Mittwoch, 27. März 2013

Mit mir ist nichts los ...

.... wie wunderbar! Fast wie Weihnachten - halt zu Ostern.  Schlafe tief und selig bis zum Mittag - und werde nur durch ein gerade noch sehr leise vernommenes Klingeln wach -  der Paketauslieferer bringt mir was Erwartetes. Fein. Bleibe mal auf .... eigentlich noch im Schlaf. Königinnenwetter draußen, Sonne. Fein. Werde ich heute in vollen Zügen genießen - drinnen. Ohne was tun zu müssen - will nicht mal was tun. Und, das ist der eigentliche Genuß, ohne jeglichen Anfall von Aktionismus. Naja - ich wasche mal ein bischen Geschirr ab und bediene auch kurz den Staubsauger - aber ohne jeglichen Aktionismus und immer noch mehr schlafend, als wach. Denke: Was für ein Luxus - alleine zu leben. Ein Kollege ruft an - ob ich morgen eine Extraschicht fahren möchte? Nein, keinesfalls diesmal. Ok - war ja nur eine Frage. Ja - danke für die Frage, die ist ja sonst auch schon mal sehr willkommen - aber ich habe ja bald vier vermutlich sehr lange Schichten über Ostern vor mir - das kann sich unter Umständen ziehen. Und jetzt - kuriere ich noch hübsch faul meine Bronchitis aus.
Wie ich mir schon dachte - läuft´s gerade nicht wirklich in der Limousine. Sind halt Osterferien, Flautezeit. Ein Horror - meint er. Kenne den - meine ich dazu - und sogar ganz gut, weil ich ja schließlich auch an den Wochenenden draußen bin - da mußt Du entweder einfach Glück haben oder manchmal übermäßig viel Geduld. Das ist ja das eigentliche "Kreuz" in diesem Job - das man nichts tun kann. Also für einen gewünschten Erfolg. Entweder - es tut sich was - oder es tut sich halt nichts. Aber tun - kannste nichts dran. Wünsche ihm, daß sich noch was tut.
Wenn wir das vorher gewußt hätten - hätten wir den Job wohl nie angefangen - sagt dieser. Glaube ich aber nicht - ich glaube eher - daß auch das sich von selbst tut - und niemand es selbst tut. Sage ich aber nicht. Denke nur - was für eine schöne Illusion für die, die glauben, sie würden etwas tun (können) - und seien die alleinigen MeisterInnen ihrer Geschicke.
Nach dem Unternehmerwechsel neulich - habe ich nach langer Zeit erstmals wieder über diese "Wochenend-Fahrerei" mit teils qualvollen Wartezeiten sinniert - es ist eine zweischneidige Angelegenheit. Einerseits mag ich es, wenn ich am Wochenende nicht inmitten der üblichen "Alltagshektik" befindlich bin, sondern auch auf gutgelaunte und entspannte "Sonntagsmenschen" treffe  - andererseits geht´s auch auf meine Umsätze, weil halt unter der Woche mehr läuft. Oder es etwas zuverlässiger läuft. Ich meldete also mal zügig mein Interesse an - zu gegebener Zeit gerne wieder unter der Woche zu fahren und eben nicht mehr am Wochenende. Die haben ja mehrere Autos - wer weiß, was sich ergibt. Die jetztige Taktung - hatte sich halt einst ergeben und paßte scheinbar perfekt ineinander - aber nicht unbedingt zu meinem finanziellen Vorteil. Außer halt - mit dem nötigen Quäntchen Glück.
Dazu kam lange Zeit, das ich es vorgezogen habe - unter der Woche frei zu haben und nicht an den Wochenenden, wo ganze Heerscharen von Familienverbänden alle schönen Rückzugs-Orte bevölkern. Ich gehöre zu der Spezies, die lieber an einem menschenleeren Morgen in der Woche spazieren geht - oder anderes unternimmt. So ein sonntäglicher Zoo-Besuch beispielsweise, an dem ganze Völkerwanderungen stattfinden - die ich regelmäßig aus der Limousine heraus beobachte - ist für mich ein rotes Tuch. Aber jetzt - bin ich ja woanders gelandet und nicht mehr in der Kolonie befindlich - hier finden sich auch am Sonntag Nischen.

Ob ich etwa eben noch geschlafen hätte? Ja - genau, bin eben erst aufgestanden. Vernehme - er könne sich nicht mal erinnern, wann er das letzte Mal bis mittags geschlafen oder im Bett gelegen hätte. Ja - so ist das eben mit vielen Kinderchen. Naja - in zehn Jahren könne er das wohl auch mal wieder tun. Ja, meine ich, und zehn Jahre gehen ja schnell vorbei. Ja, vermutlich, meint dieser.
Ein einstiges "Schlafzimmergespräch" mit ihm fällt mir ein - kenne den schon seit Jahrzehten und quasi noch als "halbes Kind" - über unsere jeweiligen, diametral-entgegengesetzten Vorlieben zu diesem Raum. Ich liebe mein großes, helles und recht leeres Schlafzimmer mit Blick auf Baumwipfel und in den Himmel. Liebe es - im Bett zu liegen und rauszuschauen, viel Raum um mich zu haben, in dem sich einfach wohlige Stille ausbreiten kann. Er -  findet, ein Schlafzimmer könne ruhig der kleinste Raum in der Wohnung sein, da würde man ja eh "nur schlafen".
Nur schlafen - kenne ich so nicht. Immerhin ist das ein großer Teil des verbrachten Lebens - mit süßem Hinübergleiten ins Nichts oder in Träume. In einem wiederkehrenden Traum - finde ich mich in meinem Traumschlafzimmer wieder. Dieses hat etwa zweihundert Quadratmeter und einen freien Blick auf Bäume, Himmel und Horizont rundum - und über mir ein kreisrundes Fenster mit Blick in den Sternenhimmel.  Einfach nur ein großes Bett auf einem kleinen, vielleicht zwanzig, dreißig Zentimerter hohem, großzügig angelegtem Podest steht da drin - sonst nichts. Ist im Obergeschoß gelegen - unter mir weitere, große Räume - mit viel Platz für Begegnung und offenen Türen - aber eben nicht während der köstlichen Schlafenszeit. Die ist heilig. Und mindestens ebenso wichtig - wie das Tagleben. Eigentlich - mein schon fertig gebautes Haus - seit einigen Traumjahren - aber halt nicht manifest. Macht aber nichts - ist trotzdem schön.
Heute also - rein gar nichts los. Was für ein Segen.
Und endlich - die "Auto-Erlaubnis", es genau so sein zu lassen und diese Art von Luxus zu genießen.
Ohne lästiges "Du mußt noch dies und das."
Das ist auch der Segen von temporärer "Krankheit" - in Frieden auszubremsen - und den Zauber zu genießen, daß endlich einfach mal "nichts mit einem los" ist - und ich einfach da bleiben kann, wo ich bin.

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