Was mir auffiel in jüngster Zeit: Früher hatte ich immer mal Träume, was so in meinem Leben noch sein soll, was ich mir wünsche, was ich gerne tun würde .... jetzt bin ich seit zwei Jahren traumlos.
Ich habe nie weiter geträumt als bis zu meinem 45. Geburtstag bzw. Lebensjahr, an dem ich spätestens Richtung Spanien auswandern wollte - früher mal. Spanien oder ein spanischsprachiges Land, mit viel Sonne und Gelassenheit. Ganz früher war es mal der Traum von einer Reparatur-Klitsche mit Café-Betrieb, irgendwo in der Wüste .... war wohl mit zuvielen KFZ-Spastlern liiert und mochte immer gerne diesen Geruch nach Werkstatt und Motoröl ....
Einige andere Träume hatte ich auch. Manche sind eingetroffen, viele Wünsche haben sich sofort realisiert (besonders solche der bescheideneren materiellen Art oft im Handumdrehen). Manche ganz anders, als ich es vermutet hätte, manche so, wie ich es mir nie erträumt hätte und andere gar nicht. Bei einigen der letzteren Sorte kann ich erleichtert sagen "Gött sei Dank, daß dieser Traum-Kelch an mir vorüberging".
Zu meinem 45. Geburtstag ist dann "im richtigen Leben" meine Mutter gestorben, und damit im Grunde das letzte und vielleicht eines der hartnäckigsten ehemals vielen Clan-Mitglieder an sich. Meine noch lebende ältere Schwester - lasse ich hier außen vor, sie hat keine echte "Clan-Kompetenz" und manch eine freundliche Verkäuferin im Supermarkt steht mir näher als sie. Mein Neffe - lebt sein eigenes Leben und ist froh, wenn er Ruhe hat vor den alten Gespenstern, viele kannte er ja gar nicht erst. Als ich ihn das letzte Mal traf - war er eben so vogelfrei, wie ich es bin, nur mit der Sicherheit eines selteneren Jobs im Rücken, den er überall auf der Welt ausüben kann und in dem er gefragt ist. Hallelujah! Abgesehen davon - hatte er die schwere Bürde der Dinge auf sich genommen - und hatte den Dachboden voll mit Dingen aus der Wohnung seiner verstorbenen Großmutter. "Oh nein danke, ganz sicher nicht, dachte das wäre lange klar!" - war meine Antwort auf seine Frage, ob ich nochwas haben wolle von ihren Sachen. Habe ihm angeboten, ihm beim Flohmarkt bzw. endgültigen Entsorgen zu helfen ... auch Dinge binden - und zwar schwer.
Es geht also immer weiter um Ent-Bindung. Keine "Bindungen" mehr im Außen zu haben - entbindet noch nicht automatisch von den Clan-Energien oder gar denen des menschlichen Kollektivs. Im Gegenteil, eine ganze zeitlang haben die vielen Toten eher an mir gezogen und mir zugeraunt, ich solle doch auch kommen. Und eben in diesem Zusammenhang - komme ich erst in den letzten Tagen drauf, daß ich keine Träume mehr habe für mein Leben. Zwar tauchen hier und da ein paar Bilder auf, doch die taugen nix, halten sich nicht, platzen schnell, entwickeln kein Eigenleben ...viele alte Träume der Menschen, nicht einmal meine, die ungelebt blieben und sich jetzt zu meinem Erstaunen zeigen- aber wie gesagt keine echte Substanz, höchstens noch mehr Leere erzeugen.
Ziele soll mensch sich setzen ... und erreichen. Und dann ... neue Ziele. Und dann ..... (und dann und dann und dann - Kinder wissen noch gut, warum sie so hartnäckig fragen!)
Denke, es ist gut, wie es gerade ist - diese Langeweile und der Überdruß an unterhaltenden und/oder tagesfüllenden Tätigkeiten haben mir etwas Wertvolles mitzuteilen, was ich bisher nicht fühlen wollte.
Ideen der Endlichkeit, Angst vorm Altwerden, Todesängste ....
Sehn-Süchte nach Sicherheit, Geborgenheit, Liebe ...
Alte Menschenträume - die selten so erfüllt wurden, wie gedacht und erhofft.
"Der Tod ist eine Erfindung derer, die sich nach Sicherheit sehnen" -
habe ich heute sinngemäß gehört und mich davon beeindrucken und berühren lassen. Ist was dran. Sehnsucht nach Ruhe. Aber: S´geht halt immer weiter ....
PS: Die Amsel war nicht wieder hier ....
dafür vor zwei Abenden ein buntes Punker-Pärchen,welches über die Dächer der Hinterhöfe wandelte und sich einen Platz zum Kuscheln suchte. Freundlicherweise - haben sie einen außerhalb meines direkten Blickfeldes gewählt und mir nicht länger in mein Fenster geschaut.
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