... manchmal einfach nur: Sich zu bemerken. Sich gegenseitig zu bemerken.
Als ich vom Chiron komme - steht da eine ältere Frau auf der Straße. Im Dorf - am Berg - mit einer Tasche. Ich will zu meinem Auto gehen und sage "Guten Morgen" zu ihr. Sie grüßt zurück. Dachte - sie wartet auf jemanden. Sehe - sie ist fertig ..... frage nach:
Alles in Ordnung mit Ihnen?
Nein - sie muß stehenbleiben. Sie kann nicht mehr weiter. Ihr Herz ..... Ok.
Frage nochmal - können Sie weiter, wenn Sie sich ausgeruht haben?
Sie fragt zurück - ob ich sie mitnehmen und nach Hause fahren kann - mit meinem Auto?
Ja - sicher
Warten Sie einen Moment - ich muß kurz aufräumen - mein Auto ist chaotisch und ich muß erst mal einen Platz freimachen für Sie.
Sie steigt ein. Hinter mir. Mein Auto ist wahrlich chaotisch .... aber ich bin es ja mehr als gewohnt, auch Leute hinter mir im Auto sitzen zu haben. Ich freue mich, daß sie gefragt hat - und ich fahre sie gerne nach Hause.
Diese unerwarteten Begegnungen - in denen Menschen sich wirklich mal aushelfen können - sind oft unschätzbare Momente - in denen eine Art seltsamer Glückseligkeit aufkommt. Auf simpelste Weise.
Fahre sie also - "Machen Sie langsam!" - nach Hause -es sind nur wenige Meter bergauf - aber diese waren ein hoher Berg für die alte Dame. Als ich in Richtung ihres Domizils einbiege, frohlocke ich: "Boah - das ist aber wirklich schön hier!"
Ja - es ist wunderschön - aber sie schafft den Berg nicht mehr gut.
Und sie ist deutlich spürbar erleichtert - daß jemand vorbeikam - und sie hochgefahren hat.
Ich höre mich selbst überrascht sagen: Ich fahre übrigens Taxi - also, wenn ich arbeite.
Sie fragt: Hier - im Ort?
Nein - in der Stadt.
Aha - sonst hätte sie mich sicher auch gekannt.
Ja.
Als wir angekommen sind - faßt sie mir auf die linke Schulter und bedankt sich Tausend Mal. Drückt mir noch einen 5-Euro-Schein auf diese und ich sage: "Ach - lassen Sie das doch das bitte sein - ich habe das wirklich gerne gemacht. Es war mir eine Freude." Ihr aber auch - dieser Zufall unserer Begegnung hat ihr viel Angst genommen. Und - ich nehme einfach mal gerne ihr Geschenk an.
War übrigens genau der Betrag - den ich heute beim Chiron nicht einkalkuliert hatte in meine Rechnung. Hatte mich verrechnet ....
Nein - ich habe keine Angst vor "fremden Menschen" - eher das Gegenteil ..... sonst ginge es ja auch gar nicht in solchem Job. Und im Leben schon gar nicht. Bin da eher stoisch-naiv und immer noch "unschuldig-offen".
Aber - ich hasse "Systeme" - wie die Pest.
Religion, Politik, nationlistischen Nonsens .... diese herzliche Dame kam übrigens aus östlicheren Gefilden - und eine gewisse Herzlichkeit aus diesen war ihr mitgegeben. Ich darf diese Vielfalt für mich - immer wieder geniessen. Also - von einem Indiduum zum Anderen. Jenseits - jeglicher "Systeme" ....
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