.... haha. Neuerdings bin ich manchmal allein im Haus und kann Krach machen. Also lasse ich nach laaanger Zeit mal wieder die Hände mit den Conga-Fellen spielen. Stelle fest - gelernt bleibt gelernt und verlernt sich nicht.
Und bemerke überrrascht - im Grunde habe ich ja die ganze Zeit still gespielt, also nie aufgehört. Oder so: "Ich" habe noch nie gespielt - das wird alles von woanders gespielt. Einfach so - fallen einem die Rhythmen in die einst über viele Stunden geübten Hände. Gespeist und herübergereicht - von diesem "göttlichen Kanal" - den noch nie jemand gefunden hat und der doch da ist.
Am Morgen im Bett plötzlich dieser Gedanke: "Was - wenn Du 120 wirst?"
Huch ... sowas habe ich noch nie gedacht. Wie vermutlich bei den meisten hat es immer gedacht - naja, vielleicht wirst Du mal 70 oder sogar 80 .... Manchmal habe ich auch gedacht, ich werde eh nicht mehr viel älter als jetzt gerade. Aber 120 - ist neu. Das wäre schon lang. Ja - und was willst Du solange tun? Gute Frage!
Als allererstes - mal die ganzen Gedankenknoten der vergangenen 50 Jahre weiter lösen - von Papageien Gelerntes geduldig wieder verwerfen. Konditonierungen weiterhin Stück für Stück abtragen und zurücksenden an die Absender. Immerhin habe ich jetzt fast fünfzig Jahre lang - an kompletten Unsinn geglaubt. An das ganze Zeugs, an das alle Dressierten glauben. Wie die Welt sei - und was ein mensch so alles zu tun und zu lassen hätte.
Wie ein ganz normales Leben so vonstatten geht .... Kindheit, Jugend, Erwachsensein - viel Arbeit - und irgendwann alt und siech werden. Heute steht ja für die meisten gleich "Krebs" oder "Alzheimer" mit auf dem Programmzettel - und gilt als ganz normal.
Fast alles, was als ganz normal gilt - macht wenig Spaß. Davon nochmal 70 Jahre - machen auch keinen Spaß. Da muß was Anderes her. Das bisher Gelernte taugt gar nicht zum Altwerden.
Altwerden kann mensch nur - wenn er verrückt genug ist. Wenn er sich die Welt anders erschafft - als sie angeblich ist.
Fast erschreckend - so ein Gedanke - womöglich richtig alt zu werden.
Irgendwo hörte ich neulich - mit 50 fange das Leben erst richtig an. Hmmhh ... Habe drüber nachgedacht und bemerkt - es steckt was Wahres drin. Es dauert lange, aus dem Kindergartenalter herauszuwachsen - jedenfalls bei mir. Im Kindergarten gibt es noch viele fremde Autoritäten, die einem ständig erzählen wollen, wo es lang gehen soll. Was man lernen soll - was man alles bräuchte - und daß man für alles ein Zertifikat benötigt, welches einem nur Andere ausstellen können, die viel Ahnung haben von dem Schrott, den niemand braucht.
Man soll Lehranstalten besuchen und lauter unnötiges Zeug lernen - welches niemanden wirklich interessiert. Damit mal was aus einem wird. Kaum jemand hinterfragt die Sinnhaftigkeit von all den vorgegebenen Ideen. Und die Sinnhaftgkeit von dem - was allgemein als "Bildung" gilt. Im Kindergarten geht es nur darum - daß alle gut funktionieren und sich einfügen in eine Welt, die völlig auf dem Kopf steht. Nach ein paar Jahren stellt mensch vielleicht fest - daß Funktionieren keinen rechten Spaß macht - und das Leben viel zu schade ist dafür. Das das "Gelernte" - ungeprüft Übernommene - keinen echten Wert hat. Das Kästchen ist so eng geworden, daß manchmal die scheinbar harte Schädeldecke einfach zerbersten möchte.
