Montag, 25. April 2011

Inspirierende Fragen ...

.... mag ich sehr. Vor über zwei Monaten fragte mich eine wilde Wildgans in einem freundlichen Kommentar zu diesem Taxi-Post eine sehr interessante Frage .... die lautete so:
Wildgans hat gesagt... (auf ihrem Namen geht es natürlich auch zum poetisch- erbaulichen Blog der Wildgans) "diese arbeitsbedingte reizfülle muss enorm sein. können sich die männlichen ausüber des berufs eher abschotten oder murmeln die alles in ihr bier?"  Eine trefflich-amüsante Frage! 
Damals antworterte ich nur, daß es dazu einen Extrapost bedarf.  Und ich trug diese gute Frage im Geiste mit mir während meines Limousinenlebens. Danke für die Frage noch einmal - explizit!
Seither - traf ich auf einige sehr liebenswerte dieser Kollegen, die mir auf all meine Fragen antworteten, ohne daß ich sie gestellt hätte. Sie kamen einfach, wurden quasi "zutraulich" (ich kenne Männer ohnehin so - wenn ich mich nicht verschliesse, weil ich ihnen nicht zuhören will ), und erzählten so einiges, was sie bewegt.
Gerade gestern hatte ich Tränen in den Augen, als mir wieder einer von sich erzählte, mit dem ich mich seit Jahren nur gegrüßt habe. Meistens sind es Tränen vor Lachen, wer Taxi fährt und schon so lange wie dieser Kollege zum Beispiel, der sollte wirlich drüber und über sich selbst lachen können, sonst macht es krank (wie vieles andere auch ...).  Dennoch offenbarte sich auch die knallharte Geschichte  eines ehemaligen Chemie-Facharbeiters, der krebskrank wurde von dem Dreck und in all dem Gift, in dem er auch sehr lange gearbeitet hat, und dem die ehemals renommierte deutsche Firma mit heute anderlautendem Namen - daraufhin nach drei Monaten kündigte. "Ja, die gehen über Leichen". Ist schon über zwei Jahrzehnte her, heute geht es noch ganz anders ab.
Ich erfuhr von den abgeschlossenen Studiengängen diverser muslimisch-abstämmiger Kollegen - mit Auszeichnung abgeschlossen und alles selbst-geschrieben - die keinen Job gefunden haben. Aber das ist ja bekannt, das auf den Limousinen alle möglichen Menschen und Schicksale sitzen. Es sind ja auch ein paar Tausend Menschen hier in der Kolonie ....

Die Frage von der poetischen Wildgans bezog sich ja auf einen möglichen, konkreten geschlechtermäßig-zuortbaren Unterschied im Umgang mit, zum Beispiel, "Reizüberflutung". Meine seither von mir immer nur via mentaler Vibration und nie verbal gestellten Fragen bezogen sich jedoch hauptsächlich mehr auf die situativ-vielfältigen emotionalen Befindlichkeiten der Kollegen.

Ich fasse es mal sehr kurz zusammen:
Gefühle und Emotionen der Kollegen (und Kolleginnen) auf bestimmte Situationen sind sehr ähnlich.
Meines Erachtens gibt es in unserer Branche ein Erleben, welches nicht in männlich/weiblich klassifiziert werden braucht. Wenn, dann nach verschiedenen Charakteren - die sind natürlich schon unterschiedlich. Was mir als Person völlig egal ist und vorbeigeht - bringt andere zur Weissglut - und umgekehrt.

Dennoch - braucht es als Basis eine ganz bestimmte Art von Werkzeug, welches am besten legiert ist aus solchen Eigenschaften wie Gelassenheit, Geduld, Humor, Interesse, vielleicht Neugier .... Du kannst dein Werkzeug immer wieder verfeinern, veredeln, vielleicht ein wenig umschmieden ...  dennoch- wird es nie perfekt sein.

Manches Mal habe ich mich - dann auch aus ehrlichem (eigen-) Interesse deutlich rückfragend und somit verbal  - gewundert über die alten Hasen, die sich noch nach einem Vierteljahrhundert oder mehr über die gleichen banalen Dinge ereifern, wie ich - als "junge Spundin" mit gerade mal 7 Jahren - und wo ich doch schon soviel gelernt zu haben glaube, manchmal, also, wenn es gut läuft.
Wie? Scheisse ..... oder?
Du weißt es nie, wie heute .... alles wurde gut und ich hätte wirklich gerne hingeworfen nach acht Stunden ..... 

Auf meine Frage, wie man(n) sich denn bitte nach soooooo langer Zeit immer noch über die gleichen Dinge aufregen/ereifern kann, kam die ebenso simple wie einleuchtende Antwort, daß es ja schließlich um Miete und Essen geht. Ich ergänze - es ist die Lebenszeit, die mit Warten verstreichen kann, wenn Du zuwenig Kreislauf hast, um sie sinnvoll zu nutzen. Jedes Mal wieder warten, hoffen, harren ....

Im Hoffen und Harren - erkennt man den Narren.
Über den Narren - möchte ich nun lieber nicht  philosophieren .....
 
Ja, viele sind müde, sehr müde, noch sehr viel müder, als ich dachte ....
Ja, die Knochen tun weh.
Ja, das frühe Aufstehen fällt schwerer, fangen wir eben ein bischen später an .....
Ja, auch die Kollegin, die in der Statistik des Unternehmens ganz oben steht, weil sie immer die besten Umsätze fährt, ist müde und ausgebrannt. Ganz ohne jegliches Übergewicht, eine sehr drahtige, gertenschlanke Person .... und dennoch geht die Energie flöten, wenn mann/frau 11 bis 12 Stunden sitzt, wartet, jeden Tag "Lotterie spielt" und nicht wirklich in die Gänge kommt (ähm - jetzt nicht wegen der Automatik-Fahrzeuge, diese Technik ist Gold wert für unsere Gelenke !!!)  - Und noch immer kein Wort  über die "Reizüberflutung"?

Ich lass es mal so hier stehen .... und arbeite einfach ein bischen an diesem Post.
Die inspirierende und liebevolle Frage von der wilden Gans (s.o.) nehme ich weiter mit, danke dafür.

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