... die Türen meiner Privatlimousine lassen sich nicht öffnen am Morgen bei Minus 7 Grad ... alles zugefroren. Werkzeug - drinnen. Ahja - gut - das Heck läßt sich öffnen, ohne gleich die Griffe abzureißen. Habe also schon mal Werkzeug - zum Aufhebeln einer Tür. Vorsichtig natürlich - dieses gute Auto muß auch gut behandelt werden. Von dort aus arbeite ich mich weiter von innen nach außen vor. Viel Eis kratzen - innen wie außen. Am Morgen - noch alles sehr glatt - dann aber kommt die Sonne und sorgt für Segen auf den Wegen - gemeinsam mit dem Straßendienst, den ich immer bejuble, wenn er mal wieder an mir vorbeirauscht. Die Leute in der Kolonie heute - erstaunlich und erfreulich vernünftig, sehr viele lassen ihre Autos stehen. Geht doch. Ich erwische gute Fahrten - unsere Zunft und ihre Dienste sind nach Langem mal wieder gefragt. Warne meine Kundschaft vor - daß ich in den vereisten Nebenstraßen nur langsam vorankomme - aber alle sind geduldig. Sogar die Romani ... die manchmal etwas hitziger gepolt sind vom Temperament als die hiesige Mentalität. Heute denke ich mir - bei solchem Temperament können wenigstens die Scheiben nicht von innen beschlagen - die Sprache klingt für mich immer sehr "hitzig". Und sehr interessant .... obwohl ich kein Wort verstehe.
Ein Wiener steigt ein - er will zum Flughafen - und fragt mich sofort aus heiterem Himmel "Waren Sie mal schon in Wien?" Ne - bislang nicht. "Da müssen Sie unbedingt hin". Aha?! Lasse mir am Ende der Fahrt nach seiner Unterschrift für den Kreditkarten-Beleg noch einen "Geheimtip" geben - und denke - schreib doch mal einen Reiseführer mit bunt-gesammelten "Geheimtips" der Taxikunden ..... das würde ein schönes Chaos werden. Und eine abwechslungsreiche Reise.
Fange meine Folgeaufträge zum Teil noch im "Anflug" - so soll es sein. Die Hauptstraßen sind gut befahrbar heute. Habe wirklich durchweg nette und teils sogar sehr unterhaltsame Gäste. Hier hervorzuheben - ein älteres, kölsches Urgstein, ein sehr warmherziger Opa - mit seinem Enkel unterwegs - dieser wohnt weit weg und ist gerade zu Besuch. Sie freuen sich schon - wieder bei der "Oma" anzulanden .... und einen von ihr bereiteten warmen, guten Kaffee geniessen zu dürfen. Ich unterhalte mich mit dem "Opa" über einstige Freiheiten - die wir als Kinder unsererseits noch geniessen dirften. Der Mann - hat bis heute kein "Handy" - weil er diesen Geschmsck von Freiheit erst gar nicht missen möchte. Er ist etwa eine Generation älter als ich ... und wir haben erstaunlich viel gemeinsam.
Bin selbst - etwas redseliger als in den letzten Tagen - trotzdem ich eine gewisse Heiserkeit verspüre, wenn ich es damit überstrapaziere. Achte also - auf ein gutes Maß. Zuhören ist übrigens ohnehin meist interessanter und lehrreicher - als selbst das immer gleiche, dumme Zeug zu erzählen.
Eine sehr schöne, natürliche (vielleicht gerade deshalb?!) junge Frau steigt ein - sie möchte zu einer Wohnungsbesichtigung. Hat einen gewissen Druck, etwas Neues, Passendes zu finden. Und ist gerade ein wenig gestreßt - weil sie als Verkäüferin im Weihnachtswahnsinn tätig ist. Mein Beileid .... Ob ich wohl auf sie warten könne dort - sie müsse wieder zurück. Und wieviel das kostet - wenn die Uhr weiterläuft. Gute Frage! Ich meine - das kostet wohl soundsoviel Euro die Stunde - und wir kommen gerade beide nicht drauf, wieviel das dann in soundsoviel Minuten ist .... Blackout im Doppel! Wir haben zwar beide richtig geraten - aber dennoch kam es uns beiden absurd vor. Ich sage ihr - sie soll mal gehen - ich lasse etwa zwei Euro weiterlaufen - und halte die Uhr dann an. Ok. Sie kommt zurück - von der Besichtigung eines 23 Quadratmeter-Knastes für über 500 Euro - wir sind uns einig, daß das "Scheiße" ist. Ich meine - aus echter Erfabrung "Da - kommt was Besseres!" Erzähle ihr
- wie ich an meine beiden letzten Wohnungen gekommen bin - reibungs- und mühelos - wie geölt. Wenn der Zeitpunkt paßt - dann paßt alles Andere auch. Sie weiß das - freut sich aber dennoch über eine kurzfristige Ermutigung und bedankt sich gar - für die "therapeutische Unterstützung und den Aufbau". Sagt es so - explizit - "Taxifahrerin und Therapeutin" - und bedankt sich nochmal. Ich freue mich - daß sie mich heiter verläßt. Und staune darüber - wie leicht eigentlich "therapeutische Unterstützung" ist ..... Denke - wieder mal - an die ursprüngliche Bedeutung von "Therapeut" - das hieß wohl einst mal - nicht mehr und nicht weniger - als "Freund". Und es ist wirklich einfach - manchmal - sich gegenseitig schlicht freundlich zu begegnen. Hörtr in der Vergangenheit beispielsweise auch schon oft etwas wie "Vielen Dank - für Ihre Freundlichkeit." Und bedankte mich ebenso manches Mal - für "freundliche Gesellschaft" in der Limousine. Soviel - zu "Therapie" ..... jenseits von Anmaßung.
