Dienstag, 25. November 2014

Wer nirgendwo zuhause ist, kann überall hingehen ....

.... diese Tage vernommen in "Jauche und Levkojen" - und mich gewundert. Hatte ich das Gleiche vor etwa zweieinhalb Sonnenjahresläufen gedacht und gesagt, als ich hier angelandet war.

In der Nacht zum Totensonntag führte mich eine Traumreise in die weite Landschaft des einstigen Ostpreussens- und ich fand mich dort glücklich wieder, frei und unbeschwert. Umgeben von allem, was ein Mensch wirklich braucht. Und nichts von dem war dort - was ein Mensch nicht braucht.

Am Morgen stand ich neben dem Fahrkasten - und fing plötzlich an zu heulen vor lauter Sehnsucht. Ich habe Jahre nicht mehr geheult ..... und es war ein einsamer Warteplatz - zum Glück. Ich heulte - wegen dieser Schönheit und Weite - die ich nachts zuvor so lebendig erlebte.
Und noch wegen einer ganz anderen Kraft - die plötzlich wieder auftauchte. Ich heulte über - eine "Pferdestärke". Die mir einst mehr als gereicht hatte - im weiten, freien Land. Mit der ich frei flog .... über alle Hürden.
Und fand mich - völlig absurd und pervertiert - hier an der Tür mit angeblich vielen "Pferdestärken" wieder - die niemals auch nur eine solche sein können.

Freier Ritt also - auf freiem Pferde - mich bei Bedarf jederzeit abschütteln könnend, doch freundschaftlich duldend und tragend, durch freies Land - mit frei fliegenden Haaren und Mähnen - im frei fliegenden Winde.  Wilder freilaufender Hund - mitgaloppierend.
Freilebende Gänse -  wild daherschnatternd.
Katzen links und rechts - unaufgeregt im Traume mitreisend. 


In der sogenannten "Jetztzeit" also  - eine recht erbärmliche Ersatzhandlung meinerseits - für den einstigen eigentlichen Ritt zu Pferde .... und vielleicht auch eine dünne Erklärung dafür - wieso ich immer noch oft unerbittlich fahren kann ....  manchmal - nicht mehr immer.
Manchmal - möchte ich wahrlich gerne aussteigen - aus der Kiste ... in der es immer wahnwitziger wird.
Und nur noch - für mich alleine - ab und an - in Ruhe mal "ausreiten". 

Über Tag erreichte mich dann ein ganzes  "Geschenkpaket" der ostpreussischen Ahnen - und ich bestellte mir drei Bücher. Einen Bildband aus der einstigen Zeit, "So zärtlich war Suleyken" mit Dorfgeschichten von Siegfried Lenz (hatte bis dahin immer gedacht, Suleyken sei eine Frau ...) und zuletzt noch das Buch über die Vertreibung von vielen Millionen Deutschen aus den Ostgebieten vom Herrn Nawratil - zu einem Teil der gar nicht alten Geschichte, für den ich bislang gar keine Sensoren hatte. Erst in jüngster Zeit "schwant" mir, daß es nicht unbedingt die "gerechte Strafe" nach einem grauslichen Krieg gewesen sein könnte, wie ich früher schlicht annahm, sondern womöglich und höchstvermutlich auch ganz anders gelaufen sein könnte.

Und in jüngster Zeit vernehme ich lauter als zuvor - etwas von einer Geschichte der Ahnen, die mit Heimatlosigkeit und Wanderung, mit Flucht zu tun hatte. Niemand sprach einst mit mir darüber, niemand erzählte mir etwas dazu zu Lebzeiten. Sie haben stoisch geschwiegen und ihren Schmerz alle mit in die Gräber genommen. Aber das heißt nicht viel - heißt nicht, daß sich das "Feld" aufgelöst hat. Im Unsichtbaren geht sowas nicht einfach verloren und bricht sich irgendwann wieder Bahn - egal, wie lange geschwiegen oder etwas Anderes erzählt wurde oder wie die vermeintlichen "Sieger" sich die Geschichte zurecht geschrieben haben mögen.

