gemeint - ich halte ja nur mich selbst auf - indem ich allzu viel davon konsumiere.

Die Fluten, die soviele Menschen aus ihrem bisherigen Leben gespült haben - ja, ich habe davon gehört. Tatsächlich ist aber hier alles trocken - und ich habe andere "kleine" Dinge zu bewältigen. Das ist nicht "empathiefrei". Ich will nur nicht mehr meine Nase in sämtliche Angelegenheiten dieser Welt stecken - und die naheliegendsten darüber vernachlässigen. Wäre hier eine Flut angekommen - wäre ich sicher mit draußen und würde mithelfen, die Schäden zu beseitigen, keine Frage.

Es interessiert mich nicht wirklich - wo überall Aufstände toben und sinnlose Kriege geführt werden. Wo die paranoide Überwachung weitere Blüten treibt. Wo wieder neue Methoden seitens der "mo(r)dernen Medizin (schöner Tippfehler ...)" gefunden werden - die niemand braucht und besonders schon soviele Kinder in ihrer natürlichen Entfaltung lähmen. 

Ich muß das alles nicht bis ins klein-klein erfahren. Sieben mal sieben Jahre habe ich mir das Zeugs angehört - mich sogar teils exzessiv in Einzelheiten vertieft. Und - es hört dennoch nicht auf. Es gibt immer wieder Menschen, die ein eigenes Interesse daran haben, Kriege und andere seltsame Spiele weiterzutreiben. Und solche - die diese aufhalten wollen.
Aber - will ich das wirklich alles wissen - und meine Aufmerksamkeit auf solche Spiele richten, die mir überhaupt nicht zusagen? Und will ich wirklich wissen, daß eine Hollywood-Ikone sich angeblich präventiv ihre schönen, vollen Brüste amputieren läßt? Oder irgendwelche "Adeligen" heiraten in hübschen Gewändern?

Nein - will ich nicht. Mir wird gerade nur schlecht, wenn ich allzu viel vernehme. Gilt sogar für die vielen seltsamen und sich wiedersprechenden Aussagen in der Nachbarschaft.

Und ich vergesse lediglich darüber - über diese "gewohnheitsmäßigen Informations-Fluten", daß ich meine Aufmerksamkeit auf die Schönheit des Lebens richten möchte - so gut und so oft es geht. Ein Segen - für eine Weile auch nicht den wetter- oder sonstwie-Klagenden auf den Straßen lauschen zu müssen - ein echter Segen! Könnte von mir aus - gerne - sehr lange dauern.

Dieser seltsame "Boston-Marathon" neulich - war mir schließlich einfach zuviel - und ein Auslöser  ....  mich von allzu vielen Lügenmärchen abzuwenden, die durch die Äther schallen. Für mich - rein subjektives Empfinden - eine große Inszenierung zum Zwecke des sich schnell-verbreitenden kollektiven Schreckens - wie einst die Nummer mit den Flugzeugen in den Türmen. Ich habe da keine Belege - und suche auch nach keinen - verlasse mich nur - auf meine eigene Wahrnehmung - die "künstlich" von "echt" mittels Empfindung unterscheidet. Und schon zu dieser Zeit - habe ich Nachrichten-Aufnahme reduziert.

"Staatlich gefilterte Nachrichten" - welchen Wert sollten diese haben? Und die freien im Netze - sind auch oft gefärbt - durch Brillen, die nicht meine sind. In den vielen Kommentaren schallt es dann - wie schlimm doch alles ist - und daß es noch viel viel schlimmer kommen wird. Wie blöd die Deutschen sind - schreiben die Deutschen - und wie doof. Und daß endlich einer was machen soll. ???
Machen dann welche was - gehen wir alle doch nicht hin. Zum Beispiel nach Frankfurt - wo die Polizei offenbar ebenso herumknüppelt und rabiat vorgeht - wie in der Türkei. Hab´s am Rande registriert.

Gestern habe ich nochmal kurz die Nachrichten-Abstinenz unterbrochen - und bin für etwa 15 Minuten durch die scheinbar berichtenswerten Geschehnisse auf dem Planeten gesurft. Danach - hatte ich denkbar schlechte Laune - und ein Gefühl von Machtlosigkeit, Ohnmacht.
Das ist also der Effekt - von Nachrichten. Der sich deutlich spürbar einstellt, nachdem ich nun schon ein paar Wochen auf Distanz zum täglich gelieferten Horror gegangen bin: Eine leichte Übelkeit und die Erkenntnis, daß nur wenige der von anderen ausgewählten Themen auch wirklich meine sind. 

