Natürlich wollte auch ich noch das Kleid sehen, welches ein eigenes Zimmer bewohnte sowie die gestern früh via Radio-Äther verkündete rote Uniform des vermeintlichen "Prinzen" (uahaha - "meiner" sieht wahrlich anders aus ...). Das habe ich bereits gestern abend erledigt, mit einer kleinen Hochzeitstorte in Form eines Petit Four und einem Kölsch (so heißt der Champagner hier in der Kolonie) dazu.
Jetzt aber mal ernsthaft: Wie absurd ist das, wenn eine etwa Million Menschen tatsächlich winkend am Strassenrand "ihren Monarchen" zujubeln, in einer Zeit, in der es immer heißt, wir lebten in demokratischen Verhältnissen. Es ist sicher u.a. diese Konditionierung durch die alten Märchen, die so ein seltsames Feld erzeugt, in dem Milliarden von Menschen medial mitgehen, aufgehen, für einen Moment, diese Prinz-und-Prinzessin-Geschichte, die den Kinderherzen und -hirnen eingemüllt wird und die sich i.d.R. nicht bewahrheiten wird.
Besonders aber scheint es mir eine Sehnsucht nach einem Gemeinschaftsgefühl zu sein, dieses Eintauchen in ein (in unseren Tagen medial erzeugtes) Energiefeld, in dem man sich "irgendwie wabernd verbunden fühlt". Hierbei - spielt es übrigens nicht wirklich eine Rolle, was genau geschieht. Der Haupt-Fokus liegt schlicht auf dem vermeintlichen Erleben von "Gemeinschaft", "Dabeisein", Verschmelzen", "Sich-selbst-verlieren-dürfen" ... und hier in der Kolonie finden ja solche wabernden Vereinigungen über das ganze Jahr statt: In Kostümen wie Karneval, Fussball (Extra-Spezial-Phänomen "KFC" !!!), Papstbesuch, Köln-Marathon, Rund-um-Köln, Gay-Olympiade, CSD ..... etc. pp.
Jegliche Massen-Bewegung und/oder Hysterie ... erklärt sich mir heute so. So einfach.
Und beginnt beim Ortsverein.
Je rigider die "Auswahlkriterien" - desto kränker ist der Geist von Angst besetzt.
Angst - treibt das Machtbestreben der "MachthaberInnen" an.
So ... jetzt wieder entspannt weiter mit den Royals ....
Eine meiner Lieblings-Erklärungen zu diesem speziellen Prinz-und-Prinzessin-Phänomen brachte ein Herr vorgestern morgen in einer Radio-Sendung zu der Frage, was denn eigentlich so interessant sei an diesem Hochzeits-Ereignis: Er punktierte es darauf, daß die meisten von uns immer noch pubertieren und nie erwachsen geworden sind. So sehe ich es auch bei diesem "Royal-Wedding-Event", wie schon geschruben oben: Es bedient die Märchen der Kindheit. Unerfüllte Kindheitstraumata. Hier - ergibt sich wieder ein Bezug zu den karnevalistischen Tagen in der Kolonie: Die kleinen Mädchen - also jetzt die kleinen vierjähirgen ebenso wie die 40-jährigen - laufen immer noch unerschüttert in Prinzessinnen-Kostümen durch ihre mentalen Welten. Ja, und - Ritter und Prinzen schienen stark wieder im Kommen in der vergangenen Session. Aber mal Hand aufs Herz und vielleicht den Verstand als Helfer eingesetzt: Was hat diese Inszenierung mit dem (Beziehungs-) Leben zu tun?
Die philantropische Ader, die sich mir eröffnet beim Anschauen der sebsterklärten Eliten, die nicht arbeiten gehen und sich vom Schweiss der vermeintlich Dummen nähren: Sie sind eben auch nur blöde.
Und sehen auch so aus in ihren seltsamen Kostümen, Uniformen und Hüten.
Wackeln und grinsen genauso blöde rum, wie jeder drittklassige Hip-Hopper auf der Strasse (siehe den kleineren Prinzen neben seinem Bruder bevor die Braut naht).
Das Paar selbst - scheint auch kaum mehr verbale Fähigkeiten aufzuweisen, als sich permanent gegenseitig "Wow" zuzukauen im Bad der Menge, ob in der Kutsche oder dem Balkon.
Rein faktisch habe ich eben etwas sehr Wichtiges gelernt aus diesem Kommentar einer Hofberichterstatterin zum Einlauf der Geladenen: "Sie hat einen winzig-kleinen Fascinator im Haar ... und das gilt (als Hutersatz)." Da bin ich ja beruhigt, daß das gilt, wo ich doch auch sowas trage - um gut zu sehen während der Fahrt.
Ein banaler fuck-tischer Nachtrag noch für alle Hartz-4-Looser: Die diversen HofberichterstatterInnen erfreuten sich in diesen Tagen eines Tageshonorars von etwa 10 bis 12 Tausend Pfund.
Schäm dich - du arbeitsfauler Multi-Minijobber, daß Du nicht auf deine Füße fällst !!!
Die Reaktionen der Menschen in der Limousine gestern haben mir schon Spass gemacht. Zwar war nicht allzu viel los, doch habe mir einfach immer mal wieder ein Späßchen erlaubt zum "Hochzeitstag" und/oder nachgefragt, ob sie denn das Ereignis verfolgen, die Kunden. Morgens fuhr ich eine abgearbeitete, ältere und magere Frau, die meinte "Tja, allzu viel haben wir ja nicht davon ...."
Am Abend dann fuhr ich jemanden, mit dem ich viel Spaß hatte zum Thema und der aufgrund einer Art wohltuenden Vernachlässigung in der Kindheit mit diesen Märchen keinen rechten Vertrag hatte.
Auch von Extra-Spezial-Parties erfuhr ich ..... Frauen, die sich freigenommen haben und das "Event" gemeinsam live vor den Bildschirmen feiern und verfolgen. "Public Viewing" also etwa.
Auch im britischen Generalkonsulat in Düsseldorf feierte die vermeintliche Prominenz und sich selbst für eine solche haltende Elite das Ereignis - mit einer originalgetreuen Kopie der Hochzeitstorte.
Vielleicht wäre es ja ganz gut, zum "Original-Direct-Live-Living" zurückzufinden ....
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