Montag, 9. Mai 2011

Eine meiner schwierigeren Übungen ...

... habe ich nun bewältigt, wenn auch nach vehementem und jahrelangem Widerstand:
Ich mußte einsehen, daß ich versagt habe
Im Leben. Auf ganzer Linie. In allem ....
Und nun, nachdem der Widerstand wegbröselte, fühlt es sich sogar ganz gut an, fast erleichtert.
Anbei meine Tageskarte dazu von Judith Bärtschi, deren erbauliches und lebensfreundliches Orakel ich schon mehrfach weiterempfohlen habe hier im Raum.
Inzwischen bin ich also in Frieden mit der Tatsache - nichts "erreicht" zu haben (auf materieller Ebene und was "gesellschaftliches Ansehen" betrifft ...).    
Es ist nämlich sehr zweischneidig: Einerseits kann ich einen erstaunlichen Biss entwickeln, wenn mich etwas wirklich packt - und dann kann ich geradewegs drauf zugehen und mich darin quasi auflösen ... und andererseits kann ich jederzeit wieder alles loslassen, da halt nichts von echter Bedeutung ist.
Ein schönes Bild dafür ist mein derzeitiger Broterwerb als Limousinenlenkerin. Dieser beinhaltet die vorgenannte Ambivalenz und immer wieder darf ich sie spüren - wie ich schon mal schrub, es ist eine Art "Hassliebe". Übrigens nicht nur bei mir persönlich, ich beschreib´s nur hier im Äther ab und an.  
Aber etwas sehr Wichtiges, Ergänzendes dazu:
Die Profession des Taxifahrers bzw. der Taxifahrerin, der ich nachgehe ... ist eine derart unerschöpflich mit Vorurteilen und Ressentiments jeglicher Couleur beladene - daß mensch nach ein paar Jahren ja sozusagen zu sich selbst finden muß - bei all dem Stuss, den wir da immer wieder (über "uns") zu hören bekommen!
"Der Taxifahrer an sich" ist ja der immer wieder vorgezeigte Prototyp des Loosers schlechthin, das Klischee von Haus aus ..... und sogar die mit dem ganz krummen Buckel ("nach oben buckeln und nach unten treten") freuen sich, daß da jemand auf der sozialen Leiter noch weiter unten zu stehen scheint.  
Bis heute wirft man einem ehemaligen deutschen Aussenminister Josef Fischer seinen Spitznamen, die in der Jugend getragenen Turnschuhe und seinen Broterwerb als Taxifahrer wie ein Schimpfwort vor. "Der ehemalige Taxifahrer, hahaha ..." heißt es immer wieder. Andererseits wird unsere Zunft gerne von Polit-Talkshow-Clowns  dazu verwendet, die eigene Volksnähe darzustellen. Sie sagen dann "Gerade auf der Fahrt hierhin habe ich mich noch mit dem Taxifahrer über xy unterhalten ...."

TaxifahrerInnen gelten nichts - und dienen - vermeintlich - allen Deppen jeglicher Schichten als eine geräumige  Projektionsfläche für den (vielleicht bevorstehenden eigenen?) sozialen Abstieg. Immer noch.

"Wer nix wird -  wird Wirt ..
un´ wenn de dat nit packs - jeihste op die Tax" ....
Das war ja überhaupt der Spruch, der mich vor nun etwa 20 Jahren und seinerzeit Mitinhaberin einer gastronomischen Einrichtung, veranlasste, diese Limousinen-Prüfung überhaupt zu machen. Mit Auszeichnung, versteht sich (siehe oben zum Stichwort "Biss") ... als Fallschirm, den ich erst viel viel später nach vielen anderen Geschichten öffnete, nachdem ich schon gar nicht mehr dran gedacht hatte, daß ich diesen Schein noch im Gepäck habe.

Ein Kollege von mir hatte mal so einen netten Aufkleber auf dem Heck seiner Limousine angebracht, auf dem stand "(A)soziale Randgruppe". Selbstredend handelt es sich um einen symphatischen Menschen mit Fähigkeit zur Selbstironie.

Nun fahre ich ja schon einige Jahre - und ich muß sagen: Trotz jeglichem Frust, trotz aller Unbilden und trotz der permanenten Unsicherheit, ob denn heute auch genügend Umsatz reinkommt .... trotz Stress, Dreck und Lärm auf den Strassen, trotzdem Du mit Menschen konfrontiert bist, die du sonst sonst nie getroffen hättest (gerade deswegen ....) ... trotz Hitze, Kälte, "Warten auf Godot" und vieler anderer "Kleinkriegsschauplätze" .... trotzdem ich mich viele Tausende Male weggewünscht habe - war ich nie zuvor in einer besseren Schule.
Mit-Menschen.
Ich kann das sagen heute abend - es war ein reicher, voller Tag .....  mit vielen Begegnungen im Moment.
Danke! 

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