Pünktlich heute morgen nach Anwerfen der Limousine fängt´s an zu schneien. Und ich rutsche also erst mal so durch den Tag .... mit Hinterradantrieb und Automatik-Getriebe läßt es sich wirklich leicht rutschen. Mindestens zweimal heute habe ich Glück, nicht abzuschmieren und gegen andere Autos zu prallen. Danke dafür ...
Einmal - komme ich während viermal Grün an der Ampel überhaupt nicht vorwärts mit diesem schweren, rutschenden Blechkoloss. Er bleibt einfach stehen - und wedelt nur bedenklich mit dem Heck. Erstaunlich geduldig heute die meisten Mitmenschen. Immerhin!
Zum pünktlichen Schneefall lande ich am Morgen an der Peripherie - kein Räumdienst weit und breit - nur Glatteis. Bekomme einen Auftrag - mit 4 Kilometer Anfahrt - für mal eben um die Ecke. Unterhalte mich kurz mit dem Briefträger vor der Haustür der Kundin. Die kommt gleich - hatte gar nicht damit gerechnet, daß überhaupt ein Taxi kommt bei dem Wetter. Der Briefträger muß heute kämpfen. Ebenso die vielen DPD-Fahrer. Ich denke: Das ist mein Pluspunkt - ich könnte jetzt auch mal eben einen Kaffee trinken gehen, wenn ich wollte. Habe nicht die Tasche oder den Wagen voller Pakete und voller "Auslieferungsdruck".
Als die alte Dame endlich eingestiegen ist - komme ich wieder nicht aus der Spur mit dem Koloss. Nehme Anlauf über den Rückwärtsgang, so geht´s dann endlich. Neben mir wollen Unkenrufe ertönen - ich unterbinde diese heute sehr streng. Sage es genauso: Sie möge bitte erst gar nichts verschreien - das könne ich gerade überhaupt nicht brauchen. Sie weiß nicht mal die Adresse, wo sie hin will. Zu dem Zahnarzt im Nachbarstadtteil - da, wo die Apotheke ist. Jaja - is klar .... ein wertvoller, sachdienlicher Hinweis ... vermelde ihr also: Ich kenne ganz sicher nicht alle Ärzte mit Apotheke im Haus in der ganzen Stadt. Sie kennt den Weg. Und hält ansonsten die Klappe. Hat´s verstanden - heute braucht´s mal Ruhe im Karton beim Fahren - muß die Eisplatten sichten.
Auch sie - gibt ein fürstliches Trinkgeld heute - wie viele - die sich wohl für sich denken, daß sie gerade meinen Job nicht wirklich haben möchten.
Fahre dann am frühen Vormittag mit 40 in Kolonne über die Autobahn zurück in Kolonie, raus aus den Randgebieten, in der Hoffnung, daß dort der Straßendienst in diesem Jahr mal funktioniert. Die Silos mit Salz sollten ja noch prallvoll sein vom Vorjahr. Bis zum nachmittag - geht´s ganz gut. Bis auf ein paar weitere Rutscher.
Am Nachmittag dann eine eigentlich feine Botenfahrt - es geht nach auswärts. Heute aber - nicht so spaßig, weil ich für 20 km hin und zurück zweieinhalb Stunden unterwegs bin, stop and go, Stau auf der vereisten Rheinbrücke - bei frischem Dickschneeflockenfall. Immerhin eine Botenfahrt - fahre wirklich lieber alleine über´s Eis - als mit eiligen oder unkenden Gestalten.
Komme anschließend gut und heil an meiner Privatlimousine an und schaufel die mit einem Besen frei - nochmal 20 km Autobahn .... und hier darf ich staunen: Auf dem Berg, den ich noch zu nehmen habe, bevor ich rausfahre, ist es arschglatt und haut mich fast weg - trotz Vorderradantrieb. Hui ..... Hinter mir hupt einer blöde - aber heute habe ich mich noch von niemanden wirklich aus der Ruhe bringen lassen. Als ich hier den Mietvertrag unterschrieben habe - fragte ich noch den Vermieter "Wat für´n Berg?" - als der mir schon sowas erzählte .... jetzt weiß ich, was er meinte.
