Donnerstag, 20. Februar 2014

Dafür hab ich jetzt eine Weile gebraucht ....

... für´s Reinigungsritual im und ums Haus.
Mußte mich - zu meinem eigenen Erstaunen - erst noch mental drauf vorbereiten.
Und dann noch ein wenig Mut zusammennehmen - schließlich gab es hier einst eine Menge seltsamer Geister.  Also Mut insofern - daß ich mich locker genug dafür fühle. Egal - wem oder was ich begegne bei der Reinigung.

Wie so oft - hat das Leben genau den richtigen Zeitpunkt erwischt - denn ich erfahre während des Glöckchenklangschwingens, daß der seltsame Typ gerade eben nochmal hier gewesen sei - und eben erst wieder abgehauen. Aha - sage ich - dann paßt es doch bestens jetzt! und denke "Perfektes Timing! Am Jupitertag."

Haus und alles drumherum sind nun also gereinigt - mit Beifußrauch und Glockenklang.
Weil die mich sicher eh schon gehört haben - Bimmelbimmel .... - klingel ich noch kurz bei den Nachbarn - und sie tut es tatsächlich: Nimmt das Gläckchen und geht mal mit durch, wenigsten im Haus. Gibt ihre eigenen guten Wünsche rein. Raus will sie aber nicht ... ich lache und meine: Ist schon in Ordnung, Reicht ja - wenn die hier eine für ballaballa halten.

Die - sind in diesem Fall die Bauarbeiter, die das haus gegenüber aufstocken. Im Affenzahn. Gestern haben sie schon sämtliche Wände im Rohbau eingezogen - wie Lego quasi - im Fertigbausystem - alles mal eben "zusammentackern" und später verfeinern.

Ich gehe trotzdem rund - laut bimmelnd. Muß! 
Und der Vorteil am Älterwerden ist ja bekanntlich: Ist eh wurscht, was die Leut so denken.

Alle guten Wünsche habe ich am Morgen zu Papier gebracht - und verlese diese nochmal in alle Richtungen, als genug geräuchert und geklungen ist. Jetzt fehlt noch der letzte Teil: Das Papier wird gleich in die Erde gesetzt und ein paar frühliche Narzissen oben drauf gepflanzt.

Da die guten Wünsche eh auch in die "weite Umgebung" gehen - macht es auch nichts, wenn sie sogar hier in den Äther fließen. Im Gegenteil. Mögen sie soweit gehen - wie nur möglich!

Dieser Beifuß - ist wahrlich kräftig! Habe mal alle Fenster aufgemacht - und er hält sich dennoch für Stunden - obwohl ich die restliche Hälfte einfach in den Topf vor der Haustür gesteckt habe. Also an die frische Luft daselbst.

Seit die Wohnung da unten leer steht - kommen auch die Tiere wieder vorbei hier.
Gestern eine der recht wilden Katzen. Die ließ sich zwar nicht anfassen, antwortete aber deutlich und freundlich in ihrer Sprache auf mein Grüßen.

Ich freue mich immer noch - daß Menschen, von denen ich es nicht wirklich erwartet hätte einst - so ein Reinigungs-Ritual explizit begrüßen. Mal abgesehen davon, daß ich mich gewundert habe, überhaupt mit ihnen darüber zu reden.
Früher mal - hätte ich sowas nur heimlich gemacht. Wenn überhaupt.

Und jetzt - noch den Zettel mit besten Wünschen für alle Zeiten und Richtungen - und somit Lösung von allem Vergangenem - auf rosa Papier - in die Erde geben und eine fröhliche, frische Blume drauf pflanzen.
Und die Fenster wieder schließen.

Doch - hat sich gelohnt. Und war fällig.
Für alle Zeiten - und Richtungen.

Besonders jetzt - wo die Bude da unten frei ist - und Neues einkehren kann. 
Ich war ja auch schon ein paar Mal vorher hier mit Moxa unterwegs .... aber eben "heimlich".
Die hatten es aber doch gemerkt einst - und sofort danach beim letzten Mal chemischer "After-Shave" hinterhergesprüht .... pfui Deivel.

Kräftiges Moxa gibt es hier ... wenn mal was sein sollte.

Und jetzt - war er doch nochmal da - nach dem Ritual.
Als könnten sie´s riechen ... oder vielleicht hat ihm ja jemand Bescheid gegeben - daß hier eine Verrückte mit Rauch und Glockenklang ums Haus geht - egal.  Morgen ist der Schlüssel zurückgegeben - und es gibt keinen Grund mehr für diese seltsamen Menschen, sich hier aufzuhalten. Jetzt auch schon nicht - aber sie brauchen ja immer diese Energie der Anderen .... wovon sollten sie sonst leben?

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