Habe mein schnurloses Telefon abgeklemmt. Das Ding ist mir schon lange nicht geheuer. Oftmals, wenn ich es aus den Augenwinkeln heraus registrierte, konnte ich wahrnehmen, wie es flackert. Will sagen, manchmal kann das Auge sogar sehen, wie aggressiv-invasiv so ein Teil in den Raum wirkt. Sehen kann ich das auch oft an den Funk-Rufsäulen, wenn ich diese am Halteplatz ebenfalls aus den Augenwinkeln heraus registriere, die haben schon oft meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen - mit ihrem derart sichtbaren Geflacker. Wenn ich dann den Blick wieder direkt darauf richte - sehe ich nichts mehr, außer der scheinbar gleichmäßigen Beleuchtung.
Natürlich kann sich mensch eh nicht wirklich vor dem ausufernden Gestrahle schützen, indem er zuhause auf ein paar Geräte verzichtet - und ich sitze ja schon von Berufs wegen ständig mittendrin. In der Limousine strahlen der Navi, das Handy, das Funkgerät .... kein Entkommen. Mal abgesehen von den Millionen Smartphone-Zombies um einen herum. Aber auch kleine Maßnahmen können wirksam sein. Gegen Dauer-Kopfschmerz. Jedenfalls scheint mir das Abklemmen dieses Strahlen-Telefones neben mir an meinem PC schon eine Erleichterung zu sein - und heute morgen habe ich mal keine Kopfschmerzen. Fein.
Werde mir also wieder ein Telefon mit Kabel besorgen, so wie früher mal, welches sich aus der Telefonbuchse speist. Ist mir geheurer. Und während der Entscheidung - nicht zuletzt auch aufgrund von Gesprächen mit der Kundschaft neulich, manche haben sogar schon wieder ein altes, schweres Telefon mit Wahlscheibe und eigenem Klangbild beim Wählen installiert - fiel mir wieder einmal auf, wie der Verstand sich abhängig gemacht hat von technischen Errungenschaften, auf die er kaum zu verzichten können glaubt.
Hier - ein Anrufbeantworter. So ein Analog-Telefon hat nämlich keinen AB installiert - es sei denn, man schließt es zusätzlich doch wieder an eine externe Steckdose an. Über die Telefonbuchse alleine - geht´s nicht. Aha. Wieder was gelernt. Frage mich also tatsächlich zwei Tage lang - ob ich wirklich einen Anrufbeantworter benötige. Fühlt sich so an, als würde mir ohne irgendwas fehlen. Lustig zu beobachten - und absurd. Zumal ich ja die meiste Zeit sogar über Handy erreichbar bin - bedauerlicherweise, in der Limousine. "Wenn mal was ist." Oder neuerdings - für relativ sinnfreie Telefonate mit einem der neuen Unternehmer, um einen Treffpunkt auszumachen für die Abrechnung. Das führte in dieser Woche zu etwa acht Mal hin- und hertelefonieren, immer mit der Frage "Wo bist Du gerade?" Da und da. Nein - zu weit weg - dann später nochmal. Gestern reichte es mir dann und ich meinte, daß sei doch recht sinnfrei mit der ewigen Hin- und Hertelefonerei, ich käme mal eben rüber zu ihm, damit das ein Ende habe.
Ich gehöre nicht zu den Vieltelefonierern - im Gegenteil. Nutze ein Telefon meist, um kurz etwas zu vereinbaren. Manchmal skype ich länger, mit Menschen, die weit weg sind. Aber auch das selten.