Und jetzt - sagt das erlernte Programm - Du bist zu alt, um immer wieder neu zu beginnen. Zu alt - zum Lernen. Dein Körper wird das auch nicht lange mitmachen wollen .....
Keinen dieser Sätze - habe ich mir je selbst ausgedacht - und doch trage ich sie mit mir herum. Und noch viel mehr solchen Unsinn aus dem "Lebens-Kindergarten".
Ganz oben auf einer Liste der vielen Absurditäten stehen solche Begriffe wie "Arbeitsmarkt (früher: Sklavenmarkt)", "Gesellschaft", "Allgemein-Bildung", "Bildungssystem" u.v.m. ....
Alt werden kann nur jemand, der mutig ist und entschlossen - keinerlei Unsinn mehr zu glauben.
Ich hätte also gute Chancen ....
Ob ich das möchte oder nicht - spielt glücklicherweise keine Rolle. Wurde alles bereits mit meiner Geburt beschlossen. Es ist also keinerlei Entscheidung erforderlich. Und nirgendwo gibt es ein Amt - bei dem mensch Erkundigungen einholen könnte, wie lange es denn genau noch dauern wird.. Es bleibt - offen.
Verrückt ist diese Todesangst - und jede Angst ist im Kern nur diese eine. Wider besseren Wissens, daß dies die einzige Gewißheit ist im Leben - daß irgendwann der Tod eintritt. Von Geburt an - wird gestorben. Täglich.
Gut - soweit. Noch schrecklicher wäre die Vorstellung - daß es nicht so sei. Kenne (bisher) niemanden, der ewig leben möchte. Ich auch nicht.
Im Kern kann mensch das Leben nur völlig paradox leben. Mit entgegengesetzten Sehnsüchten - die einen manchmal zerreissen wollen. Jenseits von Verstand, Logik, Moral und lauter solchem Zeugs - welches zur Welt gehört und sich in dieser ständig wandelt.
Jetzt also - wo ich endlich aus dem Kindergarten herauskomme - bleibt mir eigentlich nur - verrückt zu werden.
Im guten Sinne. Nur völlig Verrückte schaffen es - alt zu werden.
Die Jahre des mühelos-fleißigen Übens (viel Üben = viel Spaß!) und geradezu gierigen, ekstatischen Spielens einst - auf den Trommeln - waren das allerbeste im Lebens-Kindergarten. Auch wenn es mich heute nicht mehr packt, viele Stunden am Stück und exzessiv zu spielen - so reichen wenige Minuten, in denen ich einfach meine Hände zur Verfügung stelle - und staune, was da so kommen will. Von mir hier, also aus der Welt - kommt das nicht. Manchmal habe ich den Eindruck - da spielt ein ganzes Rudel mir nicht persönlich bekannter Ahnen. Und sie spielen gerne mit meinen Händen - weil ich einfach so gerne aus dem Weg gehe und es als eine Art "zelebriertes Gebet" feiere.
Klingt pathetisch, kitschig und dünn. Hoffentlich - klingt es wenigstens verrückt.
Sogar meine einstige Erzeugerin hat seinerzeit gemerkt: Dagegen kann man nichts machen. "Das Kind" - kann nicht anders. Und sie wurde plötzlich weich und durchlässig - und schenkte mir noch mehr Instrumente zu den vielen, die ich doch schon hatte. Sie drehte sich - manches Mal - um etwa 180 Grad. Und soweit ich weiß - hat sie mich nie spielen gehört. Also - dieses oben erwähnte Ahnenrudel ....
Aus dem Kindergarten kommend - muß ich auch feststellen - man kann nichts, gar nichts behalten im Leben. Schon gar nicht Begeisterung. Sie gehört einem einfach nicht. Aber man kann sich erinnern - und sie wertschätzen. Wissen, daß mit Begeisterung fast alles möglich ist. Mühelos.
Denke - jeder Mensch, der über Musik betet oder Bilder malt ... weiß das.
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