Neulich fuhr ich eine sehr sonnige junge Frau zu ihrer Arbeit in einem renommierten Kölner Traditions-Restaurant. Als sie eingestiegen war, kam auf dem Display eine Anfrage nach auf dem Rücksitz vergessenen Handschuhen. Ich war gemeint, hatte diese Handschuhe zwei, drei Stunden zuvor erst gesichtet auf dem Sitzplatz hinter mir - und bislang vergessen, sie im Kofferraum zu verstauen. Entschuldige mich bei der Fahrgästin und rufe in der Zentrale an. Die schreiben mir die Telefonnummer des Handschuh-Vermissenden runter auf´s Display - ich rufe da auch noch an - Moment, ich verbinde Sie ... aha, da isser. Eine kurze Fahrt am Morgen, ich erinnere mich. Wie und wo er mich denn erreiche, um an seine Handschuhe zu kommen? Sie erreichen mich gar nicht, denn ich fahre in der ganzen Stadt und weiß daher nie, wo ich gerade lande. Im Moment fahre ich gerade zum diametral-entgegensetzten Ende der Stadt und habe keine Ahnung, wo es mich danach hin verschlägt. Falls ich noch in seiner Nähe lande, bringe ich ihm gerne seine Handschuhe, als Botenfahrt, gegen Gebühr versteht sich. Gefällt ihm nicht wirklich - aber so ist es Usus. Ansonsten wird sich mein Kollege am Folgetag bei ihm melden, denn ich habe frei, und ihm seine Handschuhe bringen, sobald dieser irgendwo in der Nähe sein sollte - gegen Gebühr, versteht sich. Den Kollegen rufe ich auch noch an - keiner da. Handschuhe in Tüte mit Infozettel, in den Kofferraum. Insgesamt telefoniere ich an diesem Nachmittag fünfmal wegen vergessener Handschuhe, soll niemand sagen, daß das kein Service ist! Den ich dazu noch selbst in privaten Gebühren zahle, seit es Handies gibt. Die junge Frau neben mir ist gut drauf und wir lachen noch über mein "Gemurre" zu der Aktion.
Unterhalten uns über die Dienstleistungsbranche und diverse Erwartungen, die an uns DienstleisterInnen gestellt werden. Diese können eine breite Palette abdecken, je nach ErwartungshaltungsträgerIn. Der Handschuhmann dachte, ich würde ihm jetzt seine Handschuhe aus reiner Freundlichkeit bringen. Was so eine Limousine im Betrieb kostet, weiß er ja nicht. Um kurz vor sieben bräuchte er nochmal ein Taxi - es handelt sich eine sehr kurze Fahrt, die keinen alten Hund hinterm Ofen hervorlocken würde - und außerdem bin ich da längst zuhause.
Ich frage die Fahrgästin "Und, was denken die Leute in Ihrer Branche so, was alles selbstverständlich und inklusive sei?" Sie meint, der Job sei eigentlich ganz schön. Ich sage "Ach, kommen Sie, wenn wir mal ehrlich sind - ist es doch manchmal hammerhart, was mancheiner sich so rausnimmt." Sie stimmt ehrlicherweise zu. Ich erzähle ihr von meiner letzten Begegnung, bei der jemand meinte, daß er mich gleich als Sklavin zur Limousine mitgemietet hätte. Das kennt sie - und ergänzt mit Geschichten aus ihrem Metier. Wobei ich glimpflicher wegkomme, denn sie hat diese Typen immerhin für Stunden an der Backe im Restaurant. Ich bin sie meist schnell wieder los. Glücklicherweise sind es eher wenige, und die laufen für mich in den beiden Kategorien "Etwas muß definitiv zu kurz geraten sein." und "Nach oben buckeln - nach unten treten." Oft vermischen sich diese beiden.
Grauslich im Gastronomie-Gewerbe sind diese Momente, die sich wie Kaugummi ziehen - wenn alle schon bezahlt haben, aber noch eine Stunde an ihrem letzten Getränk nuckeln und nochmehr dummes Zeug reden! Bei ihr kann sich das bis früh am Morgen ziehen.
Jetzt - wird sie lebhafter und erzählt mir von einem Kollegen, den sie nicht besonders mag und der sich regelmäßig nachts zu Feierabend ein Taxi kommen läßt mit dem Spruch "So - der soll jetzt erst mal eine Viertelstunde da draußen warten, schließlich bezahle ich das ja." Sie findet das unmöglich und regt sich regelmäßig über solches Gebaren auf. Ich sage ihr, daß ich von Haus aus keine Viertelstunde vor der Tür warte, nach spätestens 10 Minuten bin ich weg, zumal ich ansonsten auch keine "Fehlfahrt" auf mein Display geben kann. Wer nach fünf oder maximal zehn Minuten nicht da ist, braucht meines Erachtens auch kein Taxi. Es sei denn, der Kunde kommt zu mir und erläutert mir, daß sich die Situation entsprechend ergeben hat, daß es noch dauern wird. Dann warte ich auch. Aber ich warte nicht auf solche, die mich verarschen wollen.
Ihre Geschichte vom Kollegen bestätigt mir zwar nur, was ich eh schon weiß - aber dennoch ich es ganz interessant, es mal in dieser Deutlichkeit zu hören. Was muß das für eine arme, erbärmliche Socke sein!
Schade, daß ich soviele Handschuh-Gespräche hatte, sicher hätte sie noch viel mehr erzählen können.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen