Sonntag, 9. Dezember 2012

Schweres Ringen ....

.... heute morgen - mit mir selbst. Widerstand bis zum Anschlag - heute wieder mit dem Blechkoloss durch die Straßen zu rutschen. Es hat wieder geschneit und schneit immer noch. Obwohl mir das Autofahren nun schon länger nicht mehr wirklich "Spaß" macht - habe ich doch normalerweise wenigstens eine Menge Routine. Aber das Gerutsche - ist mein Albtraum. Und ich frage mich - ob ich heute wirklich einen Albtraum haben will - oder ob ich es nicht lieber sein lasse. Ich lasse es sein. Lohnt sich jetzt eh nicht mehr .... auf einer Schneedecke kommt man nicht vorwärts und die Kriecherei bringt nichts ein - außer für mich Anspannung. Werde heute einen "Ebay-Tag" einlegen - und den Schnee aus sicherer Perspektive genießen - mich über die schöne Winterlandschaft freuen, über ein warmes Zuhause und ein warmes Bad.  So gut es geht. Habe immer noch - ein ungeheuer schlechtes Gewissen, wenn ich mal "blau" mache. Das ärgert mich. Verdirbt den Genuß einer solchen Entscheidung. Tiefes Programm. Schließlich - hängen Andere da mit drin - bzw. der Unternehmer. Werde mich ggf. "freikaufen", muß ich noch überdenken - leide auch unter "Fairnesswahn". Jedenfalls - werde ich heute nicht den Tag in einer Blechkiste auf rutschigen Straßen verbringen. Reichliche Albträume in der Nacht - taten das ihre dazu zu dem Entschluß. Wie wird mensch so ein tiefsitzendes "Schlechtes-Gewissen-Programm" los?
Lese einen Satz von Schiller als Kalenderspruch-Orakel "Hab mich nie mit Kleinigkeiten abgegeben." Beneidenswert! Ich vergeude gerade - wertvolle Lebenszeit mit solchen. Heute also - von Schiller lernen. Und auf 50 Euronen verzichten. Vielleicht 60 oder 70 - egal .... Gestern lief´s gut. Und morgen ist ein neuer Tag. Heute ist es eben mal so, wie es ist. Heute - kann ich nicht. Und auch das - ist ein tiefsitzendes Programm "Immer können müssen". Und wenn es mal nicht funktioniert - zutiefst zerknirscht darüber sein. Preußisch-protestantisches-Korrektheitsprogramm. Von den Ahnen schon im Mutterleib übernommen. Oder gar - vorher.
Höre schon den Unternehmer sagen: "Ach was - das war doch nicht glatt gestern." Werde jedenfalls - keinen Schmarrn erzählen, sondern sagen, wie´s heute ist, war: Winterlicher Nervenzusammenbruch. Punkt.
Auch sowas - was mich in der Vergangenheit oft geärgert hat - die Relativierung des eigenen Empfindens, Wahrnehmens durch "markige Sprüche"  der Mitmenschen. "Stell Dich doch nicht so an ...." und "Ich weiß gar nicht, was Du hast." - zwei Mantren aus längst vergangenen Kindheitstagen. Ich weiß, was ich habe heute: Ein ungutes Bauchgefühl.  Und ein lautes "Nein" - in die Kolonie zu schliddern. Bzw. ein lautes "Ja" - auf mich zu hören. Der Rest - läßt sich regeln.
Danke, Herr Schiller, für den Satz.
Die Siedlungsbewohner treffen sich zum geselligen Schneeschaufeln am Morgen - Große und Kleine ... Lautes Kratzen und fröhliches Plaudern für eine halbe Stunde - jetzt wieder Stille. Und der freigeschaufelte Boden - schon wieder weiß.

9 Kommentare:

Astrophil hat gesagt…

"...Und auch das - ist ein tiefsitzendes Programm "Immer können müssen"....

"...Leide auch unter "Fairnesswahn...".
_________________________________

Jaja, liebe Sati. Kenne ich nur zu gut. Solche "innerseelischen Phänomene". Zumindest aus "früheren Zeiten". Die mich fast umgebracht hätten....

