Heute fuhr ich eine Dame im sich verdichtenden Schneeregen und bereits bei Dunkelheit zu einer Feier. Sie sprach mich auf meinen Job an und insbesondere darauf, daß Taxifahren im Winter wohl ein rechter Horror sei. Ein Bekannter von ihr fährt auch - und erzählt ihr so einiges aus seiner Sicht. Ich erwidere etwas wie "Das kommt immer darauf an, wie man es betrachtet. Es ist ein sehr gutes Nerventraining ..." und meine das in gewisser Weise sogar so. Schneematsch, Glatt- und Blitzeis ist nochmal eine Art Spezial-Nerven-Training. Und besonders natürlich, wenn andere Menschen mit in der Limousine sitzen. Beispielsweise auch, wenn Mütter einsteigen mit ihren Babies, die sie im Arm halten, beim Kinderkrankenhaus .. und ich darf die gar nicht so mitnehmen, weil in diesem Land ein "Maxi-Cosi" vorgeschrieben ist, eine Hartschale, die angeschnallt werden muß. Darüber darf Mensch erst gar nicht nachdenken ....
Dieses Jahr zeigt sich das Leben bezüglich des Spezial-Nerventrainings schon früh von seiner großzügigen Seite. Dazu noch ein paar nervenstählende Kotzbrocken und diverse Existenzsicherungsprojekte - ein reichhaltiges Training. Allerdings - gilt mein Mitgefühl nun wieder besonders den Menschen, die die Nachtschichten fahren. Und auch den vielen Rettungsdienstleistenden, Versorgenden, Ärzten. Etc. pp. .... Dagegen habe ich quasi entspannte Bedingungen.
Richtig herzerwärmend heute: Mein Geschäftspartner, der Limousineninhaber und -betreiber (einen Chef habe ich ja nicht), ruft an und erkundigt sich, rein menschlich interessiert, wie es denn so aussah gestern und in der Nacht - wegen den angekündigten Katastrophen.
Und auch sonst gab´s wirklich nette Begegnungen- neben den ohnehin chronisch-notorischen Kotzbrocken.
Ich erinnere mich noch gut an einen Sonntag-Nachmittag - oder war es einer der Weihnachtsfeiertage? - im letzten Winter, an dem ich in der City quasi alleine unterwegs war, mit "Monopolstellung" ... kein anderes Taxi irgendwo eingeloggt an irgendeinem Halteplatz und weit und breit auch keines mehr zu sehen. Frischer Schnee auf allen Strassen der Kolonie. Kein Mensch draußen, der nicht mußte - nur weißes Pulver überall.
Auch heute dachte ich mir - eh alles Kismet in diesem Leben. Wenn nicht heute, dann vielleicht morgen - oder erst in vielen Jahrzehnten. Obwohl es schon feststeht - bleibt es doch spannend.
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