Dienstag, 25. Februar 2014

Für Therese - Falten und ein paar graue Haare ...

...  diese Faltenphobie der vielen Mitmenschen war mir meist unverständlich und suspekt.
Falten - aus dem Leben selbst heraus entstanden - waren für mich immer schon vielmehr ein Zeichen von gemachten Erfahrungen - und bei manchen ein Zeichen von echter Schönheit - gemachter Lebenerfahrung.

Es gibt - naja gut, nicht mehr allzuviele - faltengegerbte Gesichter, die von einer echten Naturverbundenheit künden. Und von viel Lebenserfahrung - Intensität eben.

Mit den meinigen - bin ich sehr einverstanden.
Im Grunde habe ich eh nicht allzu viele - außer um die Augen rum. Und das sind ja widerum - Lachfalten.
Eine unsagbare Voll-Idiotin - in meiner Wahrnehmung von Leben - die sowas mit "Botox" überspritzen wollte ...

Manchmal würde ich mich gerne mal mit den Augen der Menschen sehen wollen - die mir so begegnen.
Oft heißt es - sie hätten mich für jünger gehalten.
Und dennoch bin ich sicher - daß man mir auch meine Jahre gut und einfach ansehen kann - mit einer gewissen Aufmerksamkeit, die aber längst nicht immer da ist bei vielen.

Dann wieder - weiß ich, daß die Jahre keine Rolle spielen - sondern vielmehr die Seele das "Alter" bestimmt. Und so- sah ich es dem zwanzigjährigen Spund neulich nochmal großzügig nach - daß er mich duzte. Er hatte sich vertan - in mir.

Ein einstiger "Spell" meiner verstorbenen Erezugerin lautete:  "Du - kriegst sowieso keine grauen Haare!"
Fast aus Trotz - wartete ich also ein paar Jahre auf das Gegenteil.
Heute weiß ich - mensch muß auch keine grauen Haare bekommen.

Die wenigen grauen Haare, die ich aufzuweisen habe - sind wie geschruben - mehr aus Trotz gegen den einstigen "Spell" der Erezugerin zustande gekommen - und nicht einmal gegen diesen speziellen, sondern vielmehr gegen andere, weniger erbauliche "Spells" von ihrer Seite einst.

Übrigens - mit dem "Erdshampoo" fühlen sich die Haare komplett anders an, als wie mit dem chemischen. Und sehen auch anders aus - fetten viel weniger nach und glänzen ganz anders.

Aber - nochmal zu Falten und anderen Lebens-Mustern, die sich abzeichnen auf einem Menschengesicht- oder - körper:  Diese haben - in meiner Wahrnehmung - immer eine ganz eigene Schönheit. Jedenfalls bei denen, die sie annehmen.

Meine einstige  - die von mir und vielen Anderen geliebte der beiden Großmutter - fällt mir ein. Die hatte ein großen, breites Gesicht voller tiefer Falten. Und jede einzelne fand ich schön - schon als Kind. Nur selten sehe ich noch solche Gesichter - auch bei alten Menschen. In denen sich die ganze Lebensgeschichte abgezeichnet hat. Ich fand das - sehr faszinierend als Kind - in so ein gegerbtes Gesicht zu blicken!

Im Moment - bin ich an einer Art "Wendepunkt" - auch, was die Falten betrifft.
Noch bin ich weder jung noch alt.
Allerdings - so ich alt werde - werde ich für mich jede einzelne Gerbung und Falte begrüßen.
Allerdings bezweifle ich - daß ich jemals so prägnante Kerbungen bekomme - wie die einst geibte Großmutter.
Schon ihre Töchter - waren weit davon entfernt, ein solches "Charaktergesicht" zu bekommen im Laufe des Lebens. 

