Ein wenig halbherzig ging ich zwei Versuche an, meine finanzielle Lage etwas zu verbessern. Wollte meinen alten Silberschmuck in Komission geben - nein, tut uns leid, davon haben wir im Moment genug. Ok, danke - Deckel zu und raus aus dem Laden. Zweiter Versuch - wie wäre es mit einem kleinen Versicherungsbetrug - aus der Not heraus? Nein - geht auch nicht. Gott sei Dank - liegt mir eh nicht im Blut und hätte daher nicht gut geschmeckt. Vermutlich wäre es auch nicht nachhaltig gewesen. Hatte mich eh schon gewundert, überhaupt auf eine solche Idee gekommen zu sein.
Kaum denke ich heute - fahr halt für eine Weile wieder mehr Taxi - klingelt das Telefon und der Kollege fragt, ob ich morgen seine Schicht übernehmen kann, er ist immer noch krank. Ja - klar, mach ich. Aha - so sieht´s also aus. Für Lappöhrchen (also solche oben angedeuteten Schummeleien - kölscher Ausdruck) - eigne ich mich immer noch nicht. Und es ist ganz gut so, gut, daß zügig zu merken. Den Silberschmuck hätte ich ohne Weiteres hergegeben - aber hat halt nicht geklappt. Die Extraschicht - paßt. Werde mein neues Buch mitnehmen - dieses habe ich mir geschenkt, denn manchmal tut es einfach gut, sich in scheinbar verfahrener Situation ein schönes Geschenk zu machen.
Eine wohlmeinende Freundin empfiehlt mir hartnäckig, zum Amt zu gehen. Sie rief nochmal zurück neulich nach einer Unterhaltung - und meinte, sie hätte nachgedacht und eine Idee. Ich dachte mir schon, was ihre Idee sein würde - und bedankte mich für ihre Mit-Aufmerksamkeit - aber das sei wirklich die allerletzte Lösung für mich - und gerade nicht Thema. Gut. Sie erwähnte es später nochmal. Nein - immer noch nicht. Als sie es zum dritten Mal erwähnte - wurde ich leicht ärgerlich und sagte ihr recht klar und unmißverständlich, sie möge mich nun bitte damit in Frieden lassen. Gut.
Tatsächlich habe ich mich in der Vergangenheit auch schon eine zeitlang vom Amt "alimentieren lassen" - als sogenannte "Aufstockerin". War eine Lektion - und zu der Zeit wichtig und gut so. Dennoch - habe ich mich damit nie wirklich wohl gefühlt - im Gegenteil. Und im Gegensatz zu anderen Menschen, die damit keinerlei Schwierigkeiten haben - weil sie es so in Ordnung finden. Für mich: Der reine Horror - jemandem Rechenschaft und Erklärungen liefern zu sollen. Hat zwar funktioniert - aber war einfach ein schlechtes Gefühl. Hatte sogar Glück, auf einen ganz netten "Arbeitsvermittler" zu treffen - meist haben wir den für mich anberaumten Termin mit einem relativ netten Schwätzchen verbracht und die nötigen Formalitäten schnell erledigt. Denoch blieb immer so ein seltsames Grundgefühl bei mir - mich doch lieber "selbst und ehrlich" durchzubringen. Vermutlich möchten das die meisten lieber - aber es geht eben nicht immer. Und für viele immer schlechter in einem Land - in dem mit immer schlechteren Löhnen immer mehr Profite für Aktionäre erzielt werden. Ein sogenannter "Mindestlohn" von 8,50 Euro die Stunde - bleibt in meiner Branche noch ein Traum. Bei 12 Stunden pro Schicht - käme ich damit wohl ganz gut hin.
Eine zeitlang - fand ich es auch völlig in Ordnung - zum sogenannten "Prekariat" zu gehören. Das ist ab-geartetes Neusprech - früher hieß das mal "Proletariat" und in dem Wort steckte viel Arbeit. Heute wird per "Prekariat" suggeriert, daß die, die nicht mehr von ihrer Arbeit leben können - faul sind.
Ist nun mal so ... also das als "prekär" Eingekastelte - und ich hatte soweit keinerlei Schwierigkeiten damit - weil ich ja meine Rechnungen immer pünktlich bezahlt habe und mir so manch köstlichen Einkauf auf dem Markt erlaubt habe. Jetzt aber - war´s nicht mehr ganz so lustig, weil ich bereits anfing, an erstaunlichen Stellen herumzuknausern. Nahm neulich die Zucchinis aus dem Supermarkt nicht mehr mit, weil sie mir zu teuer erschienen. Oder einfach - zuviel - es waren drei - und ich brauchte nur eine. Ich hasse - Knauserigkeit. Aber auch sinnlose Verschwendung, irgendwie. Kaufte mir also später woanders - eine. Gut. Nur ein Beispiel.
Besorgte mir für meine freien Tage - ein paar gehaltvolle Gemüse und kochte einen großen Topf mit köstlichstem Eintopf. Stand davor und dachte - hey, es geht Dir immer noch gut. Das hier - ist Gold wert.
Und alles Andere - kriegst Du wieder hin. Mit ein bischen mehr Einsatz eben. Vielleicht sogar mit ein wenig Glück. Fragt sich eben - was mensch so als Glück betrachtet. Heute - denke ich: Siehst Du - da hast Du schon Glück - kannst einen Tag mehr fahren. Und der Rest kommt auch zusammen. Ohne "Amts-Alimentierung".
Ne - das ist nichts für mich. Wenn´s sein müßte - würde ich hingehen. Aber ich denke, solange ich ganz gesund bin - krieg ich´s auch anders wieder hin. Nehme es immer noch - als Übung. Und staune inmitten von vielen Unwägbarkeiten - wie ruhig ich eigentlich bin. Immer noch. Mit der Extraschicht - wird´s schon hinhauen. Nicht sofort - und nicht ganz mühelos - aber es wird schon gehen. Und so - geht´s mir wirklich besser - als mit irgendeinem "Amt". Also mit Menschen, die andere Menschen gängeln und kontrollieren. Oder mit solchen Menschen - die völlig unverdient fette Kohle verdienen - und über andere ihren Stab brechen. Solche - die leben wie die Maden im Speck - und für Andere beschließen, daß sie mit einem minimalen Tagessatz doch sehr gut zurechtkommen.
Ja, ich komme prinzipiell gut zurecht - und freue mich drüber.
Geld ist fein - wenn man´s hat - erleichtert vieles und macht in bestimmten Bereichen des Lebens durchaus sorgenfrei. Aber es ist eben - nicht alles. Es gibt noch vieles mehr - was die Seele nährt.
Mir fiel ein - daß ich auch in den Zeiten, wo ich es reichlich zur Verfügung hatte - manchmal bis zum Anschlag meine alten Geräte genutzt habe - bevor ich mir endlich etwas Neues kaufte. Habe über Jahre an einem alten Autoradio herumgedrückt - man mußte eine Zahlenfolge eingeben und meine Zahlentasten waren schon lange hinüber .... aber es hat doch immer wieder geklappt. Mit viel Geduld. Geht doch - habe ich mich dann gefreut, wenn es doch wieder lief. Fast schon verrückt. Wenn man die Mittel für ein neues Gerät hat jedenfalls ... immerhin hatte ich viel Anlaß, über mich selbst zu lachen aufgrund von soviel Verrücktheit. Und auch jetzt - gibt´s viel zu lachen - über mich selbst - und diese Verrücktheit. Sowas kannst Du nicht kaufen.
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