Freitag, 18. Oktober 2013

Kurze Vormittags-Odyssee und dann die perfekte Behandlung ...

... entschließe mich, nun doch einen Orthopäden zu kosultieren. Die Schmerzen ziehen sich zu und bis in den Kopf. Wundere mich, daß ich überhaupt phasenweise gut schlafe - und diese einfach im Traum vergesse. Um sechse am frühen Abend packe ich also diesen Körper ins Bett, weil ich nicht mehr weiß, wohin sonst mit ihm. Stehe früher auf als sonst und suche mir drei potentielle Orthopäden raus, bzw. die Telefonnummern. Bei zwei der Empfangsdamen werde ich zügig und deutlich abgewimmelt. Die dritte ist freundlich und redet wenigstens mit mir, kriegt mich aber auch nicht mehr als Notfall reingepackt heute in den Kalender.

Was ich tatsächlich abklären möchte, ist, ob es ein Bandscheibenvorfall sein kann - oder etwas an der Hüfte gebrochen ist. Und bei der Gelegenheit noch den gebrochenen Zeh vom Sommer.

Nachdem ich zwei kurze Touren nur mit Mühe geschafft habe und auch merke, daß mir die Schmerzen im Kopf schon auf die Konzentration schlagen - erblicke ich am nächsten Halteplatz eine Praxis auf der gegenüberliegenden Seite und denke "Hey - ist das nicht ein Orthopäde?" Ja - es ist einer. Ich fahre entschlossen von  der Spitze weg und gehe da rüber. Ja - ich könne direkt dableiben. Erleichterung! - für einen kurzen Moment. Da ich nicht wirklich sitzen kann, sage ich der jungen Frau am Empfang, daß ich mir noch eine Weile draußen die Beine vertreten werde.

Auf der anderen Straßenseite ist dieser Chiropraktiker, den mir vor Jahren mal eine Kundin allerwärmstens empfohlen hatte - hab ich nie vergessen. Wer nicht weiß, daß da im Durchgang eine solche alteingesessene Praxis befindlich ist, läuft vermutlich viele Male dran vorbei, ohne diese zu sehen.

Gehe also mal rüber und rein in die schlauchartigen Praxisräume - aber treffe niemanden an. Da öffnet sich die Tür und ein älterer Herr kommt auf einem Klapprad hereingefahren ... er müsse mal an mir vorbei und sein Rad parken, ruft er gut gelaunt aus. Lustig.
Nach einer Weile kann ich ihn fragen - ob er mich heute noch behandeln würde? Draußen stand auf einem Schild u.a. "Einrenken - 10 Euro", das gefiel mir ausgezeichnet. Hier wird einfach gearbeitet - nix mit "Wellness", Buddhapüppchen und sanftem Gedudel, Zimmerspringbrunnen und lauter so Zeugs.

Die vielen Handtücher im Regal sind kunterbunt zusammengewürfelt, vielleicht noch ein paar Erbstücke von der Oma darunter, und nur sehr leger einsortiert. 
Ja - sieht so aus, als sei ich hier richtig!

Er meint - ich solle mir doch gleich ein Rezept für seine Behandlung vom Orthopäden drüben mitbringen - und ja, ich könne reinkommen, wenn ich da fertig sei. Fein!
 
Sitze dann doch noch eine Weile in der Orthopädie-Praxis, bis ich dran komme - und atme immer schön - den Schmerz weg in den Schmerz hinein.
Von den vielen Menschen, die dort arbeiten und geschäftig hin- und herlaufen - hat noch keine(r) gelächelt. Sehe nur sehr ernste Gesichter und das gibt mir zu denken.
Betrieb wie im Taubenschlag - einer nach dem anderen wird "abgefertigt". Ich dann auch endlich. Ratzfatz geht das.

Wegen der Taubheit - müsse er mich eventuell zum Neurologen schicken und zur Kernspin - und erst mal würden Röntgenaufnahmen gemacht. Mit dem Röntgen - bin ich durchaus einverstanden (bzw. deshalb bin ich ja hier), ansonsten sag ich mal besser nix jetzt. Fühlt sich an, als sei ich in einer Art Fabrik gelandet. Schäle mich mit Schmerzen im Hemdchen auf den eiskalten Röntgentisch - die da die Aufnahmen macht, hat offenbar auch nichts zu lachen.

Der Herr Doktor regelt mich noch kurz und heftig Maß, als ich im vorhergehenden Behandlungszimmer meinte, daß ich mir im Sommer den Zeh zweimal angestoßen und gebrochen hätte. Das - könne ich ja gar nicht wissen - weil das noch nicht untersucht worden sei. ??? Ich sag auch hier mal besser nix weiter dazu, will ja gleich noch meinen Zettel für Krankengymnastik von dem - ja, denkt der denn, das könne mensch nicht merken?

Die Röntgenbilder ergeben: Ja - tatsächlich war der Zeh gebrochen. Heilt aber schon gut und wird alles noch besser. Aha! (sag ich doch ...)
Die Aufnahmen von Hüfte und Bein seien aber nicht ganz klar - da müsse ich eine "Kernspin-Tomografie" oder wenigstens ein "CT" machen lassen.

Ich gucke den mit großen Augen an - und schüttel dann den Kopf - nein, das doch lieber nicht. Ob er mir nicht Krankengymnastik verschreiben könne? Darauf bekomme ich die harsche Antwort - das sei "Wellness" und würde nichts helfen. Er tut es aber doch - nachdem ich nochmal nachhake. Schlappe vier Behandlungen hat er mir kredenzt (kann wohl doch nicht so schlimm sein?).