Die gesichtsfaltenreiche, äußerst spannend aussehende Großmutter - wurde einst 92. Ihre Tochter auch - aber die sah dagegen aus wie ein frischer, glatter Kinderpopo. Auch meine Mutter - die jüngste Tochter der  einst so Faltenreichen - wies kaum echte Kerbungen auf. Auch nicht ihr Bruder - der in viel jüngeren Jahren schon ging.

Von des Vaters Seite - sind überhaupt keine Gesichtskerbungen zu erwarten. Die Großmutter, die seine Mutter war  - wurde ebenfalls 92 und hatte ein arschglattes Gesicht. Flaumig wie ein Baby dazu.
Allerdings - lebte sie auch so. Obwohl ich keine echte Ahnung habe - was in dieser Frau zeitlebens so vor sich gegangen war - erschien sie mir schon als Kind immer wie ein Museum - in dem nichts geschieht.
Und wenn ich dort sein mußte - weil  die Eltern mal was ohne mich machen wollten - war es eher ein Albtraum für mich.  Verweilen - unter Untoten.

Diese Großmutter - die ich nie geliebt habe und die mir immer fremd blieb - lebte mit ihrer Tochter in einer Zwei-Zimmer-Wohnung - und ließ sich von dieser jeden Tag behandeln, wie ein kleines Kind.
Die schliefen - in einem Ehebett zusammen. Wenn ich da war - schlief ich auch dort - und hörte die ganze Nacht das Ticken einer lauten Wanduhr.

Das einzige Higlight dort - war für mich der frühe Morgen - wenn die Tochter Jungfer ihrer alten Mutter das erstaunlich lange Haar kämmte und danach zu einem "Dutt" flocht.
Jeden neuen Morgen dort staunte ich - daß diese alte Kindfrau, die scheinbar keinen eigenen Willen hatte und sich zeitlebens von ihrer Tochter herumkommandieren ließ - so langes, wildes und weiches, schönes Haar hatte.
Habe keine Ahnung - von der Seele dieser Frau. Und nie eine bekommen.
Für mich war sie eigentlich - nie wirklich da - also lebendig und greifbar.
Wie eine Mumie saß sie auf ihrem Thron - ein häßlicher Sessel - wenn sich ihr Clan mal wieder um sie versammelt hatte. Ihre leiblichen Kinder - bis heute kann ich mir in keiner Weise vorstellen, daß sie die mittels ganz normalem, gar lustvollem Geschlechtsverkehr gezeugt bzw. empfangen hat - so unberührbar und unnahbar war die - daß ich ihr eine "Mariengeburt" sofort abgenommen hätte einst.

Und dann - gab es noch einen göttlichen Pudding - von der garstigen Tante für mich zubereitet - der mich nochmal besänftigte. Aber wirklich gut - ging es mir sicher nicht mit diesen beiden wächsernen Frauen .... die auch ihr bestes gegeben haben.  Aber - das war nicht viel für eine Kinderseele. Gerettet hat mich - ein Aufzug einer Malerfirma im Hinterhof - dem ich stundenlang völlig fasziniert zugeschaut habe einst.

Vermutlich "alter Adel" im Blut - bei der väterlichen Patronin. Bewegungs- und rührungslos.
Umso schöner für mich einst - die deutlichen Kerben im Gesicht des Vaters - entgegen seiner sehr glatthäutigen Mischpoke.
Manchmal habe ich mich noch gefragt - wie hart das für meinen Vater einst gewesen sein muß - als Kind.
Mit so einer Wächsernen - Unlebendigen. Umso mehr hat dieser seine faltengegerbte Schwiegermutter - meine liebste Oma - später geliebt und verehrt.  Und ich habe so eine gute Idee - warum.  Weil sie halt - echt war. Sehr lebendig - und anfassbar.

Beide Großväter haben sich einst erhangen - als ihre Kinder Zwölf waren - also jeweils diese ihrer vielen Kinder - die später meine Eltern wurden. Vermutlich - hat das die beiden auch nochmal auf eine Weise verbunden - die ihnen gar nicht recht klar war. Und ich darf mich heute - von vielen Nackenverspannungen lösen - die nie meine waren - sondern diese Unausgesprochenen - der beiden Großväter, die sich einst selbst aufgehangen haben.