Stille Grüße
Astrophil

Sati hat gesagt…

@ Phil - danke für´s Mit-teilen.
Fällt mir noch ein zu oft gehörtes Mantra aus Kindertagen ein: "Was mich nicht umbringt - macht mich härter."
Habe schon seit geraumer Zeit kein Bedürfnis mehr - "härter" zu werden.
Oder weiter hart zu mir selbst (und Anderen) zu sein.
Sanft mit mir selbst umgehen - war das Stichwort heute morgen.
Statt wieder in den Kampf des "Funktionierenmüssens" zu gehen - für ein paar Euros. Ich glaube - das ist der falsche Weg. Weiß es sogar. Jedenfalls heute - manchmal ist es halt wichtig, "aufzugeben". Und sich nicht weiter auf Glatteis zu begeben. Die Zeichen sind deutlich und scheinen sich zu häufen ... auch in Form von Fast-Überfahren- und Beklaut-werden in diesem Jahr. Die Zeit ist überreif.
Allein - die praktische Lösung ist noch nicht zu sehen. Nur ein paar Wünsche - aus dem "Innerseelischen". Immerhin.
Schneewattige Grüße ... am Sonntag, Sati

Ich will...... hat gesagt…

ooooooch, diese Kindheitssprüche kennen wir irgendwie so gut wie alle, glaube ich. Liegt wohl daran, dass wir, also unsere Generation die Kriegsenkel-Generation sind.
Habt ihr es mal gelesen? "Kriegsenkel" von Sabine Bode.

War mir ein Augenöffner.
M.

Sati hat gesagt…

@ M:
Nein - las ich nicht. Bin übrigens kein "Kriegsenkel" - sondern ein "Kriegskind" - meine Eltern haben mich sehr spät bekommen. Also demnach ein "Kriegsenkel" der Großeltern aus dem ersten Weltkrieg. Und ja - das Ungelöste und Unausgesprochene des Clans - hat mich schon als Kind sehr beschäftigt. Eine Mauer des Schweigens. Bei meinem Vater riß diese ungewollt und in "sehr lebendigen Phantasien" wieder auf - bevor er starb. Er "regressierte" in den Krieg zurück und sah in den Menschen um sich herum plötzlich seine ehemaligen "Kameraden". Zum Beginn des zweiten Weltkriegs war er gerade 18.
Ja - viele kennen diese Sprüche. Und doch - muß jedes für sich selbst schauen, wie und ob eine Lösung der eigenen Clangeschichte möglich ist.
Ich träume gerade davon ....
Sati

Sati hat gesagt…

PS - einer der berührendsten Momente mit meiner einstigen, leiblichen Mutter fällt mir noch ein dazu. Sie sprach nicht fot über ihre Empfindungen - aber eines Tages offenbarte sie sich plötzlich überraschend. Sie meinte etwas wie "Ich möchte wirklich mal wissen - woher diese Scheiß-Angst wegen nichts und wieder nichts kommt. Das ist doch nicht normal - daß ein Mensch sich wegen solcher Kleinigkeiten in die Hosen macht." Auch sie hat´s schon mit der Muttermilch eingesogen oder noch im Uterus .... so wie ihre Mutter ... usw. usw. Wo also - anfangen? Sati

mundanomaniac hat gesagt…

Liebe Schwester Sati
"Wo also - anfangen?"

Seit vielen Jahren gebe ich auf diese Frage entschieden diese astrologische Antwort:

"Beim Pluto " ... er, der Bilderspeicher, enthält in toto die ganzen Vorurteile der Eltern, bzw. der Ahnenreihe, und dort, wo im Horoskop in Gestalt des Pluto eine eigene, originale, lebensfördernde Verneinung gefunden und gelebt werden will.

Eigentlich enthält Pluto das Lebensprogramm ("DNS") jeder Art und ist aus diesem Grund äußerst konservativ und ein Feind (Quadrat Skorpion/Wassermann) des Mutanten Uranus.
Bei den Pflanzen und Tieren ist das verlässlich und unproblematisch und Mutationen sind echte seltene Ausnahmen.
Bei uns aber, die wir als Menschen auf ständige "Mutation" angewiesen sind, ist "Pluto" der Verhinderer und Verdränger und Skorpion (8. Haus) ist diejenige Instanz, die neuen Sinn - aus den Fischen (12. Haus) kommend und im Wassermann (11. Haus) zum Ursprung gekommen - nicht durchlassen will zur Waage (7. Haus) in die Gegenwart. (Das ist die große Wahrheit, die Döbereiner astrologisch ans Licht buchstabiert hat).

Es kommt also für einen Menschen alles darauf an, in seinem Leben die Informationen der elterlichen Verdrängung zu löschen und einen frischen, eigenen Skorpion/Pluto heraus zu sieben aus den Andeutungen der Träume, des eigenen Herzen und, ja, vor allem, der notwendigen eigenen Irrtümer.Auch und gerade d e r (heilsamen!) Irrtümer, aufgrund welcher wir dem Ruf des Pluto, uns für die Notwendigkeiten anderer einzusetzen, gefolgt sind. Jeder echte Einsatz in Unschuld, auch oder gerade, wenn er illusionär war ,leuchtet am inneren Himmel vor "Gott" und trägt dazu bei, dass man von Gott "gefunden" werden kann - was alles ändert.

