Samstag, 22. Januar 2011

Manchmal verliebe ich mich ....

... auf Anhieb in der Limousine. Heute - war es wieder einmal so. Und heute war es ein Mann. Manchmal sind es auch Frauen. Geschlecht und/oder Alter spielen beim Verlieben in der Limousine keine Rolle. Es ist die Energie der Menschen, in die ich mich verliebe. Fremde Menschen auf sehr engem Raum - sind sehr gut spürbar. Charme, Witz, Intelligenz, Humor, Scharfsinn, Lebenserfahrung, Beherztheit, Großzügigkeit, Interesse, Neugier, Lebendigkeit .... all das schwingt.
Und - siehe oben - ist völlig alters- und geschlechtslos.
Es geschieht nicht jeden Tag, daß ich mich verliebe, aber es geschieht. Manchmal sogar viele Male an einem Tag. Und es geschieht öfter und ganz anders als im anderen Leben - denn ich weiß ja, daß die Begegnung nur von sehr kurzer Dauer ist, und so - kann ich sie einfach geniessen. "In der Kürze liegt die Würze."  fällt mir eben ein.
Heute - war es ein Mann, der wohl im Allgemeinen als "ein alter Mann" bezeichnet werden würde.  Den Charme, Scharfsinn und Humor, den er versprühte - werden die wenigsten heute 20-jährigen in ihrem Leben zu verschenken wissen. Es war ein "alter Mann", mit dem ich gerne noch viele Stunden weiterhin scherzend und sinnierend verbracht hätte. Ein Mensch, der etwas zu erzählen hat. Und schweigen kann. Ein Mensch mit Tiefe- und notwendigem Witz. Und jetzt aufgepaßt: Auch noch ein echter Kölscher. Aber mit höchstem Niveau.
Abgeholt habe ich ihn mit seiner Tochter und seinem Schwiegersohn am historisch berüchtigten Friedhof der Kolonie, wo sie von einer Trauerfeier kamen. In der Limousine kochte es ein wenig hoch, weil wohl einiges schief gelaufen war während der Feiern und Reden - man war anderer Meinung als der Pfarrer und andere Vortragende, es ging um viel Menschliches ... je länger es ging, desto mehr mußte ich innerlich lachen, weil es mich an die eigenen verqueeren Erlebnisse auf den vielen Beerdigungen erinnerte, denen ich beigewohnt habe. So lachte ich also irgendwann laut ..... und der ältere Herr fragte mich, ob ich sie auslache? Nein - ich lache immer nur über die Tragikomik des Lebens. Habe eine Anekdote beigesteuert, die Beerdigungsrede für meinen Vater betreffend, dessen Vorname "Hans-Dietrich" lautete - und der Pfarrer sagte "Unser lieber Hans-Dietrich  ..... Achtung: Genscher ...." . 150 Menschen in betroffenem Schweigen, ich schaue mich um im Saal, sitze ja als Tochter in der vorderen Reihe und drehe also meinen Kopf, um als 16jährige Rebellierende in all diese versteinerten Gesichter zu schauen, die so tun, als häten sie nichts bemerkt. Und vieles mehr an dem Tag ...
Dieser beeindruckende Mensch äußert nun in der Limousine seinen Nachkommen gegenüber (die ebenfalls sehr angenehm sind), daß er es gut fand, daß jemand in einer Rede einmal Bezug auf das Jenseits genommen habe - was u.U. an seinem Lebensalter liegen mag - die Jüngeren im Fonds der Limousine regen sich lieber über viele Banalitäten auf.
Was mich so verliebt machte, war seine Mischung  aus wirklich scharfsinnigem Humor, sprühendem Charme  und Tiefgang. Siehe oben - all das war raumfüllend, ein Genuss! Werde sicher noch viele Male an ihn denken, wenn ich durch die City fahre - er wohnt mittendrin.
Übrigens - hatte das Paar im Fonds viel Vergnügen an unserer "Neben-Konversation" vorne
Und  - gab es erstaunlich viel zu lachen auf einer relativ kurzen Fahrt - nach einem relativ traurigen Ereignis.

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