Fahre nochmal kurz eine ebenfalls freundliche Damae zum Bahnhof - und staune, daß der quasi taxenfrei ist. Stelle mich kurz hin - habe eine Vorbestellung mit meiner "persönlichen Glücksschweinschenkerin" in Kürze .... aber das sollte noch passen. Paßt perfekt - die vier Kolonie-abenteuerlustigen jungen Damen - müssen in meine Richtung. Ja - von da aus kann man problemlos alles zu Fuß erlaufen - es ist sehr zentral. Und der neue "schwul-lesbische Bonbón-Weihnachtsmarkt" ist direkt um die Ecke .... (bin ich froh, daß ich abends ins Niemandsland fahre!).
Feiner Halt für meine Blase - hallelujah.
Fahre dann - zu meiner letzten Tour für heute. Zu "meiner Glücksschweinbringerin" .... eigentlich will sie heute hin- und zurück mit mir, aber ich habe "zurück" gestrichen" - gebe mir selbst früher frei heute. Stehe schon eine Viertelstunde früher vor ihrer Tür - und versuche, ihr das telefonisch zu übermitteln - so sie möchte. Niemand am Apparat. Letzte Woche - hat sie meine Kollegin ein wenig draufgesetzt mit einem Termin - obwohl auch das sich noch wieder zum Guten gewendet hatte. Heute - denke ich kurz nach Verstreichen unserer Verabredung - ok - es ist halt nicht "kalkulierbar" mit ihr. Vielleicht - ist sie eingeschlafen .... aber sie kommt doch noch. Mit diesem Lächeln, welches ich so gerne mag. Ohne Rollator - hallelujah! Nur mit der einen Krücke .... für den Fall Und natürlich mit einem prall gefüllten "Nikolaussack" für den behinderten Sohn - zu dessen Nikolausfeier im Heim ich sie fahren werde. Wie neulich gespostet - der Blinde stützt sich auf den Lahmen - inmitten all der normal-Irren.
Sie ist eine sehr kommunikative Frau - und wechselt zwischendurch die "Ebenen" - hinterläßt mich imer wieder mit vielen Fragezeichen. Manchmal - duzt sie mich - dann sagt sie wieder "Sie". Einmal erstaunt sie mich - mit Kultur - dann wieder mit leichtem paranoidem Gebaren ..... Ich denke - ich habe es mit mehreren Persönlichkeitsschichten zu tun, die sprunghaft wechseln. Unser Einverständnis besteht wohl darin - daß es genauso ist, wie es ist.
Sie überrascht mich immer wieder mit einer Ebene - auf der sie auch viele Einzelheiten erinnert - und dann driftet sie ganz woanders hin. Heute - hat sie mich wieder reichlich beschenkt. Der Kollege neulich auf der Rüclfahrt - bei der sie dachte, sie hätte mich "versetzt" - hatte ihr nur ein Drittel der Fahrtkosten auf dem Rückweg berechnet (muß eine Art Taxi-Engel sein ...) - und sie schenkte mir heute das Geld, welches dieser ihr gar nicht abgenommen hatte. Ich nahm es gerne an - sie hat irgendwo ihre Unterstützer. Und sie gibt mir Rätsel auf. Über das Leben und seine seltsamen Wege. Darüber - wieviele Leben ein Mensch lebt - vielleicht sogar in einem einzigen.
Verstehen werde ich das alles nicht - aber ich mag die. So einfach ist das.
Nehme noch ein paar Briefe von ihr mit und verspreche, die in einen Kasten zu werfen - fahre extra einen viel-geleerten Briefkasten am Halteplatz an - bevor ich abstellen will. Ein Kunde steht dort - ich winke ab. Frage ihn dann doch noch ganz kurz - wo er denn hin will - es ist kalt draußen. Um die Ecke quasi. Gut - dann steigen Sie ein. Der bringt mich noch exakt zum Supermarkt - wo ich eh noch was zu holen gehabt hätte - und läßt mich noch ein paar sehr nasse Tränen lachen - mit selten-trockenem-kölschem Humor.
Komme heute abend - ohne Rutschen gut über den Berg ....
Und finde - manchmal! - die Menschenwelt geradezu rührend und zauberhaft.
