Ich fahre zum Privat-Puff im Viertel. Kriege natürlich mal wieder den Puff, den ich am liebsten gar nicht mehr kriegen täte. Das Gesetz der diametral-entgegengesetzten Anziehung quasi - oder so. Bin aber ganz guter Dinge an diesem frühen Sonntagmorgen und fahre das Bordell entspannt an. Es regnet Bindfäden ... naja, Regenwasser macht
ja bekanntlich schön. Der Fahrgast kommt sogar zügig aus dem Etablissement dieses Mal, sehr erfreulich. Manchmal brauchen sie länger, ziehen sich vielleicht noch an oder lassen sich nochmal schnell bedienen von den Damen, wer weiß das schon so genau?
Ein kurzer Typ mit kurzen Hosen taucht auf, eher stämmig und mit einer richtig dioptrinstarken Brille - oder sind es Glasbausteine? Er schaut zu mir rüber und dabei etwas hoch - ich bin länger als er und kann auch sehr streng schauen. Tue ich aber gar nicht, frage nur, wo er denn hin will? Zum Dingens-Platz will er. Ok. "Ich habe aber gar kein Geld - hahaha ..." lacht er sich eins mit östlichem Akzent. "Na", sag ich, "dann fahren wir auch nicht."
Doch doch ... sein Kollege würde kommen - mit Geld - und bezahlen. Na gut, dann fahren wir mal. Mal sehen, was passiert. Das habe ich schließlich öfter - und in der Regel sind sie ehrlich, die Leute.
Nein, eine Unterhaltung möchte ich lieber nicht mit ihm, ich antworte einmal freundlich aber bestimmt auf ein wenig Smalltalk und gebe kein weiteres Signal zum Sprechen von mir. Er ist sturzbetrunken, aber sehr friedlich dabei. Schaut nochmal von der Seite zu mir rüber und ich amüsiere mich im Stillen ... sicher hat er Angst, weil ich so einen strengen Eindruck machen kann ... Ein sehr chaotischer aber durchaus symphatischer Typ, den ich mal aus der Krankenhaus-Ambulanz abholte, nachdem er nach einer Schlägerei verarztet worden war, meinte, ich würde ihn an eine befreundete Domina aus Frankfurt erinnern. Seither muß ich immer an diesen Spruch denken, wenn die Herren so zaghaft von der Seite rüberschauen ...
Der Kopf des kleinen Mannes fällt nach vorne und ich denke "Ne, komm, jetzt nicht auch noch einschlafen." Ich frage nochmal laut und rein taktisch das Fahrziel ab, um ihn wachzuhalten bis dorthin. Es ist nämlich manchmal nicht leicht, die Herren wieder wachzubekommen, wenn sie ins Koma gefallen sind. "Jaja, genau .... Dingensplatz. Ich habe gar kein Geld - hahaha ....." lacht er sich wieder eins.
Ich denke so bei mir: "Gut, daß ich keine Prostituierte geworden bin und ihn bedienen muß.Was für ein Albtraum!" Andererseits - verstehe ich gut, daß der ja auch mal gern zum Zuge kommen will und denke daher ebenso: "Hoffentlich hat er wenigstens Spaß gehabt und ist ordentlich bzw. nachhaltig verwöhnt worden ..." Nicht, daß ich für Prostitution plädieren wollte, aber durch meinen Beruf habe ich halt mittels der Limousine er-fahren, daß es keine reissenden Bestien sind, die die Liebesdienste der Frauen in Anspruch nehmen. Manchmal eher "arme Würstchen". Oder trefflicher: Alles eben, was es so gibt an Männern. Besonders auch die, die eheliche Treueschwüre abgaben. Hahaha .... Ach ja, genau: Es wird auch gelacht im Puff. Nein, es ist sicher nicht alles traurig dort. Hart bestimmt - aber nicht immer traurig. Das alles - sind auch nur Vorstellungen und das wahre Leben - geht immer anders.
Dieser hier telefoniert zwischendurch noch auf seinem Handy und erklärt seinem Kollegen auf polnisch oder tschechisch oder wasweißich, daß er gleich bitte ausgelöst werden möchte .... nicht, daß ich die Worte verstehe. aber ich höre es dennoch heraus. Außerdem sagt er einige Male "Curva" und das heißt "Nutte" im Osten - weiß ich noch von Reisen und weil es oft als Fluch gebraucht wird. Ein drittes Mal vermeldet er treuherzig-lachend "Ich habe gar kein Geld, hahaha ...."
Als wir zum Ziel kommen, steht schon sein Kollege da, etwa zwei Köpfe größer und eher die Kategorie "hochgewachsener schlanker attraktiver Mann". Der kommt breit grinsend zur Limousine herüber, löst seinen Kollegen bei mir aus - hallelujah - und empfängt diesen dann laut lachend mit einer freundschaftlichen Umarmung.
Hahaha .....
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