Dienstag, 29. April 2014

(Bitter-) Süße Demut .....

... nach erneutem Hägsen-Abschuß. Diesmal - linksseitig. Vor etwa einem halben Jahr noch rechts-seitig. Ich rede von Körperseiten - das ist nicht Politisches - hahahaha ..... nicht rechtslinksesoterisch-querfrontlerisches oder solches Zeugs. Es ist einfach klar - und es tut weh.

Und es ist tückisch - solange Du Dich nicht bewegst - glaubst Du - es ist gar kein Schmerz da. Wie im richtigen Leben. Beginnst Du aber - Dich zu bewegen - schießt Dich die Hägse gnadenlos ab.

In der Nacht mußte ich mal raus zu den sanitären Anlagen - und staunte nicht schlecht über die Schmerzen, die sich da zeigten in der Bewegung. Die ja ansonsten immer ganz normal und selbstverständlich scheint. Diesmal aber - kamen sofort heftige Krämpfe bei jedem kleine Rühren - und ich fand mich geradezu ehrfürchtig.
Zog kurz noch in Erwägung - mich besser aus dem Bett auf alle Viere fallen zu lassen - weil nichts Anderes mehr möglich schien - hielt dann aber doch durch in Zwiesprache mit der Körperin ..... Zentimeter für Zentimeter diese bewegend. Das ist schon ein erstaunlicher Film - wenn mensch sich (scheinbar) plötzlich - scheinbar - kaum noch bewegen kann.

Glück im Schmerz: Heute morgen eh Termin beim formidablen Chironen. Erst will ich da gar nicht erst hin - weil ich gar nicht aus dem Haus will mit solchen Schmerzen. Außerdem - will ich das jetzt endlich mal alleine regeln. Uralte Charakter-Unart. Habe schon beschlossen -  ein formidables Selbsthilfe-Programm daraus zu machen - wollen wir doch mal sehen - ob das einst Erlernte auch tatsächlich hilft!

Dann aber - gibt der Körper gerne nach - und vergißt die nächtliche Krampf-Neigung für eine Weile. Gut - wir lassen uns also nochmal gerne helfen - mit Fango und Weichkneten. Aaaaahhhh - das tut aber richtig gut!
Selbsthilfe - darf ich danach auch noch testen - geht ja nicht verloren.

Was denn passiert sei - fragt mich der Chiron? Nun - ich habe einige Male die Beine hochgelegt in letzter Zeit - und versucht, die Spannung aus den Füßen zu bekommen. Und die scheint dann weitergewandert zu sein ....
Tatsächlich - sind alle meine Gelenke und Knochen inzwischen gehörig verdreht - nach zehn Jahren des schiefen und absurden Sitzens in einer elfenbeinfarbenenen Limousine - und mein Körper sagt mir - schlicht und deutlich:  Hör mal - das geht nicht mehr.
Ich bin - völlig verdreht.
Die Beine sind völlig verdreht.
Die Fußgelenke passen nicht mehr mit den Kniegelenken und der Hüfte zusammen. Und das alles zieht - bis in den Schädel hoch.

Ja - sage ich immer - ich weiß es ja.
Aber - das genügt dem Körper nicht mehr.
Er sagt jetzt: Wenn Du nicht wirklich auf mich hörst - werde ich Dich lahmlegen - müssen.
Sonst - hörst Du ja nicht zu.

Stimmt.
Deshalb: Süße Demut.
Tortz aller Schmerzen - freue ich mich doch immer wieder sehr über diesen Körper - und seine Botschaften - die im Grunde nur liebevoll sind.  Lauter Weckruf - für Eingeschlafene. Und: Respekt!
Es hinterläßt schon Eindruck - wenn er Dich quasi nur noch auf allen Vieren in der Nacht zur Toilette krabbeln lassen will.

Ironie des Schicksals gestern - als ich noch mit dem erneuten Schuß der Hägse in die Limousine gestiegen bin und am frühen Abend kaum noch herauskrabbeln konnte: Ich fuhr ein Paar - Sie hatte einen Rollator bei sich. Er hub diesen in den Kofferraum - was ich sonst immer gerne tue, aber ich konnte mich ja kaum bewegen - und bedankte mich dafür mit "Danke - ich hab grad Rücken ......".
Ich kannte die Frau - aber ich konnte mich nicht erinnern, woher. Es war der Halteplatz in dem Viertel, in dem ich einst aufgewachsen war als Kind. Vermutlich irgendeine einstige Nachbarin.
Als die Dame ihren Liebsten irgendwas zu meinem Display fragte  - fiel es mir wieder ein: Es war eine einstige Kollegin. Und ich sagte: Ah - Jetzt - weiß ich - woher ich ihr Gesicht kenne!

Sie hat inzwischen - "zwei neue Hüften" und eine Gehirnoperation hinter sich - erfahre ich. Eine Freundin meines einstigen Lieblingskollegens - der inzwischen einen heftigen Schaganfall hinter sich hat. Die Liste der inzwischen "Gebrochenen und Gefallenen" - ist (r)echt lang in dem Gewerbe. Auch viele sind gestorben. Alle(s) in schlappen zehn Jahren.

Und diese neben mir - sagt tatsächlich zu ihrem Liebsten: "Ach - weißt Du - so langsam möchte ich aber wirklich gerne mal wieder fahren!" Sie hat 40 Jahre lang "auf diesem Bock gesesssen" - wie sie es nennt - und sie ist keine Ausnahmeerscheinung im Universum der ver-rückten LimousinenlenkerInnen. Ich lache und meine: Das ist kein Grund zur Sorge - das ist nur die typische Krankheit - alle wollen sie wieder zurück auf die Straße. Erst - verkaufen sie ihre Lizenzen und Autos und erzählen, daß sie jetzt in den Ruhestand gehen - und dann kommen sie wieder zurück - als Aushilfsfahrer. Sie halten es zuhause nicht aus.

Ein paar Jahre -  hatte ich einen ähnlichen Virus. Aber jetzt - nicht mehr. Lange nicht mehr.
Trotz manchmal seltsamer Freude - auf wirklich nette "Kollegen" zu treffen - die, wie ich, keine Ambition haben - in sinnlosen Getrieben zu laufen. Und die eine gewisse Langmut mit sich bringen.  Feine Typen halt ... auf spezielle Weise - und äußerst geduldig.

Wie mein Körper - für lange Zeit.
Aber nun - zeigt er mir hier und dort - das es wahrlich genug ist.
Andererseits - zwingt er mich genau dadurch in eine Stille - die ich schon länger nicht mehr so genossen habe.

Und nein - ich möchte keine "neuen Hüften" oder sonstwelche "neuen Gelenke" ... ich möchte gerne - natürlich  verschleißen.

Heute morgen erinnerte ich mich - sehr kurz - an meine einstige Erzeugerin und ihre jahrelange Odyssee durch Schmerzen - die immer mit Medikamenten betäubt wurden. Vermutlich war das - die pure Hölle. Am Ende - hat man ihr jede Menge Morphium verabreicht. Zum Glück - nach dem jahrzehntelangen Pharma-Dreck.

Was meine Schmerzen betrifft: Ich nehme sie süß - oder besser "bittersüß" - als Liebesbotschaft des Körpers. Und als Abenteuer .... immerhin ist das schon erstaunlich, wenn Du scheinbar nicht mehr die 5 Meter zu meistern weißt - bis zum Sanitärbereich.
Andere - müssen für solche  Grenzerfahrungen um die halbe Welt reisen - und ich bekomme sie des Nachts um Einse - zuhause auf einem Tablett geliefert.   

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