Donnerstag, 21. Februar 2013

Aha - ich habe also Eier ....

Ein hübscher Mulato fällt mir als letzte Fahrt zu. Der - ist völlig dicht - mit Verschiedenem - und erzählt wirre Geschichten. Und gibt mir sinnlose Labels - von wegen, ich wäre ein guter Mensch und solches Zeugs. Ich lasse ihn reden - was Anderes geht hier kaum. Als er mir in die Armaturen fuchtelt - werde ich aber sehr deutlich. Aggressiv ist der nicht - aber anmaßend. Denke nur - ok, wird eben eine nicht ganz unanstrengende, aber immerhin gute Abschlußtour heute. Dann wird er anstrengend wie ein ungezogenes Kind - schnallt sich ab und meine Ersatzlimousine fängt laut an zu piepen. Der merkt wohl nicht mehr viel, labert weiter wirres Zeug. Ist kein Schlechter - eher ein feiner Kerl, wenn er nicht derart zugedröhnt ist. Dann kommt die "Standardfrage": Was ich von Negern halten würde? Die Frage kommt - nachdem ich sehr klar meine Ansage gemacht habe - nicht in die Armaturen greifen - und MICH AUCH NICHT ANFASSEN !!! Habe schon wieder diese "vertraute Hand" auf der Schulter. Wie bei Leuten, die sich schon lange kennen .... Also - hier, in Folge - die "Standard-Opfer-Frage" - mit dem vorgegebenen Tenor - ich wäre ja nur so, weil er ein "Neger" wäre. Ich selber - bin weit davon entfernt, sowas auch nur zu denken. Im Gegenteil. Dennoch - geht mir sowas auf die Zwiebel. Ich schaue ihm also tief in die Augen - nachdem mir schon ein spontanes "Wat is dat denn für ´ne Frage!" in den Äther entwichen war - und frage zurück - was er denn von Chinesen halten würde? Naja - da gäbe es wohl ein paar Nette. Genau - und so ist das auf der ganzen Welt - überall gibt es Nette und Arschlöcher.  Zwischendurch schlägt er mir noch vor, mit mir Kinder zu machen - in einer Art Kindersprache. Ich tue mal so - als hätte ich überhaupt keine Ahnung - worum es gerade geht - und sage das laut. Wie gesagt - der ist nervig, aber nicht aggressiv. Und darf mich sogar "Schwester" nennen. Als er dann wieder anmaßend wird - und mir weiter irgendeinen Unsinn über "meine Person" erzählen will - und ich hätte es gleich versaut - reicht es mir. Kündige an - daß er gleich aussteigen wird. Und zwar da vorne, wenn wir durch den Stau durch sind. Unsere gemeinsame Fahrt sei dann beendet - er würde sicher einen Kollegen finden, der vorbeikommt an der Ecke -  mit dem könne er dann ja weiterfahren. Bin erstaunlich ruhig und unaufgeregt - einfach nur ein wenig genervt ob soviel Unsinn. Und habe beschlossen - den Typen genau an der Kreuzung rauszulassen, von der aus ich nur noch zwei Minuten zu meinem Abstellplatz habe. Feierabend!
Kostet mich noch drei weitere Minuten Geduld - ihn loszuwerden. Er kramt in allen Taschen rum, nach Geld. Ich meine - ob er kein Geld dabei hätte? Oh - davon hätte er mehr, als ich denken würde. Es landet sein Handy in der Mittelkonsole, ein Flachmann auf dem Armaturenbrett und einen Schlüssel kriegt er wohl gerade noch gehalten. Die Fahrt macht knapp 15 Euro. Er gibt mir einen Zehner und ich sage - das reicht nicht. Dann gibt er mir noch einen Zwanziger - und ich reiche ihm den Zehner zurück - "Das ist zuviel!". Ach, Quatsch .... Gebe ihm den Zehner und weitere fünf Euro - so paßt es.
Daraufhin - gibt der mir nochmal den Zehner wieder - und Zwanzig drauf .... meint "Nimm doch." Ja - sage - nehme ich auch, ich kann es gerade brauchen. Ja - wüßte er. Und er habe es wohl völlig verbockt. Aber - er sei kein Arschloch. Ne - sage ich - habe ich auch nicht gesagt. Hab´s ja nicht mal gedacht.
Als er aussteigt - sehe ich noch einen hübschen, runden und knackigen Hintern - seine Hose rutscht ihm runter, als er sich aus dem Sitz pellt. Wirklich ein hübsches Exemplar - also von Antlitz und auch von hinten. Sogar in der Seele - aber der Zeitpunkt war denkbar ungünstig. Etwa zwanzig Jahre zu spät ....
Bevor ich ihn raussetzte - meinte er noch - ein kurzer Moment der Erhellung in tiefem Nebel: "Du bist ja ein Typ!"
und "Du hast ja echt Eier."
Tja - so ist das mit den "Rollenspielen" im Leben.
Nahm seine freiwillige Spende sehr gerne an - habe mir mal irgendwann vor Jahren geschworen, eine solche nie wieder abzulehnen. Da hatte mich schon mal jemand im Vollrausch mit Geld beworfen und schrie "Hier - nimm et doch!" Ich war damals so blöd - und habe ihm alles wieder in die Tasche gesteckt.
Vom schönen Mulato - war es heute eine Art "stellvertretendes Schmerzensgeld für sinnloses Generve."

