Dienstag, 11. März 2014

Wenn einer 18,5 Millionen Steuern nicht bezahlen will ...

... dann scheint er mir doch unter bedauernswertem Mangeldenken zu leiden. Mein Mitgefühl also - für den Herrn Hoeneß! Ehrlich.

Ich meine - der Mann hatte ja keine finanzielle Not - wie soviele andere Menschen auf diesem Planeten Tag für Tag. Er hatte sicher einige schöne Häuser und vermutlich auch ein paar Autos. Obdach und Mobilität also kein Problem für ihn. Und zu essen, zu trinken, Kleidung und was mensch sonst noch so braucht - hatte er doch auch genug.
Wenn er einfach - widerwillig - seine Steuern bezahlt hätte, wäre sogar noch ein "passables Taschengeld" für ihn übrig gewesen.

Was da so verächtlich-niedlich "Zocken" genannt wird - ist das, was viele Menschen an den Rand oder gleich Abgrund ihrer Existenzen bringt. Wo gibt´s die meiste Kohle zu gewinnen? Mit tödlichen Spekulationen auf das zunehmende Elend anderer Leute.
Rüstung, Pharma, Gentechnik, Landrobbing .... ich nehme mal an, daß der Uli H. nicht mit nachhaltig sinnstiftenden  "Papieren"  spekuliert und/oder in solche Projekte investiert hat. Und er sagt ja selbst - daß er schon gar nicht rational vorgegangen ist. Sondern den Überblick verloren hatte. Spielsucht eben - simpel.

Die wenigen Bilder, die ich gestern sah - auf denen er mit seinem elektronischen Börsenticker zu sehen ist - sprechen für sich selbst: Ein Spielsüchtiger, mit verkniffenem Gesicht und Schweißperlen auf der Stirn.
Mitgefühl für den Menschen wäre hier also gar nicht verkehrt - wenn solche Leute nicht so gefährlich wären - für ganze Massen anderer Menschen auf dem Planeten! Und er ist ja nur einer - von Vielen - die auf diese Weise mit den Leben ihrer Mitmenschen "spielen" = "zocken".

Ein paar Berufszocker sollen sich ja inzwischen schon das Leben genommen haben. Vielleicht ist ihnen ja in einem lichten Moment klar geworden - was da so alles dranhängt an ihrer Spielsucht.  Also an Blut. Und das ist nicht polemisch oder symbolisch gemeint - sondern literal.
Ein US-Investment-Fond-Alphatier spricht es in Erwin Wagenhofer´s formidabler Dokumentation "We make money" deutlich aus: Wir machen die besten Geschäfte, wenn viel Blut auf den Straßen fließt (sinngemäß memoriert).

Ich will den Herrn Hoeneß gar nicht im Knast sehen - er ist mir einfach egal. Ich finde es nur psychologisch sehr bezeichnend - wie solche Leute ticken. Und wie "die Gesellschaft" und/oder "der (nicht-legitimierte) Staat (ohne eigene Verfassung)" tickt. Wie immer wieder mit vielerlei Maß gemessen wird.
Zusammenfassung: Es gibt keine "Gerechtigkeit" - also gemäß "gleiches Recht für alle" - das ist ein schöner Kindertraum.
Die hysterischen "Diskussionen" - ob er denn nun in den Knast soll oder lieber nicht, weil der Verein ihn braucht - sind ein zarter Hinweis darauf.

Im kollektiven Nicht-Verstand hat sich die seit vielen Jahren ausgegebene Parole "Too big to fail" schon gut eingenistet. Auch der Herr H. - gehört ja irgendwie zum Club dieser, die nicht mehr fallen können sollen. Und wie geschruben - wegen mir braucht er das auch gar nicht. Ich vergebe ihm .... wenn er sich läutert, also für sich selbst - denn ich finde, er denkt und lebt ungesund. Nicht, daß ich es besser könnte - deshalb brauche ich ja auch kein Urteil fällen. Aber ich glaube - es würde ihm beser gehen, wenn er mal runter käme von eine allzu hohen Roß.
Und auch den vielen anderen "Zockern" ginge es wohl besser, wenn sie mal nicht mehr mit Milliarden an den Börsen zocken würden - die es gar nicht gibt, die aber doch so deutliche Konsequenzen zeitigen auf dem Planeten.