Einmal habe ich mein Handy in der Limousine über "Bluetooth" eingeloggt - in die Freisprechanlage der Limousine. Wußte gar nicht, was das ist - bis einer von der Nachtschicht sich da mit seinem einklinkte, als ich noch unterwegs war. Dachte erst - ich hätte zuviel an der Telefon-Funktion herumgespielt? Kriegte diesen Datenschwall nicht mehr weggedrückt. Er erklärte mir dann, das er sein Handy dazugeschaltet habe - was mir wieder nicht ganz geheuer war. Fragte ihn dennoch mal, wie das denn geht? Aha. Und probierte es am nächsten Tag aus - hat funktioniert. Mit dem Effekt, daß ich noch mehr Strahlung abbekomme und der Akku vom Handy mindestens doppelt soviel Strom zieht, wie sonst. Ich ließ das also wieder sein. Und auch meinen MP3-Player schließe ich nun nicht mehr über eine Funkverbindung an - sondern nehme wieder ein paar gute alte CD´s mit. Was die Klangqualität um ein Vielfaches erhöht - und keinerlei Strahlung absondert. So eine Mercedes-Limousine hat eine excellente Anlage, ganz feiner Klang, sauber und klar. Das hörst Du aber nur via CD - wenn nichts dazwischenfunkt.
Neulich, als wir noch eine Ersatzlimousine ohne Navi fuhren - unterhielt ich mich noch mit dem Kollegen, dem ich jeweils meinen eigenen Navi auslieh, wenn ich frei hatte - "Wenn mal was ist" .... - genau darüber, über diese Technik-Sucht. Er sieht es ganz genauso, wie ich - mit diesem ganzen Zeug kommt man sich vor, wie ein Junkie. Oder andersrum - ohne Navi fühlt man sich plötzlich fast nackt. Obwohl wir sowas früher ja gar nicht hatten. Für mich war es eine gute Erfahrung, mal wieder ohne sowas zu fahren - und ich habe den in der ganzen Zeit nur einmal gebraucht.
Jetzt - spiele ich wieder sinnlos an dem Teil rum. Was ich mir wieder abgewöhnen werde. Gucke da rein - ob auf der Strecke zum Flughafen Stau ist zum Beispiel - was für ein Blödsinn. Es ist - wie es ist - ob ich´s vorher weiß, oder nicht.
In den vergangenen Jahren beobachte ich, wie die Menschen sich verändert haben. Neulich fragte mich noch jemand, ob es mich stören würde, wenn er mal telefoniert? Nein, überhaupt nicht. Und "Das - hat mich jetzt schon sehr lange niemand mehr gefragt." Vor wenigen Jahren noch gehörte das bei vielen noch zu einer Art höflichem Umgang miteinander - jetzt ist es normal, daß die Leute kaum noch aufblicken während der Fahrt und auf ihren Smartphones herumstreichen. Nicht alle - aber eine ganze Menge.
Die neue Limousine bringt für mich wieder neuen technischen Schnickschnack mit sich - einen Einparksensor. Bis heute - hatte ich sowas nicht und brauchte es auch nicht. Wußte nicht einmal, was das für ein Teil ist vorne auf der Konsole - bis es zu piepen anfing und ich den Kollegen fragte. Wenn´s schneit - piept das Ding gerne einfach so vor sich hin, obwohl weit und breit kein Widerstand in der Nähe ist. Gestern erfuhr ich - daß man es ausschalten kann. Fein.
Das neue Funk-Display der Limousine habe ich mir in den vergangenen beiden Tagen "erspielt". Weiß jetzt ganz gut damit umzugehen. Und bin froh, in der anderen Limousine noch das alte zu haben. Einfach und klar - in der Bedienung, ohne überflüssigen Schnickschnack. Mit echten Tasten - für sinnliche Wahrnehmung.
All das technische Zeugs - bringt insgesamt nicht viel Nutzen. Keinen wirklich besseren oder gar sinnvolleren. Vieles lenkt einfach nur ab - und man ist irgendwie beschäftigt damit - aber zu größten Teilen ist es nur Zeiträuberei. Und wie der Kollege neulich meinte: "Die wollen uns nur süchtig machen mit dem ganzen Zeugs. Und am Ende glauben wir noch, daß wir das bräuchten." Dabei ist es ein viel größerer Genuß - das eigene Hirn zur Orientierung und die eigenen motorischen Fähigkeiten zum Einparken zu nutzen. Und nicht alles vorher nachzusehen, sondern die Dinge einfach auf sich zukommen zu lassen. Ganz normale, menschliche "Erlebnisqualitäten" beizubehalten. Und sich nicht selbst unnötig zu verstrahlen - im Mikrowellenbereich, der einem den Rest des Hirnes weichkocht.
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