Ich "lade" eine relativ unscheinbar anmutende Frau, schwer zu schätzen vom Alter, vielleicht 5 Jahre jünger, vielleicht 5 Jahre älter als ich. Vielleicht sogar eine von diesen, die mit 60 noch total jugendlich aussehen, obwohl sie beige tragen. Wir grüßen uns freundlich und gehen auf Fahrt. Sie spricht. Sehr leise und mit halb geschlossenem Unterkiefer, durch die nicht geöffneten Zähne. Ich muß regelrecht lauschen, um sie zu hören.
Sie spricht über´s Wetter - was ich größtenteils nicht tue mit den Fahrgästen. Aber sie spricht nicht davon, wie die meisten, daß das Wetter so schlimm sei, der Regen, alles grau ... blabla .... sondern wir sind uns gerade einig, daß die Erde den Regen dringend braucht, der da endlich kommt. Wir wissen beide, daß es ein Segen ist, wenn es jetzt regnet. Viele Ernten sind schon vertrocknet, andere erfroren in diesem Frühjahr. Regen - bringt eben Segen!
Sie weckt meine Neugier, da sie eine sehr "trockene" Art hat, so leise, wie sie spricht. Stille Wasser sind tief. Ich lausche weiter ....
Wir fahren zu einem großen Areal in der Kolonie, auf welchem die Alten ihre restlichen Tage verbringen, wenn sie nicht genug Kohle haben, um sich ein schickeres Wohnheim zu leisten. Städtisches Gelände, der Betreiber immer noch die Stadt Köln, glaube ich zumindest ....
Auf diesem Areal verrichtet meine Kundin ihre Arbeit. Sie leistet Gartenarbeit. Schwerstarbeit. Auf den Knien. Trockene Erde macht es nicht leichter. Ich lausche. Während ich lausche, wird sie lauter - worüber ich mich freue, denn da kommt ihr Feuer rein in ihre Erzählung.
Am vergangenen Freitag hat sie also viele Stunden damit verbracht, sogenanntes "Unkaut" zu jäten, auf den Knien. Zwischen den Steinplatten und so ... Ja, das kenne ich. Akribische Arbeit. Es handelt sich um einen dieser "1-Euro-Jobs", mit denen der gemeine Hartz-4-Sklave sein Salär aufbessern darf - auf dem "2. Arbeitsmarkt".
Und dann, erzählt sie, kam da nach ein paar Stunden schwerer Arbeit so ein Typ, der das auch noch kontrollieren wollte - und da ist sie fast ausgerastet. Ich habe mich inzwischen verliebt in diese Type .... und lausche weiter, laut lachend. Sie sagte daraufhin zu ihrem Kollegen "Wenn der jetzt auch noch anfängt zu meckern, schmeisse ich sofort alles hin und gehe!" (Rate mal, was der sagt? Genau:"Das kannst du doch nicht machen!")
Gut so - denke ich bei mir - rede aber nicht viel. Sage nur einmal, es wäre besser, wenn es diese Jobs gar nicht gäbe und die Leute von vorneherein ordentlich bezahlt würden. Ja - sieht sie auch so. Und erzählt mir dennoch davon, wie begehrt diese 1-Euro-Jobs seien und - ich staune mal wieder !!! - die seien so begehrt, daß sie jeweils für ein Jahr begrenzt seien. Damit dann die Anderen, die auch gerne wollen, auch mal drankommen ....
Aha?
Hmmmh ....
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