Dies gilt natürlich für alle Geschichten - nicht nur für die deutsche.
Ich denke da zuvorderst an die "Ausrottung" von Millionen Ureinwohnern auf dem amerikanischen Kontinent - der überlebende Rest lebt bis heute in "Reservaten" - kann man auch "KZ" nennen - und auch an die Versklavung von Millionen Afrikanern - wieder von den selbigen Landnehmern - die bis heute nichts Anderes können, als Krieg, Mord, Totschlag, Vernichtung und Übel über die Menschen zu bringen. Und die sich immer noch als Heilsbringer feiern. Schon erstaunlich.

Aber mal zurück zu meinen Ahnen: Irgendwo in der Bibel steht sowas, daß Menschen bis in vierte Glied "verflucht" sein sollen. Nicht, daß ich das für bare Münze nähme, - im Gegenteil - weiß ich doch sehr genau, daß alle diese Religionsschriften von solchen zurechtgeschruben wurden, die heute befleißigt an TTIP u.a interessiert sind .... aber ich nehme es mal rein symbolisch daher:
Wenn ich mir das aktuell so ansehe - könnte man sagen, die jungen Leute auf den Mahnwachen - sind die fünfte Generation, von meiner Großmutter aus gesehen. Und diese sind gerade dabei - ganz andere Wahrheiten und Gegebenheiten herauszufinden und auszusprechen - als bislang verkündet wurden.

Sie wissen - daß es keinen Friedensvertrag gibt bis heute und daß Deutschland demnach immer noch besetztes Land ist. Sie wissen, daß es keine gültige Verfassung gibt. Sie wissen - daß "Zinseszins" immer nur zu Zerstörung und nie zur Gesundung führen kann. Sie wissen - daß der Planet komplett mittels völlig absurdem  "Firmenrecht" vereinnahmt werden soll. Sie wissen - daß Politiker gekauft und installiert sind und die Strippenzieher woanders zu finden sind. Sie wissen - daß was ganz Neues her muß.

Auf dem großen Kontinent überm Teich - oder auf denen über die Teiche - wissen sie inzwischen ebenfalls, daß sie sich neu strukturieren und zusammenfinden müssen. "Brics" - ist ein Stichwort.  

Sie wissen alle viel mehr - als ich einst - die ich ja ebenfalls hirngewaschen wurde wie soviele Andere - in einer ganz anderen Zeit geboren. Und sie bringen es ans Licht. Oder so: Sie leben in einer Zeit, in der es leichter geworden ist, sich aus der Hirnwäsche besser: Hirnverschmutzung zu lösen - und viele tun es gerade - jetzt!

Da können die Ahnen noch soviel geschwiegen haben einst - teils zutiefst gebrochen, deprimiert, beschämt und für Unmenschen und "ewige Nazis" erklärt - bis heute - bis in die fünfte Generation. Teils zu recht - großenteils wohl nicht.  In der fünften Gemeration jedenfalls - jetzt - zerbricht und zerbröselt die "olle Nazikeule". Ebenso wie über den großen Wassern - die einstige Mut- und Kraftlosigkeit.

Und ich staune nur - wie lange und wie sehr diese so gar nicht ehrenwerte "Gesellschaft" Einfluß zu nehmen gedacht hatte auf mich und das, was ich wirklich denke .... wie geschruben, selbst einst recht hirngewaschenverschmutzt - allerdings nicht allzu tiefenverschmutzt - eher meistens alleine in der Waschtrommel - von je her.

Heute denke ich - wie einst - es kann ja wohl wirklich nicht richtig sein - den deutsch-geborenen Menschen auf diesem Planeten ewiglich eine Art "Allein- und Kollektivschuld" zu verpassen für alles Übel - und derart von der eigenen Geschichte und unzähligen "Völkermorden" abzulenken.
Aber ich denke es - tiefer. 

12 Jahre "Drittes Reich" - bis heute als alleiniges Merkmal für eine weit ältere Geschichte herzunehmen und einen "Volksstamm" für alles Übel der Welt veantwortlich zu machen - um von sich selbst abzulenken. Was für eine "Installation"!  Ganz großes, schlechtes Theater - besonders, wenn mensch mal nachschaut, wer das (und den Hitler) einst finanziert hat.
Zwar dachte = wußte ich das schon immer, gefühlt quasi - aber im Laufe der Zeit vertiefen sich die Dinge.
Eigentlich ist es mit Vielem so: Ich komme immer wieder an ursprüngliche Themen - doch anders - und - siehe oben - "tiefer".