5 Kommentare:

mundanomaniac hat gesagt…

Echt fetzig das Stück auf Deinem Theater. Der Vergabestelle scheint so was zu gefallen, wie mit Euch heute. Freue mich über Deine Eier.

Guten Feierabend
MM

Sati hat gesagt…

Gut - daß ich nicht nachts fahre ... da wären mir die Eier schon zerborsten vor lauter Schwellung.
Fällt mir nur dazu ein .... typ-gerecht. Sati

wildgans hat gesagt…

und der hatte voll was im Dirndl- um es prolli zu sagen, brüderleproll- schon fast wieder schön, wenn man das wort von weiter weg anschaut...das ist hartes, diamantenes leben nicht am rande, ne, mittig bei den leuten. den hintern hätte ich mir gernstens angeschaut, hach. ich greif nachher mal rüber.
das war `ne geschichte nach meinem geschmack. von dir mit schmackes...oder so.

Stela hat gesagt…

ja eine knackige Geschichte auch so ganz nach meinem GeschmaCk!Zuweilen sehr interessant was du da auf deiner fahrenden kleinen Bühne so aufgetischt bekommst!!!Seit ich auch wieder öfter nachts mit der SBahn durch die Landeshauptstadt flitze, finde ich es ziemlich spannend, die Mitfahrenden zu beobachten.Was für ein buntes Publikum! ..solche Menschen gibts auf dem Land einfach nicht.
Allerdings sind manche echt zum Fürchten und ich bin immer wieder froh,wenn ich wieder aussteigen und in mein einsames Kuhdorf zurückkehren kann.
Alles Gute weiterhin auf deinen Fahrten !!!

Sati hat gesagt…

Danke für gute Wünsche!
Was mich betrifft - ein echt ruhiges Leben auf dem Land - wäre mir durchaus willkommen. Wenn ich rauskriege - wo das ist - ziehe ich sofort um!
Im neunten Jahr am Lenkrad - finde ich nur noch sehr wenig "aufregend" - und noch viel weniger "prickelnd".
Die Stadt und ihre Menschen - habe ich solange schon gesehen, in vielen Facetten.
Mein Highlight wäre eher - einen Maulwurf beim Hügelaufschaufeln zu beobachten.
Und in diesem Winter sind es - u.a. - enorm viele Raubvögel, die allerorten am Straßenrand sitzen.
Also echte jetzt - keine städtischen Geldbörsenräuber.
Zugegeben - der Hintern war wirklich außerordentlich hübsch. Vielleicht sollte ich Fotografin werden - und mich auf dieses Sujet spezialisieren .... in einem üppigen Bildband. Nur eine - von vielen (überraschenden) Ideen.
Gruß, Sati