... fragt mich die Frau, die ich öfter fahre - und die gerade ihr Gedächtnis verliert.
Ich schaue mal nach - im Geiste .... bevor ich antworte.
Nein - ich habe überhaupt keine alten Sachen.
Sie machte sich neulich schon mal Sorgen darum - was denn mit all ihren Sachen passieren würde - wenn es ihr und ihrem Geliebten nicht mehr gut ginge? Wohin sie denn damit sollten - zumal sie doch keine Kinder hätten?
Was denn dann wohl mit den alten Sachen passieren würde?
Ich kann ihr das nicht beantworten.
Und schaue bei mir selbst nach - was das Thema mit den "Sachen und Dingen" betrifft.
Habe in meinem bisherigen Leben - einen rechten Verschleiß gelebt. An Sachen und Dingen. Habe gerne, als ich noch reichlich Mäuse hatte, einige richtig gute und alte Möbelstücke erstanden - und mich für eine Weile dran erfreut. Hab´ diese später für einen Appel und ein Ei - weitergegeben. Habe temporär auch Sammel-Leidenschaften gefrönt und auf Flohmärkten nach Schätzen geschaut und solche immer gefunden. War ein nettes Spiel. Für eine Weile. Und habe immer ganz gut dafür gesorgt - daß sich ein nächster nach mir an den Dingen erfreuen kann.
Immer kam irgendwann der Zeitpunkt - Dinge wieder loszulassen.
Und jetzt - wo sie mich nach möglichen alten Dingen fragt - stelle ich fest - daß keines der alten Dinge mich noch begleitet. Ich finde das gut so.
Kurz denke ich nochmal an die wenigen alten Dinge = Möbelstücke aus feinstem Holze, die mein Vater einst gebaut hat. Ein Teil davon - eines seiner "Prüfungsstücke" - hat mich noch einige Jahre begleitet. Irgendwann - habe ich auch das abgegeben. Vermutlich hat meine ungeliebte leibliche Schwester das größere Prunkstück des einstigen Vaters immer noch bei sich. Eine Stierfrau eben. Die halten ja gerne zusammen, was sie zu haben glauben.
Eine andere Stierfrau - ist meine Nachbarin. Eine sehr herzliche, warme Seele - aber eben auch festhaltend. An Möbeln und solchem Zeugs.
Die einstige Mutter - war Steinböckin. Die hat auch viel zusammen- und lange festgehalten. Aber mnachmal - ist sie über ihren Schatten gesprungen und hat sich wirklich was richtig feines, Neues gegönnt. Hat mich immer mitgefreut.
Nein - ich habe nichts Altes mehr bei mir, was ich mit rumschleppe. Außer einem formidablen Bett - und dies auch vermutlich nur, weil ich noch nie ein besseres gesehen habe. Und noch nie ein anderes haben wollte. Im großen schwedischen Möbeldiscounter gestern - mußte ich kurz lachen über solche albernen Betten, wie sie dort zur Auswahl standen - und war wiederholt seeeeehhhrrrrrr zufrieden - mit dem meinen, weltbesten. Zig Male auseinander und wieder zusammen gebaut - unschlagbar stabil. Und zeitlos modern im Design. Unaufdringlich und schlicht - fast nicht zu sehen. Das ist das einzig "Alte" - was mich begleitet.
Nein, ich möchte mein Herz nicht an Dinge hängen. Ich genieße die Dinge gerne. Und freue mich auch drüber. Aber mein Herz - hänge ich nicht dran.
Eine Weile schien es so zu sein - daß ich es doch tat - und daß mir Dinge wichtig waren.
Aber dann bemerkte ich, daß das anstrengend ist - sich um diese auch kümmern zu müssen. Sie zu behüten. Stellte fest - daß das Horten von Dingen viel gute Energie frißt. Das - liegt mir nicht wirklich.
Und nicht umsonst - setze ich nur sehr selten auch nur einen Dübel in die Wände, in denen ich wohne. Ein enziges Mal habe ich das gemacht - um meine "heiligen Trommeln" aufzuhängen. Das - war auch gut so. Zu der Zeit. Jetzt - braucht es auch dafür keine Dübel mehr.
Neulich ging ich mit einer feinen Frau in den Keller runter - sie macht auch Musik - wobei "auch" derzeit wirklich übertrieben ist, was mich betrifft - und sie fragte, was ich denn von all den Dingen verkaufen wolle?
Ich sah mich kurz um - und stellte fest: Wenig. Vier Congas ..... und sonst - wenig. Wunderte mich selbst drüber. Naja gut - ein bischen Kleinzeugs auch noch. Aber ansonsten - ist die Zeit noch nicht wirklich reif für´s großzügige Abgeben. Das muß - wenn es wirklich reif ist dafür - sehr klar gespürt werden. Und dann geht das - ganz fix. Und schmerzlos. Aber war wohl noch nicht - ganz - soweit. Kommt noch, reift von selbst. Immerhin weiß ich sehr gut, was ich wirklich gerne noch für eine Weile behalten möchte - das ist schon mal viel wert.
Ja - und alles Andere - darf also nun doch weg. Nachdem ich mich in dieser kurzen Sequenz selbst beobachtet habe - wie ich scheinbar an Dingen hänge, deren Weggabe mich einfach nur erleichtern wird.
Das Herz allzu sehr an Dinge zu heften - macht ein Herz nur allzu schwer.
Und immer wieder war mein Erleben - das das Herz sich durchaus erleichtert fühlt - wenn überflüssige Dinge endlich abgegeben sind.
Die Frage der unbekannten Freundin oben - nach alten Dingen - hat mir nur mal wieder gezeigt - was für ein Albtraum es für mich ist, an solchen festzuhalten.
Und - komisch vielleicht, aber meine Geschichte eben, weil ich soviele Beerdigungen miterlebt habe - ich möchte gerne so gut als möglich "aufgeräumt" den Planeten verlassen.
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