Was ich dem Herrn H. allerdings ankreide - ist seine Überheblichkeit.
Jemand, der fetter als jede Made im Speck gelebt hat - sollte nicht solche Menschen beschimpfen, die täglich Sorge um ihr mageres Auskommen haben. Schon gar nicht als "Sozialschmarotzer".

"Sozialschmarotzer" sind nämlich genau die - die schlicht viel zuviel Geld "verdienen" - was sie gar nicht verdienen. Ich würde die auch eher "Sozialparasiten" nennen - blutsaugende Zecken, die sich vollpumpen, bis sie platzen. Und nichts gegen Zecken - die können nämlich nicht anders. Menschen haben aber schon eine gewisse Unterscheidungsfähgikeit - dachte ich mal früher.

Was mich also ankotzt, nicht nur bei dem, an dem gerade ein seltsames Exempel statuiert wird - ist die Arroganz, mit der sie von oben herabschauen, diese abgrundtiefe Verachtung für all die Menschen, die täglich dafür sorgen, daß Abläufe funktionieren - also wieder mal Müllwerker, Pflegekräfte, VerkäuferInnen etc. pp. 
Und alle, für die schlicht keine echte Arbeit mehr da ist - bzw. solche, von der es sich auch leben läßt - die rausgekickt wurden, weil Abläufe automatisiert werden - alle die sind ebenso zu respektieren und schuld- und schuldenfrei zu sprechen! Sie sind nämlich nicht freiwillig aus dem "System" gefallen.

Was mich noch mehr erzürnt - ist, daß der Wurstverkäufer sich selbst als "Leistungsträger" bezeichnet. Was ist denn seine Leistung? Selbst - wenn es eine solche gäbe - liegt doch die Krankheit des "Systems" darin - wenige Leute irrsinnig überzubezahlen - und anderen keine 5 Euro mehr im Monate zuzugestehen.
Aber auch hier - ist der Wurtsverkäufer nicht alleine.
Viele andere, die sich selbst als "Leistungsträger" bezeichnen - sollten dringend mal ein Praktikum auf Hartz IV absolvieren. Nach ein paar Monden würden sie vielleicht anders denken.

Dieses Schauspiel um den Herrn H. - ist für mich nur ein weiteres ein Sinnilbild - für ein geisteskrankes Verteilungssystem.  Und das - gilt es zu erneuern, von Grund auf. Unserer Begrifflichkeiten von Arbeit, Leistung, Verdienst etc. Die Nicht-Relation von Bezahlung. Die Wertigkeit von "Leistung" überhaupt.

Und schon wieder - finde ich mich um viele Jahrzehnte zurückversetzt - in meine Kinderfragen:
Wie kann es sein, daß manche Leute so hart arbeiten, wie der Topfspüler im Edelrestaurant, in dem ich einen Ferienjob machte - und der bekommt nicht mal soviel Geld für die Drecksarbeit, daß er sich eine eigene Wohnung davon leisten kann? (Der wohnte in einem "Männerheim" - in der Pause setzte ich mich öfter zu ihm und sprach mit ihm). Und andere, die einen sauberen Bürojob machen, bekommen (damals) gleich dreimal soviel? Damals gab es wohl noch keine Heuschrecken - aber schon viele, die nie arbeiteten und immer arbeiten ließen - die ein Vielfaches "verdienten". Für nichts. Oder für wenig - "Leistung". Deren "Leistung" bestand und besteht - aus wenigen Stunden Organisation und Delegation - an Andere.
Bereits in Kindertagen - war mir klar - daß dieses kranke Verteilungssystem eine der Hauptursachen für unnötiges Elend auf dem Planeten ist. Und daß ein gesundes, ausgeglicheneres (nicht "gleiches") Verteilungssystem - zu fast paradiesischen Zuständen führen könnte.