Ich gehe endlich erleichtert mit meinem Zettel und einer CD mit den Röntgenaufnahmen von dannen ... nix wie rüber damit zum klappradfahrenden Knochenbrecher.

Dort - bekomme ich erstmal eine feine, heiße Fangopackung für Nacken, Rücken und Hüfte ... das ist ganz fein - kannte ich noch nicht. Eine ältere, hier darf ich fast sagen "alte" Frau, weil ich auch das sehr angenehm finde, legt mir diese unter den Körper und deckt mich einer bunten Decke schön warm zu. Irgendwie paßt sie perfekt zu allem Anderen hier.

Und im Anschluß erhalte ich eine formidable Behandlung von einem sehr freundlichen, natürlichen jungen Mann. Der testet mal alles durch - mittels Druck, Kneten, Dehnen und so .... und meint: Wenn ich einen Bandscheibenvorfall hätte, wäre ich ihm schon längst schreiend von der Liege gesprungen. Er geht mal alle Wirbel durch - nichts außer Wohlbefinden zu verspüren bei mir.

Dann bekomme ich diesen dicken Muskelstrang am Allerwertesten ordentlich durchgeknetet - auf der Seite, die mich in den lezten Tagen so malträtiert hat. Die Seite, auf der ich mein Bein im Taxi immer sehr ungesund und angspannt "abstellen" muß - in der Haltung verspannt nämlich diese ganze Zone und nun strahlt sie ihren Unmut darüber ab, beschwert sich zurecht über solche Quälerei. Und selbst beim Durchkneten und  -Walgen in diesem ganzen Bereich - nur wohliges Schnurren und erfreute "Ah-tut-das-gut" Rufe ....

Ich höre mich noch sagen - ich gebe mich da einfach mal vertrauensvoll in ihre Hände.
Ganz m gegensatz zu dem Arzt vorher - der mich gerne in eine gewinnträchtige Mühle geschickt hätte.
Von den Chiropraktikern, denen ich von meiner Weigerung berichte, erfahre ich noch, daß das mal locker sechs Wochen dauern würde, bis mensch überhaupt so einen Termin bekäme zur Durchleuchtung in diesen Röhren ... 

Bin sehr froh - endlich mal in diese alte Praxis gegangen zu sein - in der einfach nur gearbeitet wird. Was mich denn so eine Bahndlung kosten würde, wenn ich sie selbst bezahle? 20 Euro. Hallo? Ein Witz!
Aber ich habe schon eine andere Möglichkeit für die Akutphase gefunden.
Anschließend - werde ich mir diese Wohltat gerne wenigstens alle zwei Wochen weiterhin schenken - lassen.

Wieder draußen an der Limousine - bin ich noch gar nicht wieder "zurück" von meiner wohligen, erleichternden Heilungs-Reise, alles ist ganz weich und entspannt - und der Kopf ist wie freigeblasen.
Fahren soll ich heute lieber nicht mehr - und das lasse ich mir auch nur einmal so sagen.
Bewegung sei gut. Und es könne heute unter Umständen nochmal zu Schmerzen kommen. Das - glaube ich aber  nicht so recht - schlimmer wird´s wohl nun nicht mehr.

Hätte ich nicht so eine Ärzte-Aversion aus vielen guten Gründen, zu denen ich heute noch einen weiteren dazu geliefert bekam - oder schlicht mehr Kohle für all die wohltuenden Dinge, die die Krankenkassen nicht bezahlen - hätte ich mir wohl eher helfen lassen. Aber jetzt -  hat sich ja was ganz Anderes aufgetan: Ein Ort mit Menschen, von denen ich mir mehr als gerne helfen lasse - und wo ich einfach volles Vertrauen habe. Gold wert.

Nur ein einziges Mal - hats´tatsächlich gekracht an der Wirbelsäule - aber auch da hat der Meister recht behalten, als er mir schon anfangs sagte - es müsse nicht weh tun. Ich rief nur mal kurz pro forma "Aua" - aber eigentlich nur wegen dem Geräusch.

Natürlich - werde ich ab sofort meiner Kundschaft begeistert einen goldwerten Hinweis gerne im Vorbeifahren weitergeben - auf diese kleine, unscheinbare, seltene Oase.

Und jetzt bin ich mal gespannt wie ein Flitzebogen, was die Muskeln und Knochen heute Nacht zur neuen Matratze sagen werden. Alles wird gut.
"Bitte - und Dir wird aufgetan" - fiel mir heute morgen brennend heiß und literal ein. Und kaum hatte ich endlich um Hilfe gebeten - war sie auch schon da. Danke!

2 Kommentare:

wildgans hat gesagt…

Fango ist wunderbar!
Ein radfahrender Doktor, haaa!!
Musste dabei an den Knochenbrecher im Film Soul Kitchen denken, kennste?
Wünsche guten, erholsamen, schmerzlosen Schlaf und alles Weitere....

Sati hat gesagt…

Danke für die guten Wünsche.

Ein durch die eigenen Praxisräume klappradfahrender, sehr erfahrener Chiropraktiker .... Betonung auf "Praktiker"!

Nein, Soul Kitchen und Knochenbrecher bringe ich nicht in Verbindung. War dasnicht der lustige Film von diesem türkischen Regisseur .... der noch mehr amüsante Filme gemacht hat?

Einen schönen Sonntagnachmittag in Dein Paradies, Sati