Montag, 30. Mai 2011

Draussen 1

Seit ich denken kann, habe ich mich dort herumgetrieben, was wir "draussen" nennen. Ich war schon als 3-Jährige den ganzen Tag draußen - auf dem Hof, der zum Glück groß war. So mit spätestens 5 - habe ich auch vor dem Haus gespielt, bin dort z.B. permanent Rollschuh gelaufen. Eines Tages kam mein Vater plötzlich auf einer Vespa dahergefahren und rief mir zu: "Komm mal her - steig auf, wir fahren eine Runde." Ich stieg mit Rollschuhen auf und hab die Fahrt genossen.
Seit meiner Einschulung bin ich praktisch - bis auf den ersten Tag- allein zu Fuss zur Schule gegangen. Trotzdem ich in einer gefährlichen Gegend lebte, in der sich wenige Monde zuvor die Erwachsenen abends nicht auf die Strasse getraut haben, wegen einer Akut-Umzingelung durch die damals sogenannten "MauMau´s" ...   und zahlreicher Schlägereien. Mußte mich auch durchaus manchmal zur Wehr setzen gegen miese hinterfotzige Attacken - einmal wurde ich mit zerkauten Erdnüssen vollgerotzt und flog in die Matsche auf dem Schulweg Danach - habe  ich diese Angelegenheiten fast  immer diplomatisch lösen können. Und ich habe festgestellt, daß ich keinerlei Angst vor niemandem habe - wenn ich wirklich wütend bin.
Ich blieb draußen, habe es geliebt, immer draußen zu sein - zu jeder Jahreszeit. Trieb mich viele Jahre mit knapp Hundert anderen Leuten in einem Park herum. Der "harte Kern" drehte sich etwa um 10 Leute, manchmal 15 .... wir trafen uns wenig später sehr oft auch bei mir zuhause bzw. in diesem recht kleinen Raum in der Wohnung meiner Eltern, in der ich ja lebte. Ich habe meine Eltern seinerzeit sehr geschätzt dafür - daß ich ständig die Bude voll hatte, haben durfte ..... Sie haben sogar noch (antialkoholische) Getränke und Häppchen serviert für uns.
Und wenige Male - wenn ich sicher war, daß sie weit genug weg sind, habe ich noch ganz andere Parties in ihrer Wohnung organisiert und gefeiert - übrigens als Zwillingssonne schon immer mit dem Hauptaugenmerk darauf, wie man die verschiedensten Raupen friedlich und wohlgesinnt zusammenbringen kann und wie spannend es ist, vermeintliche Gegensätze zusammenzubringen.

Allerdings - und darüber war ich sehr lange sehr sauer - hat meine leibliche Mutter nie angeklopft, sondern aufgrund ihres "Hausrechtes" ist sie einfach so mit ihren Wohltaten hereingeplatzt in unseren kleinen Raum. Übelste Kontroll- und Herrschsucht. Mein Vater war davon eher frei - allerdings war er - wenn auch selten - radikal schonungslos, wenn er jemanden nicht riechen konnte. Das - habe ich sicher von ihm.

Jetzt - habe ich scheinbar eine ganz gute Balance, um mehrere Perspektiven zu sehen: Meine sehr weit geöffneten Spielräume bei diesen mich aufziehenden Menschen, die mir sicher viele Freiheiten gelassen haben - weit mehr, als "üblich" zu der Zeit bzw. für ihre Generation - 1921 und 1927 geboren. Indoktriniert - von allen Seiten - und über mehrerw Generationen!

Damals - mußte ich zwar auf diversen Wegen für mich kämpfen - dennoch war mir klar, daß ich im Grunde sehr gutherzige Menschen erwischt hatte, die mir Raum geben und mich nicht sinnlos "bestrafen" wollten ... Maßregeln - war das Thema. Maßregeln - und somit begrenzen ..... schllimm genug für mein Naturell. Ich lasse mich bis heute nicht wirklich maß-regeln, bleibe maß-frei bzw. will das meine selbst festlegen und keineswegs durch Andere gesetzt bekommen.

Trotz Kontrollsüchten und diesem Nicht-Respektieren meines Raumes in ihrer Wohnung .... war ich seinerzeit echt sehr zufrieden mit diesen Eltern, die mich meist weit laufen ließen und immerhin neugierig waren auf den Umgang ihrer Tochter, um sämtliche Freunde und Bekannte täglich zu beherbergen. Es war ein offenes Haus bzw. eine offene Mietwohnung - wenn wir nicht wieder alle draußen waren ...

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