Übrigens auch erstaunlich -  beide Eltern waren jeweils Torhüter ihrer Mannschaften - die Mutter im Handball und der Vater im Fußball. Beide die jüngsten im Familienbunde - und doch Hüter.

Nur von dem einen Großbater weiß ich - warum er sich vermeintlich erhangen hat - und wer weiß, ob´s stimmt? Es hieß - er habe sich geweigert - als einstiger Sozi in der Nazizeit - seine Gesinnung zu verraten.
Von dem anderen - weiß ich ebensowenig - wie von seiner wächsernden Frau - die ja toter und wächserner schien, als die angebliche Jungfrau Maria.

Diese beiden Männer - haben ihrerseits tiefe Kerbungen in ihren Familien hinterlassen - aber wieder auf ganz unterschiedliche Art.
Der Eine - hat die Seinen mit der Erinnerung an seine Lebenslust verlassen: Er trug am Wochenende ein Grammophon in den Garten und frönte der Musik, tanzend. Um die Seelen seinr Kinder habe er sich nicht gekümmert - berichtete mir meine einstige Mutter - seine jüngste Tochter - die ihm einst sein Mittagessen über viele Kilometer per pedes zu seinem Bahnwärterhaus brachte. Aber wer weiß - vielleicht hat er es ja doch gerade getan - indem er Musik spielte im Garten?!

Der Andere blieb scheinbar streng und unerbittlich ??? Hat versäumt - weich und kerbbar = lebendig zu werden. Jedenfalls in der Wahrnehmung seiner Nachkommen. Nie habe ich auch nur ein Wort im großen Clan über diesen Mann vernommen.

Der Eine - wurde Bahnwärter, nachdem ihm im ersten Weltkrieg ein Durchschuß ein Bein versteifte.  Und dieser hinterließ mir - in der übersprungenen Generation - von je her eine seltsame und unbrüchliche Liebe zu alten Dorfbahnhöfen. Die bis heute anhält. Wobei es ja kaum noch solche gibt.

Der Andere - war einst Dorfschullehrer - und hinterließ mir die Botschaft - daß jegliche unsinnige Strenge mit Kindern - ein Verbrechen an diesen ist. Er hinterließ mir aber auch - daß eine liebevolle "vordergründige Strenge" - eigentlich mehr ein Schauspiel - durchaus ein probates Mittel ist - um mit Kindern zu kommunizieren und sie eventuell etwas zu lehren -für´s Leben eben.

Ich hoffe für meinen Vater - daß er es so begreifen konnte von seinem Vater!
Ich begreife es durchaus - was dieser Großvater da vermitteln wollte einst. Ob er es so geschafft hat - weiß ich nicht - obwohl ich weiß - daß auch mein Vater ein großes und weites Herz hatte - auch, wenn er vordergründig die Mumie seiner Mutter gab - komplett erfolglos. Und gut so. Ein Weichherzler eben - trotz Clan-Dogma. Ein gutmütiger Mensch, der gerne weitergeholfen hat - auch mit handwerklichen Fähigkeiten. Und der - meistens noch dafür in den Arsch getreten wurde - innerhalb seines seltsamen Clans. 
 
Erstaunlich für mich waren einst seine beiden Tanten - uralte Frauen und meine Großtanten - die spiegelten die Extreme seines Clans perfekt wieder: Tante Mieze und Tante Käte. Die Mieze - natürlich weich und sanft und die Käte - is klar, oder!
Beide - völlig in Ordnung! Und wieder so eine von sehr vielen Frauengemeinschaften im Clan ....

