Dienstag, 30. April 2013

Ich soll mir einen guten Mann suchen und Kinder bekommen .... sogar noch nach der "Mensis"

.... jaja. Is klar. Wieso habe ich schon gewußt - daß das wieder kommt? Weil wir alle konditioniert und dressiert worden sind - je nach Kulturkreisen.
Der alte türkische Herr, den ich fahre, ist freundlich und kommunikativ. Nachdem er gerade vorne einsteigen wollte, aber sieht, daß ich eine Frau bin - setzt er sich nach hinten, wie es sich für ihn gehört.
Wie üblich bei diesem Menschenschlag - kommt die obligatorische Frage nach meinem Mann. Habe keinen. Und Kinder? Nein, keine. Kein Mann, keine Kinder - ein gutes Leben - ergänze ich der Vollständigkeit halber.
Er hat eine Frau, drei Kinder und drei Enkelkinder.
Aber ich hätte doch wohl einen Freund - also wieder Mann?
Nein. Keinen Mann, keinen Freund, keine Kinder - und ein gutes Leben.
Nach ein wenig mehr Wortgeplänkel zu Anderem - kommt wieder, was kommen muß:
Ich soll mir mal besser einen guten Mann suchen und Kinder bekommen.
Ich protestiere lachend: Ich bin 50! Ich muß keine Kinder mehr bekommen.
Und - was ich nicht mehr sage - ich habe mein Leben bisher ganz gut selbst gemeistert - ohne "Ernährer", "Beschützer" oder solches Zeugs ....

Er - sei 53. Ich sag´ nix - der sieht erheblich älter aus. Hätte ihm locker 65 gegeben.
Soweit eine freundliche Begegnung an der Oberfläche - zwischen Menschen, die nicht viel gemeinsam haben. Und nicht weiter der Rede wert.
Außer - daß ich mich mal wieder wundere über die Phantasielosigkeit von uns Menschen und die starren Vorgaben im Geiste aufgrund von Erziehung, Kulturkreis und Dressur. All diese Vorstellungen von "Normalität".
Und darüber - was mich wohl mit Mann und Kindern - seiner Vorstellung nach offenbar "vollständiger, zufriedener, glücklicher" sein lassen sollte - als ich auch so bin.

Meine seligen Eltern fallen mir ein -  inzwischen weiß ich - wieder - vieles zu schätzen, was ich an ihnen hatte. Die haben mich nie ernstlich in irgendeine Form von Normalität gedrängt. Sie haben mich - weit laufen lassen. Und mich "wild" sein lassen. Haben mir meine eigenen Vorstellungen nie ausgeredet.
Sicher - haben sie es hier und da mal versucht - mich mehr "auf Spur" zu bringen - vermutlich aus eigener Verzweiflung bzw. möglichem Streß mit dem Kind. Aber letztlich - nie ernsthaft.

Niemand hat mir zuhause erzählt - was ich mit meinem Leben tun solle.  Da ich schon in frühen Jahren beschlossen hatte, nicht zu heiraten - redete mir auch niemand etwas anderes ein. Einmal sagte der Vater - nachdem die Schwester schon mit sechzehn schwanger war und heiratete - ich solle ihm bloß nicht auch noch mit einem Kind nach Hause kommen. Und einmal sagte er - komm mir bloß nicht mit einem Schwarzen nach Hause. Aber das - war nicht sonderlich kraftvoll ausgeprochen - und auch mit diesem hätte er sich ggf. angefreundet. Ich weiß das - weil ich ständig eine ganze Horde Verrückter mitbrachte und die kleine Hütte immer voll war mit meinen damaligen Leuten - gut versorgt von meinen Eltern.
Auch einen sehr guten, platonischen Freund brachte ich mit, der mit sechzehn bereits obdachlos war und auf Drogen. Ich "versorgte" ihn über Tag bzw. überließ ihm die mir ebenfalls, einst durch die Eltern, überlassenen Möglichkeiten - frische Klamotten, Essen, Körperhygiene ..... er wollte sich irgendwo wegen Arbeit vorstellen und mußte dafür "hübsch ordentlich" aussehen .... und am Abend fiel es den Eltern auf, weil er sich in der Küche die Fingernägel geschnitten hatte und meine Mutter diese auf dem Boden vorfand. Zum Piepen. Ich erzählte also auf Nachfrage (oft) - die Wahrheit. Und nichts weiter geschah - mein Kumpel war weiterhin willkommen.