Geflucht habe ich - über einige "Weltmeister" - aber das muß auch sein, zwecks Druckausgleich. Und immer wieder - Wirbelsäule entspannen, beatmen. Als ich zuhause bin - war ich locker 4 Stunden nicht mehr meine Blase leeren. Die - ist trainiert nach vielen Monden. Morgen - stelle ich früher ab .... verspreche ich mir.
Eigentlich - schön die weiße Landschaft. Nicht in der Kolonie - da ist ja nur Matsche. Aber sonst doch.
Und manchmal sogar schön, dadurch zu fahren - nur nicht, wenn soviel anderes Blech neben einem ist.
Tageslicht hilft natürlich beim Manövrieren - dachte heute oft an die Nachtschicht .... und wünschte gute Fahrt.
Funk- und Fahrerausweis auch noch besorgt zwischendurch - alle Papiere wieder da. Sogar auf ein offenes Ohr gestoßen, welches von sich aus ein Interesse bekundete - mal die Kollegen und Kolleginnen besser zu informieren, wie leicht die Limousinen mittlerweile geknackt werden .... Ja, ich mache noch ein paar Hausaufgaben - und gebe das schriftlich rein. Auch nochmal zu meiner Anzeige und an die Hotelleitung am Halteplatz.
Insgesamt - ein recht warmherziger Tag. Das ist doch schon mal was!
Vielleicht sollte der Herr Oberbürgermeister aus München mal einen Tag lang mitfahren ....
Oder selbst fahren - damit er am Abend zu müde ist, seine Empfehlungen zur "Kaltherzigkeit" abzulassen.
Hier meine - immer wieder wiederholte Empfehlung: Erst mal ein schönes, ausgiebig langes Praktikum auf Hartz IV und in Niedrig-Lohn- und Knochenjobs machen - bevor mensch auch nur in irgendeiner Weise die Schnauze dazu aufreißt! Ich weiß heute abend ganz gut - was viele Leute den ganzen Tag über getan haben.
2 Kommentare:
ich bin dafür "Erst mal ein schönes, ausgiebig langes Praktikum auf Hartz IV und in Niedrig-Lohn- und Knochenjobs machen - bevor mensch auch nur in irgendeiner Weise die Schnauze dazu aufreißt!"
aber es hätte nur dann echt Sinn, wenn man ihnen in der Zwischenzeit auch ihr wärmendes Polster wegnähme.
Das hält doch selbst ein Politiker durch, medienwirksam ein Jahr Hartz, um dann wieder in die weichen Kissen zu fallen.
Ich fürchte, die Klugscheisserei wäre dann noch g r ö ß e r!
Hartz muss weg.
BGE muss her.
Das aber wollen selbst ansonsten sozial denkende Mitmenschen nicht, stelle ich immer wieder fest.
Als nähme man ihnen was weg. Der Penner soll gefälligst arbeiten, der Bettler auf der Straße soll arbeiten, ich hatte es auch nicht leicht...blablabla. Das finde ich immer besonders unappetitlich: ich hatte es auch nicht leicht.
Menschen machen ihr eigenes Schicksal gern zum Maß aller Dinge.
Ist ja auch zunächst, zur Orientierung nicht schlecht, woran soll mensch sich sonst orientieren, aber dann ein "Gesetz" draus machen?
@ich will
Das ist der Schlüsselsatz.
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"...Menschen machen ihr eigenes Schicksal gern zum Maß aller Dinge...."
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Die "soziale Schminke" verschmiert immer mehr. Und die abblätternden "Masken" fallen zusehends....
Ich bin - trotz einiger derartiger Erfahrungen in der Vergangenheit - doch immer wieder erstaunt, dass selbst jahrelange "aufklärende Gespräche" mit Menschen, von denen man annahm, sie seien "echt interessierte" und "ähnlich denkende Freunde", absolut nichts gebracht haben....
Nach dem frei erfundenen Motto:
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"...Die allermeisten Menschen haben sich absolut NICHTS zu sagen. DAS aber dafür mit äußerster VEHEMENZ..."
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LG
Astrophil
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