3 Kommentare:
Bevölkerungsaustausch ?
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"...Ein Wiener steigt ein - er will zum Flughafen - und fragt mich sofort aus heiterem Himmel "Waren Sie mal schon in Wien?"..."
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Ich sah mir ja gestern nochmals/ letztmals das "Herr der Ringe" - Triple Feature an. Diesmal erstmals (gab es bisher noch nicht !)in "ungekürzter Fassung". Da sah man wieder einmal, wieviel "gute Dialoge" zugunsten von blutigen "Schlachtenszenen" im Normalfilm nicht gebracht worden waren...
Erstaunlich waren die vielen jungen Leute (ich war sicher der "Älteste"), die sich während der immerhin 12,5 Stunden dauernden Gesamtvorstellung ruhig, diszipliniert & interessiert zusehend verhalten haben.
Nur in den Pausen ging es sofort los. Mit den "Handys" & "Smartphones". Blinklichter des Irrsinns ?. Die haben doch tatsächlich die relativ kurzen Unterbrechungen dazu benützt, neue "Apps" herunterzuladen. Oder auf Facebook zu lesen/ schreiben. Oder gar "Minispiele" zu spielen...
Das netteste Erlebnis hatte ich im überfüllten "Raucher - Glaskasten - Kaffeegefängnis". Eine jungen Dame aus Nürnberg, die mit ihren Eltern auf "Mutter - Geburtstags - Wien - Geschenksbesuch" war, kam nach einigen freundlichen Blicken aus dem Nichtraucherbereich (halbleer !) zu mir an den Tisch und fragte mich, ob sie sich dazusetzen dürfe.
Es war ein wirklich angenehmes und sehr nettes Kurzgespräch. Und sie sagte mir, dass es in der BRD so etwas wie hier (Raucherbereich) gar nicht mehr gäbe....
Ihre Mutter hatte Geburtstag und sie hätten als ganz besondere Überraschung Karten für Sonntag im Theater. Für das Musical "Elisabeth". Wobei ihr persönlich das Lied "der letzte Tanz" ganz besonders gut gefiele...
Nach dem "Monster - Film - Event" beschloss ich - nach Jahren erstmals wieder - ein Taxi für die Heimfahrt zu nutzen. Denn mit dem eigenen Auto hätte ich um 1.30 Uhr keinerlei Chancen gehabt, einen Parkplatz in der Nähe meiner Wohnung zu finden. War also eine rein pragmatische Entscheidung.
Der Fahrer war froh, eine ruhige Nachtfuhr um 24 EUR zu erhalten. Und von der "Event - Disco" (in der Nähe des Kinos) wegzukommen. Dort gab es nämlich schon wieder Krawalle. Mit 4 Polizeiautos und einem Krankenwagen....
Und mit wehmütiger Stimme erzählte er mir ein wenig aus seinem Leben. Er stamme aus Ankara und sei eigentlich ein "Gemeindebediensteter". Ein Gärtner !. Würde aber im Winter entlassen. Und müsse durch Taxifahren seine Familie über die Runden bringen....
Insgesamt ein sehr angenehmer erlebnisreicher Tag. Und doch bin ich froh, heute wieder "in Klausur" zu sein...
Liebe Grüße
Astrophil
12 Stunden Kino - ja, servus!
"Blinklichter des Irrsinns" - was für ein schöner Titel für ..... viele Optionen. Ich möchte keine App. Brauche bis heute keine - und so darf es bleiben.
Glaube ich gerne, daß der Kollege aus Ankara gerne wegfuhr aus dem Kochtopf - mit angenehmer Kundschaft. Als Nachtschicht - muß man wirklich gut aufpassen, Menschenfreund zu bleiben. Ob als Taxista, Polizist oder RettungsdienstlerIn ...
Der Wiener gestern - telefonierte noch kurz mit seinen Leuten und verfiel in diesen typischen Weaner-Charme-Schmäh .... köstlich.
Angenehme Klausur wünsche ich, Sati
"...12 Stunden Kino - ja, servus!..."
Ja. Trotz mehrfach schon Gesehenem spannend und kurzweilig. Mit wieder "neuen Facetten"...
Würde mich auch als "Cineast" bezeichnen. Ging schon während der Schulzeit - anstatt ins elterlich gewünschte Basketballtraining - lieber ins Kino. Oftmals 2 Vorstellungen hintereinander. Zum Beispiel "König Salomons Diamanten" & "Watussi"..;-))
Und seinerzeit gab es - anstatt 3 mal pro Woche rasant blöde "Blockbusters" - noch richtige "Film - Events".
Beispielsweise die glanzvolle Premiere von "Lawrence von Arabien" (der dann 4 Monate am Spielplan war !). Da servierten noch Kellner in "arabisch- türkisch - englischen Kostümen" sowie "Krummsäbeln & Pistolenatrappen" Sekt, Kaviar und Brötchen. Vor Beginn und in der langen Pause.
Alles Zeiten, die längst vorbei sind. Aber doch in schöner Erinnerung...
Astrophil
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