Nach sieben mal sieben Jahren "Fernsehsucht" und "Informations-Überflutung" - möchte ich nun nicht mehr viel hören. Das - was wichtig ist und sich tatsächlich auf mein Leben auswirkt - werde ich schon mitbekommen. Das, was reine Spekulation ist - wird sich von selbst auflösen. Wenn die Mehrzahl der Menschen sich Kampfdrohnen wünscht und sinnlose Kriege - so werde ich nicht dagegenhalten (und es auch nicht vermögen).
Allerdings gibt es auch viele andere "Entwicklungsstränge" - und wir werden es ja sehen, wie es weitergeht.

Ein alter Kinderspruch - der mich einst maßlos ärgerte - fällt mir ein: "Du kannst alles essen - aber Du mußt nicht alles wissen." Klingt heute anders - als einst. Geradezu weise.

Diese seltsame 50-er-Schwelle - die natürlich nur mental existiert, nicht real - ist gerade überschritten. Und ich frage mich - anläßlich dieser guten Gelegenheiten - was ich alles aussortieren und/oder mitnehmen möchte. Unnötige schlechte Nachrichten - möchte ich lieber aussortieren. Und meine Nase nicht mehr in Dinge stecken, die sie verstopfen - mit den Ideen der Anderen. Diese Ideen - bleiben diesen unbeschadet erhalten, solange sie sie zu brauchen meinen - auch ohne mein Interesse.

Ist das jetzt - den Kopf in den Sand stecken? Oder ist es eher - ihn endlich mal herausnehmen?
Im Moment ist es jedenfalls - ein "mich-Einkapseln" und einfach weiter nachspüren. Recht ungerüttelt durch die Welt. Davon - gerne mehr.

Viele andere Ideen - aus den ersten sieben mal sieben - dürfen auch verworfen werden. In Kombination mit dem umfassenden Thema "Nachrichten" bzw. "Information" auch diese einstige Idee - ich müsse "offen" sein und bleiben - für die Welt. Zwillingssonnen-Trauma.
Als sei "offen" gut - und "zu" schlecht.
In meiner nahen Umgebung bemerke ich in diesen Tagen - wie gut es tun kann - die Tür wirklich zuzumachen. Und mir genau das zu erlauben - zu meinem eigenen Wohle. Ebenfalls ehemaliges Trauma - kein eigenes Zimmer, also Symbol für echten Rückzugsraum, zu haben - und derart die meiste Zeit für alle Anderen verfügbar zu sein - weil ich ja so "offen" war.
Ich glaube - jetzt, mit "50" - ist es gut - mich mal mehr zu öffnen - für die eigenen Innenräume. Da gibt es lange Brachliegendes zu heben - was ich mich bislang gar nicht getraut hatte. Immer allzu sehr - mit Anderem beschäftigt. Manches liegt da schon - seit Kinderzeiten rum. Für eine lange Weile - recht achtlos. Kinderträume ....

Träumte in der Nacht von einem Wiedersehen mit einer meiner einstigen Lieblings-Deutsch-Lehrerinnen - es gab zwei davon - unspektakulär - aber dennoch ein guter Hinweis. Tatsächlich lebt diese - nicht weit von hier in einem kleinen Paradies.
Manche gute LehrerInnen - bleiben eben unvergessen - dies nur als freundlicher Gruß an eine wilde Gans ... die sicher auch vielen Kindern einst zum Ausbreiten ihrer Flügel verholfen hat.

Diese viel-erwähnte "mentale 50-er-Schwelle" - über die ich mir lange überhaupt keine echten Gedanken gemacht hatte, bevor sie unmittelbar näher rückte - bringt etwas Schönes mit sich, was ich mal als "Narrenfreiheit" bezeichnen möchte.
In sieben mal sieben Jahren - habe ich nichts von Belang erreicht oder zustande gebracht.
Und jetzt - muß ich das auch nicht mehr.
Der einstige Druck - läßt nach - verpufft einfach .....