Bis heute - bleibt es mir ein Rätsel - warum die Menschheit nicht für einen gesunden, fairen Ausgleich untereinander sorgt. Bei all dem Überfluß, der uns hier geschenkt ist.
Und ich hätte nicht im Traum daran gedacht - daß die Geisteskrankheit des Raffens noch derart zunimmt im Laufe der Jahre.


Natürlich - hätte ich auch nichts gegen ein paar Millionen oder Milliarden in meiner Börse - allerdings wäre das auch eine echte Herausforderung - diese Mittel wirklich sinnhaltig anzulegen und zu investieren. Aber keine unangenehme ... Ich bin also bereit für eine solche Aufgabe! Was ich an dieser Stelle dem Universum offiziell mitteile.

Aus eigener Erfahrung in der Vergangenheit weiß ich  - daß Geld an sich in keiner Weise den Charakter verdirbt. Wer nicht von Haus zu maßloser Raffgier und destruktiven "Machtgelüsten" tendiert - dem schadet Geld überhaupt nicht. 
Im Gegenteil - gibt es ja wohl auch einige Menschen, die mit Geld sehr konstruktiv umgehen und Fruchtbares fördern.

Als ich einst unverhofft zu einer Summe kam - die mensch mit ehrlicher Arbeit nie verdienen kann - war ich noch sehr jung - und äußerst überrascht.  Wußte erst nichts Rechtes damit anzufangen. Die wenigen Leute in meiner nahen Umgebung, die davon erfuhren - gingen sofort davon aus, daß ich mich von jetzt an grundlegend verändern würde - sie gingen einfach davon aus, daß Geld an sich einmal den Charakter verdirbt und zum Zweiten für ("soziale"?) Trennung sorgt. Alles - kompletter Unsinn.
Ich blieb recht bescheiden und nutzte dieses Geld die kommenden 15 Jahre - davon die letzten 7 zum Lernen solcher Dinge, die ich sonst vielleicht nie hätte (so) tun können.
Trotz aller Bodenhaftung war ich einst noch nicht klug genug - auf Dauer am Geld festzuhalten - also, es so einzusetzen, daß es sich weiter vermehrt und für viel mehr positive Optionen sorgen kann. Ich hatte einfach keine Ahnung von Geld. Heute - würde ich sicher vieles anders handhaben. Also - ich bin bereit für einen neuen Versuch!
(hahaha .....)

Von damals weiß ich auch - daß die Steuersätze auf Kapitalerträge bzw. Investment-Gewinne eigentlich eher lächerlich sind. Selbst die einstige Vermögenssteuer - die es ja derzeit gar nicht mehr gibt - war ein Witz. Ich erledigte das nach einiger Zeit selbst - mit meinen Steuererklärungen - und dachte jedesmal - Mensch, das ist aber günstig in der Relation!
Umso mehr wundere ich mich jedesmal über solche - die das alles nicht leisten wollen. Aus sinnfreiem Trotz? Obwohl es ihnen blendend geht? "Asenbratzen" kann ich da nur sagen. Eigene Wortkreation für asoziale Gesinnung.

Ich wurde auch keine Unternehmerin - aber hier und da machte ich ein paar kleine, saisonale Geschäfte und brauchte "Personal" - welches ich gerne gut entlohnte.  Sie waren zufrieden - und ich auch.
Das heißt heute "Win-Win" - im Neusprech. Aber kaum einer hält sich auch dran - jedenfalls nicht bei den "Global Players" - die wenigsten diese korrekte Bezeichnung "verdienen" - für ihre Spielsucht.

Mensch stelle sich vor - es gäbe tatsächlich eine wohlwollende und motivierte Zusammenarbeit zwischen echten "Leistungsträgern" - also auf allen Seiten!  Wobei es ja inzwischen wohl schon einige innovative Unternehmen gibt, die es tatsächlich so handhaben - also auf Zufriedenheit aller Beteiligten ausgerichtet sind - und bei denen es entsprechende, pralle, frühliche Früchte trägt.


