Dienstag, 15. April 2014

"Sind Sie frei?" ....

.... was für eine Frage!
"Ja - ich bin frei." lautet meine Antwort auf die oft gestellte Frage der Kundschaft.
Klare Sache - keine Fragen. Kann losgehen ....

Und schon - beginnt die Unfreiheit. Ich bin ja nicht die, die über das Fahrziel entscheidet. Und ich würde ja auch keinen weiteren Tag meines Lebens in einer elfenbeinfarbenen Limousine verbringen - würden sich andere, brauchbare Optionen auftun. Auch sonst bin ich manches Mal unfrei im Leben - was meine Wünsche betrifft.Der Alltag will "strukturiert" werden, Dinge wollen erledigt, der Körper will gewaschen und gefüttert sein usw.
Ich bin nicht einmal frei, darüber zu entscheiden, ob ich bestimmte Rechnungen tatsächlich begleichen will - oder halt nicht. Ich kann zwar aufbegehren gegen einen sinnfreien "Bußgeldbescheid" zum Beispiel einer Zentrale, die da behauptet, ich hätte einen Auftrag nicht ordentlich ausgeführt - aber was dabei rauskommt, vermag ich nicht vorherzusagen.  Ich kann auch weiterhin die Zahlungsaufforderungen zu einer Zwangsgebühren-Abgabe ignorieren - aber wie es ausgeht - weiß ich nicht vorher.
Selbst, wenn ich alles Geld der Welt hätte - wäre ich noch nicht unbedingt frei, die Welt zu bereisen, wie es mir gefällt. Es könnte mir durchaus die Einreise in manche Länder verweigert werden - einfach so.
Und so weiter ..... es gibt unzählige Beispiele für die Unfreiheit im Alltag.

Und doch - ist es eine gute Frage: "Sind Sie frei?"
Denn - inmitten aller Unfreiheiten - weiß ich: Ja - ich bin frei.
Frei von allen scheinbaren Zwängen.
Nur - ich vergesse es immer wieder mal.
Wenn ich lediglich auf der materiellen Ebene schaue - vergesse ich es schnell.
Es gibt aber noch eine andere, die mensch nicht so leicht sieht und oft übersieht.
Und auf dieser - bin ich und sind auch alle Anderen - frei.

Eine treffliche Erinnerung also - diese amüsante Frage, wenn ich da mit der Limousine an der Spitze stehe und die Leute freundlich die Floskel einwerfen "Sind Sie frei?"

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