Dienstag, 19. Februar 2013

Die Panzerknacker ....

... treiben es weiter - immer noch sehr geschickt. Nachdem man mir - nach etwa zehn vorhergehenden unserer Zunft -  an einem meiner bevorzugten Halteplätze im Dezember meine Taxi-Börse entwendet hat mittels elektronischem Aufknacken der Limouse - Marke Daimler - ist es inzwischen weiteren Kollegen an gleichem Halteplatz ebenso ergangen. Mindestens noch Dreien nach mir - seit Dezember. Gestern morgen - auch einem mit Marke "VW-Touran". Unsere Zentrale - scheint nicht in der Lage zu sein - sachdienliche Hinweise auf´s Display zu geben. Immer erscheint nur: Paßt auf - auf Eure Geldbörsen - am Halteplatz Soundso wurde ein Kollege beraubt. Ist es denn so schwer - mal eine Info rauszugeben - daß elektronisch geknackt wird? Scheinbar ja ..... muß nochmal ausführlich dazu mailen - mein Drucker ist immer noch kaputt und ich kann keine Briefchen versenden.
Inzwischen entwickelt sich eine gewisse Wachsamkeit am Ort. Wir sprechen uns ab. Wird vielleicht auch zu erfolgreichem Ergebnis führen - mit gegebener Aufmerksamkeit. Scherzte noch gestern mit dem am Morgen Beraubten: "Und was machen wir, wenn wir die zu greifen kriegen? Ins Auto sperren? Hahaha .... geht ja nicht, die haben ja alle Codes, um die Türen wieder aufzumachen - von innen. Gut - dann halten wir die Türen eben solange von außen zu ...." Humor ist ja - wenn´s trotzdem was zu Lachen gibt.
Dem beraubten Kollegen - ist es relativ wurscht. Waren eh nur knapp hundert Euro in der Börse - und keine Papiere. Er hat keinen Elan - für eine Anzeige bei der Polizei. Meint - er habe schon ganz Anderes überlebt - das hier wären für ihn lediglich Peanuts.
Ich höre ihm zu ... als er mir seine Geschichte erzählt - und relativiere währenddessen so Einiges, was mir an Unbilden in den vergangenen Monden begegnete. Vor etwa drei Jahren - habe er mithilfe der Götter einen Überfall überlebt. Seinerzeit noch in der Nachtschicht unterwegs. Am Bahnhof sei ein Typ eingestiegen und wollte nach Rodenkirchen, südlicher Randbezirk der Kolonie. Ok ... der hätte soundso ausgesehen .... also nichts weiter Auffälliges. Darum geht´s ja gar nicht - Du siehst ja nichts wirklich - egal, wie sie aussehen. Das ist uninteressant, wie einer aussieht!  Der habe während der Fahrt telefoniert - wohl auf russisch. Gut - nichts Außergewöhnliches. Was willst Du denn sehen oder hören -  von und über fremde Menschen, was immer sie an Kleidung tragen oder in welcher Sprache sie sprechen, die Du nicht verstehst? Nix - natürlich. Gehst Du natürlich immer erst davon aus - daß alles in Ordnung ist. Ansonsten - wärst Du auch völlig verkehrt in dem Job ....
Am Ziel dann - äußerster Süden und am Rheinufer - habe plötzlich ein Zweiter überraschend die Fahrertür aufgerissen und ihm ein mit Flüssigkeit getränktes Tuch ins Gesicht gedrückt - er hat noch bemerkt, wie er bewußtlos wurde.Die Typen haben ihm das Portemonnaie geklaut - und die Taxi-Geräte demontiert. Er kam langsam zu sich und hat noch im Nebel registriert, daß die die Motorhaube geöffnet haben und den Gaszug festgeklemmt haben - auf Vollgas. Die ehemalige Mercedes-Limousine in Richtung Rhein ausgerichtet. Sie wollten ihn versenken. Im entscheidenden Moment - konnten sie aber das Auto nicht abschließen, weil der Schlüssel auf wunderliche Weise abbrach. Sie versuchten es wohl nochmal - aber ließen es dann sein, weil´s nicht klappte - und hauten einfach ab.
Er war inzwischen wieder einigermaßen "anwesend" und hatte all das am Rande und noch vernebelt mitbekommen. Dachte bei sich - mach mal lieber keinen Mucks jetzt. Als die Durchgeknallten weg waren, habe er die Motorhaube schnell geschlossen und sei zwischen festgeklemmten Gaszug, also mit Dauer-Vollgas und "N-Stellung" = Leerlauf  hin- und herwechselnd durch den Wald gejagt mit der Limousine - bis zum nächsten Halteplatz bzw. Standort von Kollegen in dem Stadtteil - dort gibt es einen Mietwagen-Stützpunkt. Ein Höllentrip - für nichts und wieder nichts. Wegen ein paar wenigen Moneten und für ein paar lächerliche Ausrüstungsteile. Und dafür - um ein Haar mitsamt Limousine im großen Fluß versenkt und abgesoffen. Hallooo?
Erlebe diesen Kollegen erstmals lachend - vielleicht eine Art "Grunderleichterung" - ein wenig selbstironisch nach dem Motto - Ja, und? Was soll mir denn noch passieren nach dieser Geschichte? Ich höre staunend zu - muß zwichendurch auch lachen, weil es wirklich absurd klingt - und denke "Was für eine gesunde Reaktion - hellwach - derart durch den Wald zu brettern!" Bin nicht sicher - ob ich so hätte reagieren können. Kann ja auch niemand sein - der´s nicht erlebt hat.
Ob ihn das nicht entsprechend angeschlagen hätte im Nachgang? - frage ich ihn. Naja - nach zwei freien Nächten sei er wieder unterwegs gewesen. Ich denke an den alten Spruch - "Wenn Du vom Pferd fällst - steig sofort wieder auf - sonst wirst Du es nie wieder tun." (Gilt in gleicher Weise für unsere feine "Diva", die sich mehrfach überschlagen hat mit der Kiste neulich - er fuhr auch nach zwei freien Schichten weiter .... gilt für viele, denen die Reifen während der Fahrt weggeplatzt sind - und gilt auch für mich - nachdem man mir die Reifen mutwillig plattgemacht hat ....) Irgendwann sei er dann aber in die Tagschicht gewechselt.
Ja - ich verstehe - daß ihn der Diebstahl seiner Geldbörse - mit nur knapp Hundert Euronen - am Morgen nicht weiter aus der Ruhe bringt. Dennoch - bleibt es ein Ärgernis für uns alle - und vielleicht kriegen wir diese Panzerknacker ja noch - wie gesagt - mit inzwischen verschärfter Aufmerksamkeit. Von den "Stamm-Fahrern" am Platze sowieso - und die neu Hinzukommenden werden entsprechend informiert. Was sonst noch getan werden kann - ist in Arbeit. Schaumermal .....

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