Mit meinen einstigen Leuten kann ich darüber nicht mehr direkt sprechen - ich hätte viele Fragen heute - aber ich staune immer wieder, daß es doch eine Ebene gibt, die nicht sichtbar aber spürbar ist, und auf der die Antworten herübergereicht werden.

Diese Ausflüge in einen Abschnitt der Vergangenheit - mache ich nicht freiwillig - sie werden mir ebenfalls "herübergereicht".  Und für einige Jahresläufe hatte ich mir explizit Ruhe davor erbeten. Hatte genug Beerdigungen von Kind an beigewohnt und die Schnauze voll davon ..... von den Toten. Dachte nach der letzten - die meiner Erzeugerin - jetzt ist es aber mal gut! Ich will jetzt auch endlich Ruhe - vor Eurer Vergangenheit! Das ist nun schon wieder viele Jahre her - und ich hatte damals noch keinen Schimmer - wie lebendig diese in die Jetztheit hineingreift. 

Jetzt - habe ich so ein komisches Gefühl - als wenn sowohl die Toten als auch die noch Ungeborenen in die Gegenwart hineinreichen - und diese mitgestalten. Oder so - es geschieht eben alles zur gleichen Zeit - im gleichen Augenblick - und in allen Dimensionen. Und es sortiert sich alles - wie es sein soll.

Der fünften Generation - obliegt die Sortierung in der Welt - und wie sie sie neu gestalten.

Ich habe nichts weiter zu tun - als nochmal den Schmerz zu spüren, der weit in die Gegenwart hineinreicht - und das reicht mir auch als Aufgabe. In meinem "Falle" wurde eine Generation ausgespart - und so habe ich manchmal das unbestimmte Gefühl, ich habe gleich ein "Doppelpack" aufgebuckelt bekommen.Vieleicht gar ein dreifaches Päcklein - denn da gibt es wohl noch jemanden - gefühlt - der nie das Licht der Welt erblickte. Ein einst ungeborener Bruder. Manches mal verrieten sie sich - indem sie seinen Namen sagten - von ihm, der nie ankam.  

Dieser Satz "Wer nirgendwo zuhause ist, kann überall hingehen" ist ein trefflicher. Und im Grunde gilt er für alle Menschen - seit ewigen Zeiten. "Heimat" ist so ein nostagischer Begriff - und eine solche, so es sie für manche geben mag in ihrem Empfinden, ist immer nur temporär zu finden. Bei den eigenen Leuten sehe ich ja über den Wimpernschlag von wenigen Hundert Jahren - daß sie auch keine Heimat in Ostpreussen hatten - kurz zuvor waren ihre Leute ja aus Frankreich gekommen. Und hatten wohl temporär geglaubt, daß sie dort sowas wie eine Heimat hätten - bevor sie weiterwandern mußten.

Jemand sagte vor Jahren zu mir: "Du wirst schon noch merken, daß es kein Zuhause gibt." Und ein anderer schrieb es mir auf - wir schruben eine "Fortsetzung" auf Papier - einer fing an, der andere schrieb die Geschichte weiter ..... und dort las ich sowas wie "Und dann sah ich - daß es kein Zuhause gibt - und ging von nun fröhlich und frei meines Weges."
Irgendwann hörte ich mich selbst sagen auf die Frage, wo ich mich zuhause fühle: "Ich bin immer dort zuhause, wo ich gerade bin". 

Frage ich aber meine "Seele" - zieht es mich immer wieder in eine ganz bestimmte Landschaft und in eine ganz bestimmte Gegend - in der ich zeitlebens noch nie war - und diese ist mir ganz sicher herübergereicht, mitgegeben  worden von der einstigen Mischpoke.
Heute morgen schickten sie noch zwei Fenster mit wunderschönen Eisblumenfedern rüber als Gruß ....(guckst Du oben - sieht aus - wie surreal - war aber da - und das ist ja immer die schönste Qualität am sehr sehr frühen Morgen - wo sich die Welten noch nicht "ent-schieden" haben und sanft übergleiten ....)

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