Das, was einst zu Konflikten mit den Eltern geführt hatte - ist vergessen. Das Große, Ganze - ist wichtig. Und da - habe ich es wirklich gut erwischt mit diesen Menschen. Auch die Schwester damals - die reichlich Unterstützung fand, als sie mit sechzehn schwanger war zu einer Zeit - in der sich das gesellschaftlich schwierig gestaltete. Nach dem ersten Frust und dem ersten Zorn - was wohl die Nachbarn dazu sagen würden - fand sie nur helfende Hände.
Und das Kind - traf auf viel Liebe.
Auch bei meinem Vater - seinem Großvater, der nicht mehr lange leben sollte. Das es diesen Mann dennoch schwer getroffen hatte in seinem "Weltbild", merkte ich daran, daß er mir bereits als Dreizehnjährige eindringlich sagte - ich könne jederzeit zu ihm kommen, wenn  ich die Pille bräuchte - nur mit einem Kind solle ich ihm nicht kommen in so jungen Jahren, das würde er nicht nochmal verkraften ("Nur über meine Leiche" war der genaue Wortlaut). Ein Mann aus dem Jahrgang 1921 - offerierte also seiner 13-jährigen Tochter die "Pille". Ich nahm ihn dann ein, zwei Jahre später beim Wort - und er hielt es.
Das einzige, was dieser mir je zum "Thema  Männer" wiederholt mit auf den Weg gegeben hat, war übrigens dies: "Wer beim Essen singt - bekommt einen verrückten Mann." Ich sang wohl oft beim Essen .... und freute mich schon auf einen verrückten Mann. Einen "normalen" - hätte ich eh nicht gewollt.

Zwei weitere, sehr zarte Versuche gab´s noch seitens der Eltern - mir doch noch etwas "beizubringen", was nun an der Zeit sei:
Der Vater, der bereits kurz vor seinem Lebensende war, meinte plötzlich überraschend - ich solle doch nun endlich mal einen schönen Rock anziehen. Ich mußte mich sehr wundern, schließlich war er es gewesen, der sich einst vor meiner Geburt sehnlichst einen Jungen gewünscht hatte - und mich entsprechend mitgenommen hatte auf abenteuerliche Streifzüge. Zu spät also - für eine Umerziehungsmaßnahme. Und wieder - nur eine recht kraftlose Anmerkung. Eher persönliche Resignation und Einsicht - in die einstige Nicht-Erziehung - in "Mädchenmuster".
Die Mutter irgendwann: "Meinst Du nicht, es ist Zeit, daß Du nun Gold trägst, statt Silber?!" Ich war seinerzeit mit schwerem Silberschmuck behangen - und schaute sie unverstehend mit großen, fragenden Augen an - und sagte es auch so "Ja? Bitte? Was - möchtest Du denn jetzt?" - hatte (k)eine Ahnung, was sie meinte. Sie meinte wohl, es sei an der Zeit, mich zu "freien".
Hahaha ... in beiden Fällen mußte ich wirklich lachen. Nicht respektlos - aber es war eh schon zu spät, um nochwas "Normales" aus mir zu machen.

Nun - ist es eine Hommage an meine Erzeuger geworden - für größtmöglichste Nicht-Intervention ihrerseits - in meine Angelegenheiten. Als Kind und auch später noch habe ich das bereits zu schätzen gewußt. Dann gab´s eine zeitlang notwendige Differenzen. Und nun - weiß ich es erneut zu schätzen.
Ja - ich hab´s wirklich sehr gut angetroffen. Mit der kompletten seligen Mischpoke. Das ist - ganz sicher Gold wert.

2 Kommentare:

Ich will...... hat gesagt…

schön!!
vieles erinnert mich an meinen vater, der einerseits viel ängste ausgestanden haben muss um mich als jungmensch, andererseits aber immer unterstützung in richtung abenteuer gab. er hat eines sonntags 1977 dafür gesorgt, dass ich doch noch einen personalausweis bekam (den ich versiebt hatte oder so) und dann am abend wie geplant nach ungarn fahren konnte.
er hat die sachbearbeiter aus der zuhause-sonntagsruhe gerissen und mir die fahrt nach ungarn (zum späteren gatten, was besser unterblieben wäre, mir damals aber himmel bedeutete) ermöglicht.
nun konnte ich mich nicht mehr revanchieren, zum beispiel durch eine portugalreise für ihn.
m.

Sati hat gesagt…

Ach - vergiß das mal mit dem "direkten Revanchieren" - das gleicht sich - anderweitig - eh immer wieder aus.
Liebe und "Verständnis" - sind wirklich genug. Mehr gibt´s nicht.
Glaub ich jedenfalls.
Liebe Grüße - und einen wonnigen Mai, Sati