Meine "Kindheits-Patronin" - unter vielen Patroninnen -  war jedenfalls immer die von mir heiß-geliebte Großmutter Therese.
Die mit diesen tiefen Furchen im Gesicht. Die - die nie Angst hatte davor - daß sich das Leben selbst sehr tief in ihre Haut gräbt - und Falten wirft.
Die - die ein sehr sehr großes Herz und Engelsgeduld  hatte - und jede Menge ebenso glücklicher Enkelkinder - wie mich einst.
Die Frau - die neun Kinder gebar - und davon nur fünf lebendig durchbrachte. Die alleine mit den Kindern  flüchten mußte aus einstiger Heimat - und alles alleine bewältigte. Keine Ahnung - wo ihr Mann abgeblieben ist.  Von den Urgroßvätern weiß ich noch viel weniger als von den Großvätern.

Von den Frauen in diesen Familien weiß ich - daß sie das "Gröbste" immer alleine bewältigt haben. Sogar diese andere Großmutter einst - die sich später so kindlich betutteln ließ.

Oder besser: Daß sie ihre Familien mit ihrer eigenen Kraft haben durchbringen müssen - und diese Aufgaben immer wieder bewältigt haben. Auf die Männer bzw.Väter - war da eher kein Verlaß. Scheinbar waren die eher - wie noch ein
weiteres Kind, was es durchzubringen galt. Oder  - wieder mal draußen zum Spielen - in sinnlosen Kriegen.
 
Und von meiner einstigen Mutter weiß ich - daß auch sie Gefahr lief als jüngste Tochter einst in diesen seltsamen Frauen-Konstrukten des Clans - zu versauern. Und sich zeitlebens um die Mutter zu kümmern - wie soviele Andere,
Hallelujah - daß mein Vater vorbeikam - einst sehr schmuck und ansehnlich. Und es gab auch noch einen anderen Bewerber - aber mir kann es ja wurscht sein heute .... Hauptsache - diese seltsamen Konstrukte sind gelöst.

Später - landete die geliebte Großmutter dann bei ihrer ältesten Tochter - und zeitlebens gab es Streit zwischen dieser und der jüngsten Tochter - also meiner Mutter - was die Versorgung der Töchter-Mutter betraf.

Meine heiß geliebte Großmutter gebar also neun Mal insgesamt - macht viele Jahre Schwangerschaft -  und nur fünfe blieben am Leben. Vorerst.
Von einem hieß es - er sei später im Kinderwagen gestorben, weil ihn der böse Blick getroffen habe.
Gustav hieß der - und bis heute ist Gustav sehr lebendig und aktiv.

Alle anderen totgeborenen Kinder meiner Oma - wurden nie erwähnt - aber Gustav erstaunlich oft.
Und wieder mal - treffe ich auf ihn - jetzt - wo alle lange weg sind - aber Gustav sich nochmal in Erinnerung bringt,
Werde es mal mit ihm klären - was da noch im Raum ist. Und was gehen will. Im Sinne aller - und im Sinne des einstigen großen Clans - bzw. zweier solcher.

Ein Lob jedenfalls - auf die erfolgte und signifikante Gerbung also!
Und auf die wunderschönen, tiefen Falten meiner Großmutter Therese !!! Geborene "Gutzeit".

Mit mir - löst sich also der ganze seltsame Zauber der einstigen Clans auf.
Nachkommenschaft - hat sich schon rein biologisch erledigt - und war auch nie anders von meiner Seite beabsichtigt - sondern schon in frühen Jahren sehr klar.
Und der einzige Nachkömmling, der noch hätte ein paar Kinderlein zeugen können - hat sich mit zarten 40 mal eben sterilisieren lassen. Verständlich - nach seiner Kindheitshölle einst.

Wenn´s um Kinder geht - verstehe ich nur wenig Spaß.
Und - es gibt von je her soviele Kinder - die eine Menge Liebe, Spaß und Freude brauchen können - für die ich ebenso gut da sein kann - so ich will.

Ganz ohne weitere Neune zu gebären.
Gustav - was sagst Du dazu?

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