... lange nicht mehr gehört, dieses Lied der singenden Götter. In den vergangenen Tagen aber wieder -zig Male. Lokua Kanza und Chor ... ich kann mir kaum vorstellen, wie Musik noch leichter, beschwingter und intensiver klingen könnte. Jetzt - nach langer Zeit auch wieder mit diesem bildreichen Video zusammen gehört. Wunderschöne Menschen - von denen für mich viele eher wie afrikanische Gottheiten anmuten. Einer hat kommentiert, welche Geschichte im Lied erzählt wird - obwohl man´s auch gut aus den Bildern lesen kann. Er beschreibt es so:
"Basically what the song is saying is; I'm leaving today to go find a
better living, but I 'll be back. I'm just travelling, I'm not dead. In
the future, I will go back to my country, the country where I was born,
because there is too much suffering in this foreign country."
Gerade ist Messe (also nicht nur "Musikmesse" in der Limousine, sondern auch eine Ausstellung von Handelswaren mit vielen zu diesem Zwecke Herbeieilienden ....) - und ich hole mittags ein paar Business-Leute in einer dunklen Tiefgarage ab und fahre sie zum Bahnhof. Steige aus, um einen Koffer hinten einzuladen ... als ich wieder einsteige, treffe ich erfreut auf eine völlig verzauberte, sehr sympathische, junge und hübsche blonde Frau neben mir. Die beiden anderen steigen hinten ein und die vorne äußert ihre spontane und sofortige Begeisterung - zu der Musik, die da gerade läuft.
Sehr schöne Musik hätte ich da laufen .... Ja, sage ich, da haben Sie ganz recht. Die sei so leicht, beschwingt und man würde sofort gute Laune bekommen - meint sie. Ja. Ich ergänze - irgendwie muß mensch ja auch dafür sorgen, daß sich solche ausbreiten kann.
Das ist ein netter Moment in der Limousine - sie ist mitten ins Herz getrofen von wenigen Klängen - und hat sich sofort verliebt. Schreibt es sich auf. Und wir unterhalten uns noch eine Weile über Musik, musizieren und/oder tanzen.
Ich erzähle ihr, daß Lokua Kanza ein "ganz alter Hase" ist - und daß seine ihn begleitende Tochter ausschaut, wie eine echte, lebende afrikanische Göttin. Daß ich mal mit ein paar Kongolesen musiziert habe - was für mich ein Hochgenuß war - und was die für wunderbare, vielstimmige Gesänge haben. Ach? Das findet sie ja toll - mit dem Trommeln. Aber sie könnte das sicher nicht .... wegen der Motorik. Ich meine nur - üben eben. Dann klappt es schon. Und: Viel Üben = viel Spaß! Ja - sie stimmt zu.
Ich ergänze - es muß ja auch nicht das Spielen von Trommeln sein, wenn das nicht "ihres" wäre. Sie könne ja auch tanzen oder singen oder sonstwas ....
Ja - stimmt auch.
Aber .... (das schlimme Wort!) .... und dann dieser Unsinn: "Keine Zeit".
Jetzt - bin ich mal wieder selbst überrascht über das, was daraufhin aus menem Mund fällt an Worten, spontan, gedankenlos und unkontrolliert:
"Ne - das ist sicher nicht wahr. Jeder von uns - hat die gleiche Zeit. Jeder von uns - hat 24 Stunden am Tag. Jeder von uns hat 24 Stunden am Tag. Und jeder von uns wird eines Tages sterben. Diese beiden Dinge - sind absolut gerecht verteilt im Leben."
Bei der wilden Gans in ihrem Nest lese ich gerade was von Max Frisch - über die Geschichten, die wir aus unserem Leben machen ... das paßt trefflich dazu.
Mal abgesehen von meiner eigenen Freude seit Tagen wieder - über Musik, die sofort alle Zellen tanzen läßt und einem wohlige Schauer verursacht - freue ich mich sehr über die Freude der neben mir Sitzenden. Kann gut sein - daß da ein paar neue Türen aufgegangen sind.
Muß noch an eine Radiosendung denken, in der es um TänzerInnen ging - die jahrelang alles in den Tanz geben und in die Vervollständigung dieser Kunst - obwohl sie sehr genau wissen, daß ihre Passion zeitlich begrenzt sein wird - es hieß, die meisten wüßten gut, daß mit etwa Mitte dreißig diese Zeit zuende sei. Und dennoch hieß es - mensch muß an seinen Erfolg glauben. Das - war zwar ein recht simpler Satz - aber doch so wahr! Und: Nichts hält ewig - aber deswegen darf mensch sich dennoch nicht abhalten lassen - gewisse Lebensphasen voll auszukosten und zu genießen - sag ich jetzt mal.
Viele Phasen werden sich abwechseln - Altes geht und Anderes komt - alles zu seiner Zeit. Aber gelebt wird - bis zum letztem Atemzug! Basta! Jedenfalls war das neulich morgens - in dieser mir wertvollen Zeit des Übergangs vom Nacht- ins Tagbewußtsein - eine klare Ansage aus heiterem Himmel - auch für mich selbst. Die ich oft das Jammern meiner Mitmenschen nicht annehme, weil ich doch so gut weiß, daß ihr Leben weitergeht - und das jede Phase ihre Schönheit hat. Das - muß natürlich auch für mich selbst gelten. Und gar nicht zimperlich erklang es plötzlich - in die süße, stille Morgendämmerung - mit Lachen:
Solange hier geatmet wird - wird gefälligst auch gelebt !!!
Am Nachmittag fahre ich noch einen jungen Mann, der ebenfalls nach der Musik fragt - lustig: Ob das was Bekanntes sei? Nein - sicher nicht. Gerade läuft Mansour Seck, ein Griot = Geschichtenerzähler aus Westafrika. Der junge Mann meint: Das hört sich so an - als würde der Geschichten erzählen. Wow - sage ich - sehr gut gehört! Genau so ist es. Und sicher ist es heute nicht selbstverständlich - daß jemand das überhaupt wahrnimmt.
Himmel - wie leicht ist es - sich mit Göttergesang das Leben zu versüßen!
Besonders erquicklich - auch der verpaßte Einsatz!
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