Das "komische Kollektiv" - erwartet schon gar nichts mehr von Leuten über 50.
In der offiziellen Version - der "Nachrichten" - ertönt es ja immer wieder recht laut -  daß man quasi zum "alten Eisen" gehört - und nicht mehr vermittelbar ist für den "Arbeits(vieh-)markt".
Was für ein Segen.
Niemand erwartet noch was von Dir.
Du giltst nun - als "zu alt" - für den ganzen Streß.
Und da taucht plötzlich - diese Narrenfreiheit auf.
Nicht nur - aus der Betrachtung des Komiker-Kollektivs.
Sondern auch - in meiner eigenen.
Und nicht etwa - daß ich nun alt wäre.
Aber - irgendwas ist ja wohl gereift - in sieben mal sieben Jahren des ersten Lebens.
Jemand sagte neulich in einem Vortrag - daß das eigene Leben im Grunde erst mit 50 anfängt.
Vor wenigen Wochen noch - hätte ich ihm kein Wort geglaubt.
Eine von mir geschätzte und sehr kraftvolle Frau - erzählte mir vor wenigen Jahren - wenn Du erst mit den Wechseljahren durch bist - gibt´s nur noch Gelassenheit. Ich hatte damals keinen echten Schimmer - was sie genau meint. Und menstruierte noch (jetzt darf ich mal laut lachen- wie schnell das Blut der Mondin dann versiegte- hallelujah).
Heute morgen - mußte ich mir zum zweiten Mal irritiert das Datum zusammensammeln.
Ich hatte offenbar bzw. tatsächlich - nie wirklich über diesen Tag - nach sieben mal sieben Jahren - hinausgedacht.
Narrenfreiheit - eröffnet sich also - weil nichts Anderes je geplant wurde.
Oder die Narrenfreiheit - sehr alte Träume wieder zu beleben.
Nun - ohne die vielen einstigen und von Anderen erlernten Vor-stellungen.
Um-schreiben dieser - bekommt Raum.

4 Kommentare:

sonja hat gesagt…

Hast Du die Lieblingsdeutschlehrerin mal besucht in ihrem kleinen Paradies?
Danke für ......
Heute saß ich unterm Nussbaum mit allerliebster Kreischfreundin, die nie gedacht hätte, dass sie mal älter als Ende Vierzig würde...und nun das: fast Sechzig...
Wir sprachen auch darüber, wie man sehr alte Träume wieder beleben kann....
Du bist gemütlich geerdet...glaube ich. Und zwar mit beiden Füßen!

Sati hat gesagt…

Vor langer Zeit - als diese noch unsere Lehrerin war und auf´s Land zog - mit zwei Männern übrigens, beides Lehrerkollegen - lud sie uns - also ihre ganze KLasse ein und wir besuchten sie.
Vor einigen Monaten entdeckte ich dann ihren Namen wieder - in einem Prospekt zu einem Gartentag in der Region. Da öffnen viele Menschen ihre Paradiesgärten an einem Wochenende für Besuch und zeigen ihre Oasen den interessierten Menschen.
Aufsuchen - würde ich sie nicht unbedingt - aber ich freute mich über die Entdeckung am Rande ... und die gute Erinnerung an sie.

Und nochmal für Dich:
Bin sicher, daß viele SchülerInnen Dir oft ihre guten Gedanken senden.
Wo ich trotz meiner späteren Schul-Aversion sogar erstaunlich viele LehrerInnen in wirklich bester Erinnerung habe. Waren ganz feine Menschen dabei.

Nie vergessen habe ich auch eine - die vielen von uns eher als sehr kühl und ein wenig streng erschien (aber korrekt dabei) - wie sie plötzlich auf unserer Abitufeier in einem tollen Kleid erschien und mit ihrem Mann einen professionellen Tanz aufs Parkett legte. Das war ihre Leidenschaft. Immer gut, zu sehen, daß es "auch private Menschen" sind.

Geerdet - manchmal. Heute hänge ich mehr in den Wolken. Ist auch schön - und möchte geträumt sein.

"Heute saß ich unterm Nussbaum mit allerliebster Kreischfreundin, die nie gedacht hätte, dass sie mal älter als Ende Vierzig würde...und nun das: fast Sechzig...
Wir sprachen auch darüber, wie man sehr alte Träume wieder beleben kann...."
Das ist ein feines Bild - und danke für den Hinweis, daß auch andere solche verrückten Ideen hatten.

Und wie ist Eure "Rezeptur" - zur Wiederbelbung?

Liebe Grüße, Sati

sonja hat gesagt…

Wenn ich an das feine gelbe Kochbuch denke mit seinem "Befehlstitel" - von dem Du oben geschroben -könnte ich sagen, unser Rezept heißt: Lebe!

Sati hat gesagt…

Gutes Rezept (!)

(... hatte das Ausrufungszeichen hinter dem Kochen! gar übersehen bisher ...)