Dienstag, 28. Februar 2012

Göttliches Einholen beim Inder ....

Nach dem heutigen, trotz kurzen Restaurierens völlig schmerzfreien und wie immer seelenerfrischendem Besuch bei meiner geliebten Zahnärztin und ihrem wunderbaren Team fuhr ich mit dem Rädchen weiter zum Inder, Okraschoten erstehen. Die gibt´s da immer - und auf dem Markt quasi nie. Während meines Ganges mit Füßen und Augen durch die Gänge, wieder dies und jenes interessante Neue erspähend, lauschte ich der Musik, die da lief und die mir eine gehörige Gänsehaut bescherte. Beschreibbar ist sie zwar nciht wirklich, doch in Stichworten war es satteste Perkussion von Tabla und diversen indischen Trommeln mit einem rufenden "Mutterbaß", die eine gewisse Verwandschaft mit den kubanischen Batás haben und ebenso auf dem Schoß liegend von beiden Seiten bespielt werden. Die Namen weiß ich nicht. Aber ich erinnerte mich an eine Begebenheit am Rhein, als ich mit einer damaligen Freundin dort Batá spielte und ein neugieriger indischer Tourist zu uns stieß, um mir bereits damals mitzuteilen, daß es ähnliche Trommeln und Rhythmen in seinem Land gäbe. Wir tauschten Mailadressen aus, ein freundlicher Gesell, und später fragte er auf diesem Wege dringendst nach den Kontaktdaten der üppig ausgestatteten Freundin, grins ... das nur am Rande, weil´s mir wieder einfiel heute. Der Klang der Batás kann übrigens viele Kilometer mühelos überwinden, sie senden sehr lange Klangwellen aus  - und so geschah es uns auch einmal, als wir komplett und zu dritt am Rhein spielten, daß ein erzürnter Bewohner vom anderen Rheinufer angestürmt kam, um uns vehement aufzuforden, diesen unerträglichen Krach sofort einzustellen. So sind sie, die Menschen - verschieden.

Ich fragte also heute im Laden nach, ob ich diese Musik erwerben könne, die verkaufen auch CD´s. Hatte schon mal vorher nach einer gefragt, aber das hatte sich als nicht fruchtbar herausgestellt. Heute - händigte mir der Ladenbesitzer die angefragte Musik-CD sofort und sehr bereitwillig aus, er hatte einen ganzen Stapel davon direkt hinter sich an der Kasse in einem kleinen Schrank. Freude! Ich fragte, ob denn die anderen Stücke darauf ähnlich perkussiv seien? - und erhielt eine äußerst ergötzliche Antwort: Es gibt nur ein Stück darauf und dieses wird eine Stunde lang gespielt, immer schneller werdend. Ich grinste vor Vorfreude darüber, denn genau das macht für mich  göttliche Musik aus: Konzentration auf einen Focus - und diesen haltend, während die göttliche Energie ständig zunimmt und sich also verdichtet - um dabei den Weltengang aufzulösen und ins Nirwana zu befördern für die Zeit des Spiels.   
Er erklärte mir noch, wie ich zuhören solle - meditativ, das Mantra mitsprechend - "Wahe Guru" (GURU = Ghee! you are you) - und auf keinen Fall weglaufen mit den Gedanken! Ich ersparte mir jeden klugscheißernden Kommentar alá "Das weiiß ich alles schon" oder gar "Ich bin Trommlerin" (hahaha) und hörte gerne zu, ihn scharf beobachtend. - und für eine kurze Ewigkeit in die sehr klaren, tiefbraunen Augen fallend. Nur einen mußte ich noch erwidern, als er mir nämlich mitteilte, daß wir keine körperlichen Wesen seien. Da entfuhr es lachend meinem schnellen Mundwerk "Das weiß ich wohl  - obwohl nicht indisch bin." 
Entgegen seiner Anweisung - erlaubte ich mir, diese Musik zunächst im "Wachzustand" zu hören .... selten habe ich etwas Kraftvolleres vernommen - im Sinne von "sich selbst in Bewegung setzend"! Und recht zügig hat es mich daher mühelos ins Divine Realm gebeamt, besonders aber in das herrliche Feuer gegen Ende, als das Tempo immer mehr anzog - ins Unfassbare-.
Hier wird also eine Stunde lang nur ein Fokus gehalten - während beim Rufen der afrokubanischen Götter ständig die Rhythmen wechseln auf den jeweiligen Ruf der Muttertrommel hin- wenn auch in einem traditionell definierten und sehr festgelegtem Rahmen, der erst mal gelernt werden will. Beides ist göttlich und wunderbar - wenn auch sehr unterschiedlich.
 
Seit wenigen Stunden habe ich also ein neues, eigentlich schon älteres, aber jetzt erklärtes Wunschreiseziel - "The Karnataka College of Percussion" in Indien - welches mir schon seit einigen Jahren, allerdings sehr schwammig im Hirn herumwaberte. Ich weiß nicht einmal, ob die ungeduldige Westler überhaupt als Lernende nehmen ... aber das kriege ich zu gegeben-gelderfrischter Zeit schnell raus. So etwa 12 bis 14 Stunden exzessiven Übens und Spielens pro Tag kämen mir durchaus entgegen. Kann auch eine andere gute Schule sein, vor allem sollte sie idyllisch am indischen Ozean gelegen sein, in einem ruhigen, beschaulichen Ort!
Im Gegensatz zu den vielen "spirituellen KollegInnen" hat es mich ansonsten nie nach Indien gezogen zu den vielen vermeintlich "heiligen Plätzen" an denen die vermeintlich "Heiligen" gesessen haben sollen o.ä. - wenn überhaupt, dann um der göttlichen Musik willen. Und diese, die mich heute erreichte - hat reichlich Anziehungskraft und Feuer. So die Götter also wollen, bin ich gerne dabei.
Als ich bezahlte - meine diversen Einkäufe und die CD - erschien mir der Preis viel zu gering und ich fragte den Geschäftsmann, ob er denn auch die CD berechnet habe? Oh, dafür möchte er nur zwei Euro (also eine Art Selbstkostenpreis) - man müsse ja nicht mit allem Geld verdienen. Ich sagte ihm, daß mich das sehr freut, solches von einem Geschäftsmann zu hören.
Werde mich später nochmal erheblich weiter und lauter "beamen" bzw. mitspielen - am Nachmitag wollte ich die recht angenehm-ruhigen Bauarbeiter nicht allzu sehr von der Arbeit abhalten mit diesen Klängen ....

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