Der Herr Hoeneß - beschäftigt mich also durchaus - aber nicht etwa als "Person" daselbst. Sondern er zeigt mir diese geisteskranken Konzepte von Trennung in "angebliche - selbsternannte Leistungsträger" und daraus resultierende Armeen "zwangsläufige Versager" - komplett absurde "Verdienste", die niemand verdient und auch nie verdienen können könnte -  und Hungerlöhne, von denen niemand leben kann. Falsche Konzepte von Arbeit - solche, die keine ist oder nur minimalen Aufwand verlangt aber dafür den größten Reibach bringt - und üble Maloche von denen, die sich abrackern und dennoch zum Scheitern verurteilt bleiben.
Er erinnert mich daran - daß die "Gesellschaft(en)" bzw. die Bevölkerung auf dem Planeten - in sich selbst zutiefst gestört ist - was ihre Pfründeverteilung betrifft. 
(Aaaa-aaa -aa- meeenn!!!!)

3 Kommentare:

Ich will...... hat gesagt…

ich kann mich gerade konsequent nichtaufregen........bin selbst erstaunt.
vielleicht habe ich was gelernt, nämlich: meine (knappe) energie nicht an dieses gesocks zu verschwenden.

nur eins picke ich eben mal raus:
kannst du mir zustimmen, dass die, die nicht mal 5 Euro bekommen für ihre stundenarbeit daran mitschuldig sind?
verdammt noch mal, sie sollen ja nicht gleich schießen, aber es gibt doch sowas wie zivilen ungehorsam. da lob ich wieder herrn böhs.
der hat eier!
warum ist er alleine???
muss ich davon ausgehen, dass die betroffenen, die keine illegalen sind, sondern deutsche, der deutschen sprache mächtig, feige sind? ich sag dir, tausendmal habe ich dem universum gedankt, dass ich nicht in diese situation geraten bin (ich war kurzzeitig in hartz).
thomas bernhardt hätte geschossen.....(farbige metapher)
mich hätten sie ganz sicher eingesperrt.
sie sollen endlich alle aufwachen, hingehen zu ihrem arroganten arbeitgeber (watteinperverseswort) und zu ihm klartext sprechen statt zu kuschen.
himmelherrgottnochmal!

Ich will...... hat gesagt…

ich rede nicht von taxifahrern, wo es ein bißchen wie glücksspiel ist, sondern von leuten, die schriftlich mit arbeit"gebern" 3, 4 oder 5 euro stundenlohn ausmachen!!
die gehören geschüttelt.
m.

Sati hat gesagt…

Ich stimme Dir gerne zu.
Wo es Ausbeuter gibt - gibt es auch die, die sich ausbeuten lassen.
Versuche es immer wieder - auch zu schreiben - aber vielleicht bleibt es unklar.

Das Taxi-Gewerbe - war für mich lange eine Art Nische - in der ich zwar oft weit unter einem anvisierten "Mindestlohn" gearbeitet habe - aber immer irgendwie über die Runden kam - natürlich nur angesichts einer Zwölf-Stunden-Schicht.

Nische insofern - daß ich weitgehend frei bin von allem "gesellschaftlichen Unsinn" ...

und wie gesxhruben - in den vergangenen Jahren noch dazu das Glück hatte - mit feinen Menschen zusammenzuarbeiten. Also - das, was ich jeweils einfahre - im Grunde selbstständig - vertragsgemäß und korrekt zu teilen.

Anders gesagt: Taxileute sind ebenso doof - wie alle anderen. Aber sie haben die Illusion von Freiheit im Gepäck. Oder nochmal anders: Reißen für diese Illusion einfach mehr Stunden runter.

Neulich sagte mein jetziger Unternehmer noch - er wisse nicht, wie das gehen solle, wenn der "Mindestlohn" kommt.
Ich lachte nur - wir wissen ja beide, daß es nicht geht.

Ein anderer Kollege - ebenfalls Unternehmer - nannte es so:
"Betteln mit Lizenz".

Es bleibt also - ein nostalgischer Hauch von Freiheit ... aber immer weniger - weil halt die Kunden ausbleiben.

Insofern - nochmal wie oben:
Ja - sicher stimme ich Dir zu.

Sati