Ich bin sehr froh Sati, auf Sichtweite mit Dir zu wandern zu dürfen.

MM

Ich will...... hat gesagt…

ich fürchte, du bist trotz zu später zeugung in der lebenszeit der zeuger ein kriegsenkel.
kollektives unterbewußtsein hat wohl oberhand.
vielleicht auch nicht.
auf jeden fall, wenn du es mal in die hand bekommst, lies es, ebenso wie die "vergessene generation".
es ist gut für das verständnis der erzeugergeneration.
m.

Sati hat gesagt…

"es ist gut für das verständnis der erzeugergeneration. m."

Denke - daß ist erledigt. Habe viele Jahre damit verbracht, die Mischpoke zu verstehen. In allen Facetten - und aus beiden Linien. Sogar die, die ich nie selbst kennengelernt hatte - mit all ihren "Geschichten". Frieden ist schon lange gemacht - mit allen. Und alle waren sie - nicht nur preußisch-protestantisch sondern auch mal lustig, manchmal ausgelassen und manchmal herzlich. Gesellig waren sie auch. Könnte noch mehr Gutes anbringen.
Habe auch viel mit anderen ehemals Kriegsteilnehmenden gesprochen damals. Mir von einem ehemaligen Soldaten viele Tränen in den Schoß heulen lassen ... in Kneipen mit alten Männern am Tresen gesessen und zugehört. Begreifen - tu ich vieles erst besser - seit ich sehe, was aktuell und in unserer Zeit geschieht. Nach dem 11. September 2001 sagte ich gar zu meiner Mutter "Weißt Du - wir alle heute sind überhaupt nicht besser als ihr damals - vielleicht sogar noch schlimmer, denn niemand von uns kann schließlich noch guten Gewissens sagen, er/sie habe von nichts gewußt." Und die Regression des Vaters vorm Sterben hat mich auch einiges gelehrt einst.

Jetzt aber - bin ich dran. Es geht nicht mehr um den Clan. Sondern um die Lösung von dem, was bei mir noch wabert.
Ich bin zutiefst überzeugt davon - daß alles, was ich für mich lösen kann - auch für den Clan mitgelöst wird.
Manchmal kommen sie halt im Traum auf Besuch - und teilen mir was mit. Dürfen sie auch.
Manchmal (oft ...) sitzen sie gar alle auf der anderen Seite zusammen in immer geselliger Runde - und applaudieren kurz - bevor sie weiter Karten spielen ...

Wenn ich nochwas für mich zu lösen habe - so hat das schon lange nichts mehr mit ihnen zu tun. Mit ihnen allen - bin ich versöhnt. Und das ist wirklich gut so. Das Wichtigste, was mit dem Vater und der Mutter zu sagen war einst - ist auch gesagt worden, noch zu Lebzeiten. Abgekürzt könnte das etwa heißen: Die Liebe war da - trotz allem, was das Leben sonst noch so mit sich gebracht hat. Wenn ein Mensch darum weiß, wenn ein Anderer geht - so ist das ein Segen.
Es gilt also - für mich - nicht mehr die Anderen verstehen zu wollen, sondern mich selbst zu ergründen.
Zum Kollektiven und so .... ich glaube dennoch, daß mir als direkte Nachfahrin eine "Blutsverdünnung" zu den Enkeln hin fehlt ... der Übersprung ist anders. Und mein Verhältnis zu den Eltern war anders - als daß derer mit jüngeren Eltern. Habe mir nie jüngere Eltern gewünscht.
Sodele - das fiel mir alles gerade noch ein zum "Verstehen".
Ich könnte auch pathetisch sagen:
Liebe versteht am Ende alles.
Amen, Sati

Sati hat gesagt…

@ MM - Tausend Dank für den Pluto! Mit dem bin seit gestern sehr beschäftigt ..... also nicht erst seit gestern, aber aufgrund Deiner Eingabe - anders.
Und der Herr Jung hilft auch - mich im großen Bildersaal umzuschauen ... ganz langsam - und behutsam. Eine große Schatzkiste - die Du mir da angetragen hast vor wenigen Monden. Der Deckel weit offen ...
aber diesmal ist was anders: Statt wild drin herumzuwühlen - nehme ich immer nur eine Münze heraus und drehe sie langsam um.
An Pluto - habe ich mich oft auf schnellste Weise vorbeischleichen wollen - fiel mir dann heute morgen noch dazu ein, u.a. - aber der ist ja nicht blöd, hat´s jedesmal gemerkt. Und pfeift mich zurück - in den Bildersaal ....
Soviel hier - mit seelenwasserhaltigem Gruß zu Dir, Sati