Donnerstag, 23. Februar 2012

Best Bauarbeiters ever ...

Als nächstes Finish der Altbau-Rundum-Grund-Komplett-Sanierung werden gerade Außenbalkone installiert.  Die Ankündigung zum Hofräumen erfolgte vor vielen Wochen und nun schon mehreren Monden, dann kam erst mal lange nichts - und darauf die Kälte, in der mensch das Stahlzeug eh nicht hätte anpacken können, ohne daß ihm die Haut sofort drangefroren wäre. Dann kam mein geschenkter Urlaub - und die unerschütterliche Hoffnung, daß sie sich nun auch noch Zeit lassen werden, zumal Karneval anstand. Hallelujah, Hosiannah - sie kamen erst gestern, an meinem vorletzten Urlaubstag - und ich bin sehr froh darüber. Das bischen Baulärm und Getanze vor meinen inzwischen gut verhüllten Fenstern - waren echte Peanuts! Zumal mir die tief eingestülpten Silikon-Ohrstöpsel ihre goldwerten Dienste leisten - und die kann ich ja jederzeit wieder rausnehmen im Gegensatz zu einem eventuell auslaufenden Brust-Aufblas-Implantat!
Was aber diese Baumenschen zu den Besten bisher macht, ist ihr Arbeitsrhythmus: Die kamen schon gestern spät und heute erst nach elf. Wunderbar! Und sie hören auch friedlich gegen 17 Uhr wieder auf, statt erst um 21 Uhr herum. Einer von ihnen, der enizige, den ich bisher sah, ist zudem eine rechte Augenweide. Ein sehr großer, freundlich-ruhiger Wilder mit Vollbart, ein stattlicher Bär, der mich überhaupt nicht stört, wenn ich ihn vor der Wand auf dem Hof agieren weiß. 
Morgen fahre ich eh wieder, da kann es mir gleich ganz gestohlen bleiben. Aber diese Ruhe während meiner Urlaubstage - das war ein rechter Genuss! Das Geschmettere des täglich stundenlang opernden Vollton-Herauspressers und der ebenso opernden Spitztonfrau ... waren ebenfalls gut zu nehmen. Die Kinder über mir - scheinen erheblich ruhiger geworden zu sein in ihrem Getrampel.
Eine sehr hysterische Trennungsarie erschallte gestern mittag noch über dem Hinterhof, mit vielerlei schrillen Bezichtigungen ... ich hoffte nur, daß kein Kind dabei stehen würde, um sich ein entsprechendes Trauma einzufangen. Die Arie wurde schon seit vielen Monden immer mal wieder geprobt, bis es nun, scheinbar, zur Ur-Aufführung kam.
Die wenigen Male, die ich es in den Wald geschafft hatte, traf ich meine Lieblingshündin - ein sanftes, liebevolles Streichelschaf, wenn sie nicht zuhause das Revier verteidigt, welches ich äußerst gerne massiere, während sie durch ihre bloße und somit völlige Anwesenheit meine Seele massiert. Das Verrückte ist - daß ihrem Halter, einem älteren Mann - im Oktober die Vorgängerin verstorben war, meine ehemalige erklärte Lieblingshündin - und nicht mal vier Wochen später wurde ihm "die flotte Charlotte" per Zufall -  den es ja nicht wirklich gibt - vom Leben zugeführt, die weitaus mehr als Ähnlichkeit mit seiner ehemaligen Hündin aufweist.  
Alles in Allem - durfte ich eine zeitlang wirklich mal wieder Stille auch um mich herum geniessen - danke dafür.
Derart friedich kann es gerne weitergehen. Heute nacht werde ich meinen Rhythmus also wieder um gute 45 Grad drehen, doch auch das habe ich schon oft genug gemeistert, wird also klappen.
Es war mir ein Hochgenuss, bis mittags im Bett zu bleiben. Manchmal schon lange vorher wachgeworden zum ersten Mal, doch lieber im sanft bedeckten Warmen verharrend, weitere Träume träumend, den Körper dabei drehend. Und dann fiel mir auf, wie streng ich mit mir war, wie sehr ich über meine Faulheit schimpfte - bis mir klar wurde, daß ich gerade mal etwas mehr als eine Woche Urlaub hatte - in der ich mich durchaus täglich zum weiteren Selektieren meiner tragbaren, materiellen Güter animiert habe.
Eine Art Zeitschleife, die mir viel länger vorkam.
Ich denke, ich bleibe in dieser Zeitschleife und mache einfach weiter Urlaub - egal, wo ich bin.

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