Donnerstag, 18. April 2013

Ich muß ja nicht bleiben ....

... fiel mir heute ein bzw. zu.
Es ist zwar noch kein neuer Weg in Sicht - aber immerhin ist schon so eine Einsicht was für sich wert.
Nach einem knappen Jahr hier - habe ich feststellen dürfen, daß mir die Stadt überhaupt nicht (mehr) fehlt.
Im Gegenteil. Bin ja immer noch dort unterwegs, um meinen Lebensunterhalt zu bestreiten - aber auch das klappt immer weniger in den vergangenen Monden. Und - wie schon öfter geschruben, bin ich wirklich jedesmal am Abend froh, wenn ich wieder rausfahren kann. Und freue mich auf die Wälder rundum. Auf eine Art "Weite".
Allerdings - merke ich besonders in dieser Woche, wo die Nachbarn erstmals wieder ausgeflogen sind und ich alleine hier mit denen im Haus bin, mit denen kein normales Auskommen mehr möglich ist - daß ich einst wohl doch etwas Anderes gesucht hatte - als solchen permanenten "Kleinkrieg".
Dazu kam - eine andere Form solchen sinnlosen "Kleinkrieges" in der Limousine neulich. Und oben drauf eine Begegnung, die mir bis heute nachhängt: Eine junge Mutter mit ihrer 11-Monate alten Tochter, die Kleine hatte Augenkrebs. Ein quietschfideles, aufgewecktes, sehr angenehmes und kluges, kleines Wesen - noch ohne "Ich-Bewußtsein" und glücklich. Die junge Frau nannte mir ihr Fahrziel - und ich fragte explizit nochmal nach - weil  die Möglichkeit einer Straßennamens-Verwechslung bestand - ok .... wir fuhren also gen äußersten Norden, gute Fahrt für mich. Dann, schon fast am Ziel, fragte diese - ob sie "Soundo-Straße" gesagt hätte? Nein - war meine Antwort -ich hatte extra nochmal nachgefragt. Es stellte sich heraus, daß sie ganz woanders hin wollte - von hier aus quasi zum anderen Ende der Stadt. Sie hatte sich vertan - und meinte etwas wie - das sei typisch für sie in letzter Zeit. Daraufhin fragte ich sie, für mich selbst überraschens, wie alt denn ihr Kind sei? Sie schien mir einfach - gestreßt. Und darufhin erzählte sie mir die Geschichte von diesem kleinen Mädchen mit dem Augenkrebs - welches binnen ihrer 11 Monate auf diesem Planeten schon eine solche Odyssee hinter sich gebracht hat - wie sie die meisten Menschen wohl kaum erleben. Als ich von den heftigen "Chemos" hörte und davon, daß sie bereits ein Auge verloren hat - war´s schon zu spät. Ich habe mir was weggeholt - und bin krank geworden. Habe nicht aufgepaßt - und mich nicht "geschützt". Bs heute muß ich täglich an dieses kleine Wesen denken - und an die Tortur, der es ausgesetzt ist. Die jungen Eltern inklusive - die in ihrer Not auch nichts Anderes wissen - als diese heftige Behandlung mit übelstem Gift zuzulassen. Das hat mich - umgehauen. Ebenso wie der Charme dieser kleinen Dame - die noch zauberhaft lächelte zum Abschied.
Das blöde Arschloch zuvor - mit dem ich aneinanderaten war - weil er eh auf Krawall gebürstet war - hatte schon mal Tür und Tor geöffnet. Und der häusliche Unfrieden mitsamt aller sinnloser Feindlichkeit - tat ein Letztes.
Immer, wenn ich an die süße Kleine denke - muß ich fast heulen.
Und auch diese jungen Eltern - haben es wahrlich schwer.
Dabei hatte ich noch gedacht -- als ich Mutter und Tochter am Hotel einludt - schon wieder so eine verwöhnte junge Mutter mit reichem Ehemann - meine Vorurteile eben. Geld haben sie wohl glücklicherweise genügend - um inzwischen Spezialärzte in der Schweiz zu konsultieren. Dieses Kind - bekommt nun das giftige zeug - direkt hinter´s Auge gespritzt. Und ich könnte kotzen. Nicht nur - für die Kleine - sondern gleich für alle mit, die ich fahre und die auf den Dreck hoffen, an dem Andere sich goldene Nasen verdienen - obwohl ja wohl inzwischen bekannt sein dürfte - daß "Chemos" i.d.R. so gar nichts mit Heilung zu tun haben. Es sei denn - der Glaube versetzt hier die Berge.
Habe also nicht gut aufgepaßt - auf mich.
Sonst wäre ich nicht krank geworden.
Andererseits - ist es mal wieder eine recht klare Botschaft für mich - was alles nicht im Lot ist.
So gesehen - ein Segen.
Und heute fiel es mir dann ein: Ich muß ja hier nicht bleiben.
Und ich will auch gar nicht bleiben - in solcher Situation.
Das Experiment - endlich aus der Stadt wegzuziehen - ist jedenfalls gelungen, trotz aller unerwarteten Unbilden - und fühlt sich grundsätzlich sehr gut an. Sicher gibt es noch einen weit besseren Ort, der bereits auf mich wartet.
Einen - an dem die Seele endlich mal in Frieden sein kann.
Einen - an dem der dünne Krebspanzer nicht ständig auf der Hut sein muß.

Zwei Jahre waren seinerzeit veranschlagt für diesen Ort - rein intuitiv.
Kann aber auch gerne weniger sein - ich hasse es - in sinnloser Anfeindung zu weilen.
Die Blumen draußen - sind auch schon eingegangen - nachzwei Tagen.
Hatte sie gegossen, vielleicht übergossen?
Und abends - waren sie ersoffen - nach nochmaligem Überguß der seltsamen Nachbarn.
Die leere Gießkanne - ganz weit unter die Treppe geworfen.
Ne - das macht alles keinen Spaß.
Gut - es wenigstens schon mal klar zu haben.

3 Kommentare:

Ich will...... hat gesagt…

aber lass dir noch ein bißchen zeit, liebe sati!
vielleicht hören wir ja bald irgendwo im netz von einem "reich" für leute wie uns, wo wir unseren "bauwagen" dazu stellen können. infos bitte an mich!

Sati hat gesagt…

Ich denk´s mal an .... Blockhütten-Siedlung mit Häuserabstand und geminschaftlicher Feldbewirtschaftung oder so. Masuren soll ja beiwpielsweise sehr schön sein - und noch viel Platz haben. Und inzwischen ist der Winter da wohl auch nicht mehr länger. Dazu noch ein gemeinsames "Kochhaus" - wo natürlich auch gemeinsam gespeist werden kann - aber nicht muß.
Und: Pflanzen Pflanzen Pflanzen .... und viele Hunde und Katzen und vielleicht ein paar echte Esel - neben den Menschen.
Sowas in der Art?
D- scheint mir inzwischen etwas eng - außer vielleicht oben in Mecklenburg irgendwo. Ein quasi verlassenes Dorf - wo man die verbliebenen Alten locker mitversorgen und was von ihnen lernen kann.
Träume sind schon schön manchmal.
Liebe Grüße, Sati

Ich will...... hat gesagt…

ja, das ist gut.
mecklenburg und brandenburg (meine heimat) bieten noch verlassene dörfer.
wir schaun in bälde.
m.