Mittwoch, 18. Mai 2011

Aufprall der Kulturen - sanft - mit Airbag

Bekomme einen Auftrag für einen Krankenfahrt. Hole ein türkisches Ehepaar an einem Krankenhaus von der Chemo ab. Hat bischen gedauert - die Verkehrsführung wurde geändert. Das - kann in der Kolonie stündlich passieren. Jetzt bin da, gut. Sie sitzt hinten, eine ältere Frau mit Kopftuch, ich vermute mal, daß sie nicht viel deutsch spricht. Ihr Gemahl sitzt vorne neben mir und spricht relativ gebrochen deutsch. Er beginnt ein Gespräch - oder ist es wieder so eine Art Fragestunde?  
Also - erst mal erzählt er zumindest etwas von sich und so erfahre ich, daß er 35 Jahre bei Ford gearbeitet hat und jetzt in wohlverdienter Rente steht.
Ob ich schon lange Taxi fahre?
Die Kollegen - fahren immer anders rum.
Ist mir wurscht - ich fahre so.
Wir kommen  sehr gut durch - so gibt es keinerlei Einwände.
Er fährt jetzt seit drei Wochen jeden Tag - hin und zurück - und ich sei die erste Frau, die sie treffen.
Tja .... denke ich so bei mir ... da siehst du mal, wie gut du mit Frauen fahren kannst -
wenn du willst.

Er will - ist nicht voreingenommen.
Nur gesprächig.
Fragt die üblichen, kulturell geprägten Fragen -
nach Familie, Ehemann, Kindern
und so...

Ich habe alles nicht.
Findet er komisch.
Sagt er jedenfalls.
Erst mal.
"Ah, warum immer diese Freiheit?"
Hmmmh - ich schweige.
Ich setze eins drauf und sage:
"Keinen Mann, keine Kinder,
die ganze Familie tot und -
keine Haustiere!"
Er meint noch
sowas wie
"Schlimm!"
Ich antworte
sowas wie
"Nicht unbedingt."
und lache.

Dieser 75-jährige türkische Mann begreift plötzlich und lacht mit.
Er begreift, wie leicht das Leben auf diese Weise sein kann.
Redet mir von Freiheit.
Davon, wie gut es sein kann, niemandem etwas erklären zu brauchen ....
Wir lachen ....
Nein - meine Telefonnummer
kann ich ihm nicht geben -
ich fahre nicht jeden Tag.

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