Mittwoch, 8. Februar 2012

Teufel Teufel - die letzte Musikgeschichte

So. Es ist so gut wie vollbracht - die Multimedia-Abteilung ist erheblich reduziert und die Reduktion war ein Hochgenuss. Jetzt werde ich langsam gierig - nach leeren Regalfächern. Schmeisse zwar jede Menge Zeug raus, aber es bleibt immer noch zuviel übrig, trotz recht radikalen Vorgehens. Werde mich aber nicht weiter unnötig mit allzu vielen Feinheiten beschäftigen, darin kann ich mich sonst verlieren wie der Herr Syssiphus.
Jetzt - als letzte Abteilung - sind noch die Session und Probe-Aufnahmen dran. Manche habe ich ungehört entsorgt, weil ich die Energie nicht mehr brauche. Aufnahmen mit einem sehr abgedrehten Jazz-Bläser, genial von Haus aus, aber sehr anstrengend. Professionell, das gefiel mir. Der kam mit ein paar Instrumentenkoffern - hatte etwa 50 Blasinstrumente daheim - rein in den Proberaum, sagte mal eben "Guten Tag" und begann dann unverzüglich, sein verschiedenstes Gebläse zusammenzudrehen und los ging´s. Wunderbar! Er spielte schon so lange, daß er sich an keinerlei "Konvention" hielt - auch das wunderbar. Aber die Energie - recht hektisch.
Ich spielte seinerzeit fast täglich mit einem Schlagzeuger zusammen, der auch aus dem Jazz kam und für den sich im afrokubanischen ganz neue Räume auftaten. Für mich ebenso - denn er brachte mir dies und das im Gegenzug auf dem Schlagzeug bei. Auch neue Patterns auf den Congas - denn er las sehr viel in Noten. Hat eine ganze zeitlang viel Spaß gemacht. Und am Schlagzeug spielte er einfach genial, geniale Blumen! Allerdings auch ein etwas hektischer und oft "verkopfter" Mensch - so fand ich mich bei unseren Sesssions zu dritt in einer eher selteneren Position - in der ich nicht mehr ungeduldig war, sondern eher mal versuchte, ein wenig Ruhe in die Geschichte zu bringen.
Den Schlagzeug-Kollegen, der mir viel Freude mit seinem Spiel bereitete, schleuste ich in eine Band mit ein, in der ich ein paar Jahre mitgespielt hatte.  Ein karibisches Projekt mit einem permanent bekifften, aber genialen original-karibischem Entertainer als Frontmann und Drahtzieher. Von meinem Kollegen erfuhr ich dann von einem Auftritt, bei dem die Percussion eingespart werden sollte, weil es dann mehr Kohle für die anderen gibt. Ja, so sind sie ... ich habe mich daraufhin verabschiedet - war eh ausgelutscht und teils zwischenmenschlich-anstrengend.
Der Kollege schleuste mich seinerseits in ein kongolesisches Projekt mit ein - höre gerade die Probeaunahmen. Die schönsten Proben überhaupt - wenn die deutschen Herren an Bass und Gitarre nicht wieder rumfuckten! Ablauf auf Zuruf und Zeichengebung vom kongolesischen Cheffe, ein einziges Bündel schönster, leicht-gespielter Musik. Die Gesänge haben es mir angetan - vielstimmiger Chor dabei zu wunderbaren Melodien.
Damals war ich echt gut - darf ich so festhalten, ohne Eigenlob oder Allüren. Auch die kongolesischen Sänger hatten Spaß an meinem Zuspiel - in der Pause - weil ich einfach direkt alles aufschnappe, was mir so an Musik um die Ohren kommt, und so spielte ich einfach zu ihren schönen Zwischengesängen mit.
Leider flogen wir zu zweit raus - der Kollege Schlagzeuger und ich. Wir waren nicht devot genug gegenüber den deutschen Organisatoren für´s anstehende WDR-Konzert. Der kongolesische Cheffe war gar nicht der Chef, sondern seine blonde deutsche Perle hatte das Sagen. Als ich gar noch spontanen, verbalen Widerstand gegen alberne Einheitskleidung auf der Bühne leistete - hatte ich es versiebt.
Mein Kollege und ich gingen dennoch zum Konzert - und waren uns einig, daß sie besser mit uns gespielt hätten. Der schöne, lockere afrikanische Groove wurde mit brachialen Pop-Rhythmen versaut. Und die älteren Herren an Bass und Gitarre spielten das, was sie auch vorher schon spielten - eher Rolling Stones als Kongo. Gute, erfahrene Musiker - aber eingefahren in Rock und Pop. Ich bin natürlich auch eingefahren auf meines - aber ich spiele ja auch  nicht in einer Pop-Band. Der sehr angenehme, ebenfalls deutsche Keyboarder sei noch erwähnt, der es einfach drauf hatte - ganz ohne Allüren. 
Wir waren ein wenig frustriert und irritiert über den Rausschmiss - und verabredeten uns nochmal zu einem Gespräch mit dem Cheffe, der ja keiner war. Saßen ein paar Stunden freundlich im Gespräch zusammen und erfuhren derart, daß er im Grunde durch seine deutsche Freundin diktiert wurde. Und von den Herren an Bass und Gitarre, zwischen denen es widerum eine eigene Hierachie gab. Später - aus der Gunst der Gönnerin gefallen - mußte er zurück in den Kongo und in den dort herrschenden Krieg. Denke manchmal an ihn. Die wenigen Proben - waren mir ein Genuss (bis auf o.g. wichtigtuende  Korinthenkacker).
Ein paar schöne andere Sessions halte ich ebenfalls in guter Erinnerung - wir spielten zu drei Schlagwerkenden, zwei Schlagzeuger und meine Person. Der besagte Kollege, der mittlerweile auch Congas und excellent Bongos bespielte. Der "Gastschlagzeuger" ein Profi - wieder Jazz-orientiert. Für ihn einfach eine willkommene, entspannte Abwechslung gegenüber seinem durchdefinierten Broterwerb an der Batteria. Auch ein Hochgenuss - spielende Kommunikation allerfeinster Art!
Nachdem wir uns zuvor regelrecht heißgespielt hatten - kam mein "Kollege" mit der kopflastigen Frage, ob denn die Clave nicht andersherum hätte gewesen sein sollen. Wir anderen beiden lachten - und der "Gastspieler" sprach es für mich aus: "Wir haben hier gerade einen Höhepunkt - und Du fragst nach der Clave!"
So kann´s gehen - wenn nicht alle im gleichen Film sind.
Geschafft. In die Tonne getreten!

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