Samstag, 1. November 2014

Limousine versus Fahrkasten ....

... oder: Wie sehr mensch sich doch gewöhnt.

Die Limousine ist futsch - seit gestern gibt es einen nagelneuen Touran.
Vor ein paar Tagen verabschiedete ich mich noch von der guten Limousine, als ich sie das letzte Mal abschloß - und bedankte mich für ihre zuverlässigen Dienste.

Von der anderen Limousine durfte ich mich ja ebenfalls bereits verabschieden - diese läuft neuerdings für die neue Zentrale - und ich bin ja glücklicherweise nicht für diese "geschult worden" (Hahaha .... seit Oktober eine Art selbstständiger Witz unter den restlichen paar Tausend, die jetzt quasi "unterqualifiziert" sind.)

Ab sofort also: "Fahrkasten". So ein Touran - ist eben kein Mercedes. Und sonderlich ästhetisch mutet er nun einmal nicht an - eher sperrig, vor allem die Heckklappe - daher fiel mir auch lediglich das Wort "Fahrkasten" für diesen ein.  Selbst, wenn ich nach anderen Bezeichnungen suchen würde - es käme höchstens noch sowas wie "Seifenkiste" oder "der mit der kurzen Schnauze" .... tatsächlich wurde ich darauf erst hellhörig - als eine andere Kollegin neulich meinte - ein Mercedes biete einfach die bessere Pufferzone im Falle eines Aufpralls. Stimmt - da fehlt was - man fühlt sich fast nackt. Sehr gut erinnere ich mich an meinen allerersten Tag und den ersten Eindruck einst in einer alten Mercedes-Limousine: "Is dat hier ein Panzer?"

Und dabei - hat er viele Vorzüge, der Fahrkasten.

Er ist - viel geräumiger innen, die Sitzposition ist erheblich gesünder, man kann ganze sechs Leute mitnehmen, die Ladefläche ist groß, er läuft auch als Kombi und hat Vorderrad-Antrieb. Er verbraucht erheblich weniger Sprit und ist in der Anschaffung deutlich günstiger. Auch die älteren Menschen haben inzwischen für sich gelernt - daß das Einsteigen viel leichter ist, als in einen Mercedes: Sie können ihren Popo quasi als erstes beim Einsteigen rückwärts plazieren und dann ihre Beine hinterhernehmen - ebenso besser kommen sie auch wieder raus aus der Kiste.
Lauter Vorteile also  .... und dennoch: Eigenartige Wehmut.
Es ist eben - kein Mercedes.

Mal im Ernst - der Fahrkasten ist einfach lange nicht so wendig und auch nicht so übersichtlich wie eine Limousine. Man muß halt viel mehr kurbeln - und so eine Limousine läßt sich locker mit einer Hand rangieren.
Außerdem - und das ist eigentlich das "Verrückteste" bei der Vergleicherei - hat sie einfach viel mehr Stil!
Was immer das ist.

Viele Jahre gehörte ich auch zu denen - die ernstlich sagten: Ein Taxi - muß eben ein Mercedes sein. Das fängt schon mit dem Türenöffnen und -schließen an.
Heute weiß ich - das ist Unsinn - aber dennoch halte ich irgendwie dran fest. Innerlich ...

Gestern also Schlüssel-Transfer am Abend - mit dem Kollegen der Nacht. Über Tag wurde alles umgerüstet und abends holte ich die Schlüssel für mich und die Kollegin ab.
Er war nun erst seit wenigen Stunden mit dem nagelneuen Fahrkasten unterwegs - und gar nicht glücklich darüber,
"Seit zwanzig Jahren - fahre ich Mercedes" - sagt er ..... und muß sich gerade noch ein- und umgewöhnen.
Der Schmerz über den Verlust ist spürbar. Und ein gewisser Widerstand.
Ich meine noch - er hat auch viele Vorteile ...... aber so ganz überzeugend kann ich das auch nicht rüberbringen.

Später will ich noch auf dem Rückweg der Kollegin ihren Schlüssel einwerfen - treffe diese dann aber im Supermarkt und spare mir einen Weg. Die Welt ist klein. Dachte vorher noch "Vielleicht triffst Du sie ja im Supermarkt" .... und schon tauchte sie auf. Sie kauft sonst nie dort ein.

Die ist ebensowenig begeistert über den neuen Fahrkasten. Hatte sogar einst angedroht, sofort zu kündigen, falls der Unternehmer tatsächlich so eine Kiste "unter Niveau" besorgt. 
Naja - sag ich nochmal - er hat auch viele Vorteile. Ich versuche es wieder - aber es klingt immer noch nicht überzeugend.
Obwohl ich doch weiß - er fährt auch. Übrigens auf der Autobahn sogar sehr gut (da sind wir nur nicht so oft ....).

Ich hebe noch hervor - daß es sich viel gesünder sitzt in dem Kasten. Aber auch das - klingt nicht wirklich enthusiastisch - wie ich selbst höre.

Mit den Gewohnheiten ist es schon eine ganz seltsame Angelegenheit - stelle ich in diesem konkreten Falle mal wieder fest. Besonders aber auch - mit dem "Dünkel" .... Mercedes ist halt Mercedes. Und wenn  mensch sich noch so sehr die Knöchel drin verdreht.

Nun - tröstlich, mit solchen Unsinn nicht alleine zu sein und zu merken - daß die beiden offenbar noch mehr dran knapsen - jetzt mit so einem "Fahrkasten" unterwegs zu sein.

Mit dem neuen fahre ich erst morgen - und dann werde ich ihn erst mal freundlich begrüßen - auf gute Zusammenarbeit. Vielleicht fällt mir ja morgen doch noch ein schöner Name für ihn ein .....

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