... ein Kollege fällt mir auf - den habe ich vor Jahren mal an einem Halteplatz getroffen, da war er noch die Nachtschicht. Jetzt sehe ich diesen ab und an mal - in der Tagschicht und denke - hast Du den nicht schon mal irgendwann gesehen und ein paar Worte mit dem gewechselt - vor Jahren?
Am Flughafen steht der gut zwei Stunden vor mir. Ich registriere den wieder nur. Am nächsten Tag steht er in der Kolonie am Halteplatz vor mir - und ich geh mal hin und spreche mit ihm.
Ein freundlicher, recht entspannter Typ. War schon damals mein Eindruck- obwohl ich den ja nur einmal sehr kurz angetroffen hatte.
Ein "echter Taxifahrer" - im Gegensatz zu mir.
Ich bin das schließlich nicht aus Leidenschaft bzw. Passion ....
Er aber war es - viele Jahre lang - das ging soweit, daß die Kollegen zu ihm gesagt haben, er ginge ihnen gehörig auf die Nerven mit seiner "positiven Einstellung" und Freude an dem Job.
Einer der wahrlich Wenigen - die diesen Beruf "ergriffen" haben - und nicht einfach dort gelandet sind,
Einer - der viele lange Jahre gerne die Nachtschicht bedient hat - und gut damit klar gekommen ist.
Bis er eines Nachts brutal angegriffen wurde - von einem, der ein Taxi wollte und nicht einsteigen sollte, weil der Kollege bereits besetzt war.
Daraufhin hat dieser Fremde ihn in die Mangel genommen. Man könnte auch sagen - radikal zusammenschlagen wollen. Eine Kante - und dieser Kollege eher ein selten schmales Hemd. Im entscheidenden Moment aber - hat er eine Art Überlebenszorn entiwkckeln können und die ihm eigentlich körperlich weit überlegende Masse an aggressivem Mensch - irgendwie packen können im Zorn. Er berichtet - daß er sich über sich selbst erschrocken hat und sich so wiederfand, daß er diesem Typen in wilder Überlebenswut permanent den Schädel auf den Asphalt geschlagen hat.
Ich meine recht trocken dazu - "Gott sei Dank! Bestens so!" Und - "Ist es nicht erstaunlich - was mensch plötzlich für Käfte entwickeln kann - wenn es wahrlich notwendig ist?!" Mir gefällt´s - daß sich dieses vermeintlich schmale Hemd derart wehren konnte - gegen einen scheinbar überlegenen Angreifer.
Was denn der Fahrgast gemacht hätte? Nix - meint der - der wäre einfach nur froh gewesen, daß er irgendwo saß - hätte nichts mehr mitbekommen.
Ob er wenigstens ein gutes Schmerzensgeld bekomen hätte von diesem irren Angreifer - bei dem folgenden Prozeß? Nein - nichts dergleichen. Sein Anwalt hätte ihm geraten, den Ball flach zu halten - weil er es hier vermutlich mit einem Mitglied eines "Rocker-Clans" zu tun gehabt hätte. Aha?! Scheiße eigentlich .... Mehr als Scheiße - vor solchen "Strukturen" quasi präventiv einknicken zu sollen.
Frage ihn noch - ob er sich je bewaffnet hätte? Nein, hat er nicht. Aus den gleichen Gründen, aus denen ich mich auch nie "bewaffnet" habe - auch nicht hinter irgendwelchen Tresen einst: Reiner Selbstschutz - davor, diese Waffen auch gegebenenfalls gnadenlos einzusetzen - und sich somit selbst unglücklich zu machen.
Dieser Mensch - hat sich also über sich selbst erschrocken - als er aus reiner Not heraus zum wilden Tier mutierte - und den Schädel des Angreifers in blinder Wut immer wieder auf den harten Asphalt schlug. Ich freu mich drüber - und sag es auch so - über ansonsten völlig unerwartete Kräfte, die sich in solchen Situationen oft zeigen. Und - er hat es alles ganz richtig gemacht - ohne Frage.
Empfehle ihm - sich mal mit dem Fahrer der Nummer Soundso zu unterhalten - der steht ebeanfalls in der Warteschlange am Halteplatz - und sich dessen Geschichte anzuhören. Der fuhr früher auch mal nachts - und ist in die Tagschicht gewechselt - nachdem man ihn für eine mehr als lächerliche Ausbeute samt Auto und verschlossenen Türen in einem See versenkt hat. Igrendwie hat es dieser geschafft - doch noch eine Tür aufzubekommen und sich nochmal ins Leben freizuschwimmen .... die Einzelheiten dazu kann ich ihm nicht erzählen - ich merke mir immer nur "Eindrücke" .... da möge er sich mit diesem selbst drüber austauschen. Und so eventuell sein eigenes Trauma - mit diesem zusammen "belachen".
Was bleibt - ist dieses Trauma - im Körper - und damit auch in Seele und Geist. Zwar hat der Schmale nochmal Glück im Unglück gehabt - aber vergessen ist das nicht. Es hat sich eingebrannt.
Seither - findet er sich vorzugsweise am Flughafen wieder ... dort, wo die "harmloseste Kleintel" zu finden ist. Und dort - wo eine Art seeliger Frieden herrscht auf den Plätzen - bis es wieder irgendwann weitergeht. Dort - wo auch ich ganz gerne hinfahre, wenn es meine Touren ergeben. Möglichst - raus aus der Stadt - sagt "der Schmale" dazu.
Und ich habe eine Idee, was er meint - obwohl ich ja nie die Nachtschicht gefahren habe .... bin höchstens manchmal noch ein paar Stunden reingefahren, wenn das Auto nicht besetzt war.
Ginge auch gar nicht - dafür bin ich viel zu aggressiv - gegen betrunkene Dummschwätzer, vermeintliche Testosteron-Bomben und sonstige Weltmeister der Nacht - die am Tage das Maul nicht aufbekommen.
Nein - ich tue das nicht "nicht" - weil es mir etwa zu "gefährlich" wäre - sondern weil ich mir selbst zu gefährlich wäre. Und seit ich weiß - daß ich doch lieber die Tage lebe - und die Nächte schlafe. Seit ein paar Jahrzehnten also inzwischen ....
Schade für ihn - der es gerne gemacht hat. Mit viel Empathie.
Aber - wer weiß - wozu es gut ist - daß er jetzt mehr am Tage lebt?!
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