Montag, 20. Dezember 2010

In der Kolonie gibt es kein Salz ...

... zum Streuen der vereisten Strassen. Auch die meisten Bürgersteige vereisen immer wieder - obwohl viele  Menschen diese tapfer freischaufeln. Heute nachmittag blieb ich stehen und unterhielt mich mit einer Dame, die zum wiederholten Male den Bürgersteig freischaufelte und -hackte, weil alles vereist war. Sie schaute mich an, ich las in ihren Augen und lachte - über die Situation und sie an, nicht aus. Sie fragte mich "Haben Sie noch Kraft?" und erzählte vom täglichen Schneeschaufeln. Ich erzählte ihr vom Rutschen mit der Limousine über festgefahrene Eisplatten. Als ich nach fast einer Stunde zurückkam, traf ich sie immer noch auf der Strasse und sagte "Gehen Sie mal lieber rein und erholen sich - dies ist der Radweg.".  "Ach so ...." sagt sie. Sie hatte sich vielleicht schon in Trance geschaufelt ...

Im Fernsehen laufen tausend Sondersendungen, Katastrophenberichte auf allen Kanälen. Viel Geschrei.
Ich stelle mir vor, man würde stattdessen aufbauende Nachrichten senden, zum Beipiel über gut funktionierende Projekte oder Übungen zur Gesundheitsvorsorge, vielleicht Yoga oder Selbstmassage oder .... oder etwas irgendwie Herzerwärmendes senden - und das Geld für die Katastrophen- und Wetter-Sondersendungen in Streusalz und in die Strassendienste investieren. Dies dann natürlich über die Grenzen der Kolonie hinaus, über NRW hinaus, bundesweit und weiter, überall dort, wo es aktuell not-wenig ist. Ich fände das sinnvoll. Weit sinnvoller, als LKW-Fahrverbote und überfüllte Krankenhäuser zum Beispiel. Auch sinnvoller als auch in diesem Winter wieder propagierte Rufe nach Zwangsarbeit für Hartz-IV-Empfänger.

Übrigens, für alle neurotisch-diktatorisch veranlagten Dogmatiker und Leutetreter: Ich bin sicher, daß ein Aufruf zur frei-willigen, also freien und willigen Mithilfe beim Freischaufeln durchaus Früchte tragen könnte. Und was die vielen Menschen betrifft, die es nicht (mehr) alleine schaffen, die Bürgersteige freizuhalten: Manchmal hilft auch Nachfragen, ob die Nachbarn mal mithelfen können. Ich habe meinem bereits gesagt, er möge mir bitte mitteilen, wenn er Hilfe braucht dabei.

In einem Blog-Kommentar las ich heute, daß eine Frau irgendwo eine halbe Stunde auf der Strasse im Schnee nach Hilfe gerufen haben soll, nachdem sie gestürzt war, ohne daß ihr geholfen wurde von anderen Passanten. Das - kann ich mir sehr schlecht vorstellen in der Kolonie. Denke, wir heben uns gerne gegenseitig auf hier. Heute fiel mir wieder ein junger Mann fast vor die Füße, haha .... ne, war nicht wirklich lustig, die Straße war sauglatt! Und ich hätte ihm sofort eine Hand gegeben .... wie auch anderen Mitbewohnern.

Letzte Woche hörte ich im Kiosk, daß die Stadt Köln zwar keinen Strassendienst ans Laufen bringt - aber die Bürgersteige kontrolliert, ob sie von den Bewohnern geräumt wurden.
Derlei zweierlei Maß - läßt mir ja den Kamm anschwellen!

Also - wo ist das Salz, Leute? Letztes Jahr hat es doch nach ein paar wenigen müden Anfängen wirklich gut geklappt?!
Und wo ist das Salz - nach den Erfahrungen vom vergangenen Winter?
Welche Pappnase hat da Planungs-
und Bevorratungsverantwortung?
Gebt mir den Job - ich kann es nicht schlechter machen!

PS:  Eben heißt es im WDR, es gebe eine gute Nachricht für die Kölner Autofahrer - die Stadt habe nun 3.600 Tonnen Salz für die kommenden Wochen nachbestellt. Daraufhin werde ich einige Hallelujah´s und Hosianna´s ertönen lassen - sowie hoffen, daß die Bestellung auch zügig eintrifft und ebenso großzügig auf die Strassen geworfen wird, wie Kamelle zu Karneval.

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