Montag, 15. April 2013

So süß am Morgen ...

... an einem Halteplatz vorm Hotel steht eine "süße" Kollegin mit ihrer Limousine - auf Extraposition, sie wartet auf ihre Vorbestellung. Will heißen, sie hat sich mit irgendwelchen Fahrgästen verabredet. Das ist legitim und völlig in Ordnung in der Branche - ich tat gestern selbiges mit einem sympathischen jungen Mann, den ich zur Fitness-Messe fuhr. Hörte aus seinem Gespräch mit dem mitfahrenden Bekannten heraus, daß er in etwa zwei Stunden zum Flughafen wolle - und bot mich mal unverbindlich an, ihn wieder abzuholen, was dieser gerne annahm. Und er kam auch auf den Punkt genau - zur verabredeten Stelle. Im Gegensatz zur Verabredung der süßen Kollegin heute morgen - die ließen sich weit und breit nicht sehen, auch nicht, als es schon eine halbe Stunde über die Zeit war. Sie meinte noch - normalerweise wäre sie längst weggefahren, so lange würde sie sonst nicht warten. Ich sah mir das eine Weile an und mußte dann schmunzeln: Sie ist nicht allzu oft in der Kolonie unterwegs und fährt meistens Flughafen. Nun - während sie wartete - traf sie alle Naslang jemanden aus dem Kollegenkreis - und es ergab sich einfach eine sehr nette Atmosphäre an diesem Platz - derselbe, an dem der Taxibörsendieb uns im vergangenen Jahr mehrfach beraubte (und dem wir sicher noch sein Fahrrad wegnehmen werden, wenn er sich das nochmal trauen will ...).
Einer, den ich nicht sonderlich mag - kam gar des Wegs und nahm sie herzlich in den Arm mit einem "Hallo, mein Schatz! Dich habe ich ja lang nicht mehr gesehen." Ich erfreute mich derweil an einem warm-festen Händedruck eines anderen, sehr feinen Kollegen, mit gegenseitigem Guten-Morgen-Wunsch.
Am Ende - war ich früher weg als die "Süße" mit ihrer Vorbestellung - und fuhr ebenfalls zum Flughafen. Aber wie diese schon zuvor angemerkt hatte - "Ist doch egal .... ich freu mich einfach, Euch mal wieder zu sehen."
Eine seltsame Zunft, in der ich mich da bewege. Von den Allerwenigsten weiß ich, wie sie heißen. Oft kenne ich nur die Wagen-Nummer und natürlich die Gesichter. Namen werden selten erfragt - und dennoch sprechen sie sich manchmal herum. Dann wieder - stehst Du mit solchen im Gespräch, die Du noch nie zuvor gesehen hast. Eigentlich - wissen die wenigsten überhaupt etwas "über den Anderen". Vermutlich hat das unter den türkischen und/oder iranischen Landsleuten nochmal eine ganz andere Qualität - ebenso, wie unter den verbliebenen deutschen Taxistas. Aber letztlich ist es so, daß diese Branche einem heftigen Wandel an Menschen unterliegt - und irgendwann freust Du Dich, wenn Du noch ein paar bekannte Gesichter triffst.
Manchmal haut es welche mittels Beerdigung raus und dann kommt eine Meldung auf den Displays wie "Der Kollege mit der Nummer Soundso wird heute um x-Uhr da-und-da beerdigt." Und dann fängst Du an, zu überlegen, wer das wohl war. Oder Du siehst welche lange nicht mehr - wenn Du´s dann bemerkst, erkundigst Du Dich mal bei solchen, die die auch kennen. Wie neulich, als ich meinen einstigen Lieblings-Kollegen meiner Anfagszeit und kurzerhand auserwählten Mentor nicht mehr sichten konnte - weil er einen Herzinfarkt hatte. Oder diesen alten Mann, ein kölsches Urgestein, der mir gerne Samstags von seinem kleinen Paradies an der Sieg erzählte. 
An manchen Plätzen - triffst Du immer mal wieder die Gleichen - hat auch was Geselliges für sich.
Und manche mag ich wirklich - auf ihre Weise - vielleicht gerade deshalb - weil ich wenig von ihren "Geschichten" weiß? Und weil wir uns somit viel mehr "im Moment" treffen, als das anderswo der Fall ist.
Kann aber auch passieren - wie neulich - daß ich auf einen treffe, den ich noch nie sah - und von dem ich binnen fünf Minuten schon seine ganze Geschichte zu hören bekomme - weil sie ihn drückt. Weil er einfach gerne sprechen möchte - und ich in diesem Moment auch gerne zuhöre - was schon lange keine Selbstverständlichkeit mehr bei mir ist.  Abgrenzen - lernt sich gut im Laufe der Jahre. Und bei manchen freue ich mich sogar, wenn sie etwas aus ihrem Leben neben dem Limousinenlenken erzählen - von den wenigen Stunden, die im Grunde für ein "Privatleben" bleiben.
Also alles - wie im richtigen Leben - nur anders.
Flüchtiger .... und doch ist manches Mal und in manchen Situationen -  nur mit einem gegenseitigen Grinsen - alles gesagt. Hab´ mich auch mal wieder gefreut heute morgen - die "Süße" zu treffen. Eine feine, weite Seele.

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