Mittwoch, 8. Oktober 2014

Wenn eine zu Freunden reist ...

... kann sie sich trefflich spiegeln. Hier: In Kontrasten.
Zwillingssonne trifft auf Stierfrau und Krebsmann - und staunt, womit die sich gerne umgeben. Die Stierfrau bevorratet und hortet, was das Zeug hält. In einem großen, alten Haus mit knarrenden Bodendielen, über drei Etagen - das Entree mitgerechnet - und zwei großen Terrassen. Dazu noch ein Keller, der ein Geheimnnis blieb - weil ich nicht hineindurfte. Ich hatte vermutlich schon zu laut über die anderen Vorräte gelacht und durfte deshalb nicht mit runter. Einen Dachboden gibt´s auch noch - aber ich fragte nicht mehr nach einer Besichtigung.

Dort wird also gewohnt, gelebt und geliebt und gestritten, geplant und strukturiert. Das Haus steht in einem Schweizer Dorf - welches für mich eher wie eine kleine Stadt aussieht  - und man fährt von dort aus zum Einkaufen nach Deutschalnd und Österreich, weil dort die Lebensmittel viel günstiger sind. Mit einem neuen Wagen - vieles muß mit dem Auto erfahren werden - oder mit dem Schweizer Postbus. Fährst Du ein wenig hoch, bist Du in den Bergen. Fährst Du runter, kommst Du an den herrlichen Bodensee.

Alles ist sehr ordentlich in der Schweiz - und fast schon steril. Auf den Straßen ist es ruhig, niemand krakeelt oder lärmt. Die Haustür braucht mensch nicht abzuschließen, Geschäfte lassen ihre Waren beruhigt über´s Wochenende vorm Geschäft auf Regalen stehen, ohne diese zu sichern. Es gibt keine Diebe weit und breit.
 
Zwei alte Städte habe ich mir angesehen auf Ausflügen - Chur und St. Gallen. Städte ohne Hektik. Alles ruhig und "behäbig". Eher wenige Menschen unterwegs, viel Platz. Nur in der Mittagszeit beleben sich alle Restaurants, und von diesen gibt es erstaunlich viele. Die Schweizer pflegen in der Mittagspause in ein Restaurant einzukehren und zu speisen - der Gastronomie geht es gut dort.

In den Altstadtstraßen dieser Städte bzw. "Städtchen" zahlreiche Einzelhandels-Geschäfte mit Kleidung und Handtaschen, jede Menge Schmuckgeschäfte, Galerien und kleine Läden mit extraordinären Geschenkartikeln oder mit erlesenen Möbelstücken. Alles erlesen und hochpreisig. Ich fragte die Freundin - ob das wirklich jemand kauft und die davon leben können? Sie weiß es auch nicht, bis heute. Sie ist vor fünf Jahren in die Schweiz gegangen - wegen der Liebe - und versteht bis heute auch nicht immer - wie das alles funktionieren kann.

Einmal Haareschneiden für Damen beim Coiffeur  macht übrigens locker mindestens 80 Franken - beim Günstigsten. Sie fährt nach Österreich rüber dafür .....

Viel wird über Geld gesprochen. Allerdings - klagen sie auf hohem Niveau über die Preise - denn die Schweizer erhalten ein Salär, von dem die Mehrheit im deutschen Lande nicht einmal zu träumen wagt. So habe ich es ihnen dann auch kurz ausgerechnet: Ja, es ist alles teurer, klar. Doch unterm Strich lebt es sich auf einem Niveau - welches hierzulande lange Geschichte ist für viele. Ebenso - wie das ganze Ambiente. Irgendwann - konnte wollte ich es nicht mehr hören. Es war so absurd - Klagen von Menschen zu hören, die soviel mehr davon zur Verfügung haben.

Ein paar wenige Ladenketten haben es sich auch in der Schweiz eingerichtet, doch die Mentalität der Menschen ist lange nicht auf "Lidl" oder "Aldi" ausgerichtet - sie kaufen lieber woanders ein und die Supermarkt-Ketten sind recht leer. Erstaunlicherweise gibt es diese auch erst seit wenigen Jahren dort - die Schweizer haben eine sehr eigene Vorstellung von ihrem Land und lassen lange nicht zu, daß sie zugemüllt werden mit fadem Einheitsbrei von Außen.

Kurz - eine ganz andere Welt - und Kultur.
Nicht meine - für mich ist es dort zu "steril" und "ordentlich" - ich könnte mir nicht vorstellen, dort zu leben - weil´s mir nicht recht lebendig erscheint.
Aber mensch kann sich auch täuschen - wenn Besuch kam, staunte ich, wie lebendig sie dann doch sind, diese Schweizer - wenn sie sich treffen und zu erzählen beginnen. Zwar gibt´s auch Behäbige - aber ich traf auch auf viel Temperament. Die Mischung machts.

Und a bissele Schwyzerdütsch - hon i a gliert .... isch scho a gonz a ondre Sproach ......

Eine knappe Woche stellte ich erstaunt fest - wieviel über Geld gesprochen wurde. Was alles teuer sei und billiger im Nachbarland. Wie teuer doch die Mieten seien. Und wieder rechnete ich mal kurz vor - daß diese wohl teuer scheinen, jedoch umgerechnet gerade etwa ein Drittel vom Gesamt-Salär ausmachen. In Deutschland zahlst Du oft mehr als die Hälfte Deines Salärs nur für´s Wohnen.
Die "Krankenversicherung" (was für ein Wort) - ist günstiger als in D - und auf den Straßen sah ich gar große Plakatwerbung für homöopathische Mittel. Die Schweizer haben einen anderen Bezug dazu - und in den Apotheken kann man sich gar feine Mischungen machen lassen nach Paracelsus. Es gibt sehr viele Heilpraktiker und "Alternativ-Medizin". Ja - das Vitamin-C kostete etwa das Zweieinhalbfache wie in Deutschland - aber was macht das schon - wenn das Salär mindestens fünf Mal so hoch ist?

Bei einem schönen Ausflug zu einer Rheinschlucht - mit beeindruckenden Bergen rundum - machte ich schlapp und hatte keine Kraft mehr für den Rückweg. Die netten jungen Frauen, die dort in einem Restaurant arbeiten, nahmen mich im Auto mit nach Arbeitsschluß - und wir sprachen kurz über Arbeit und Salär. Sie waren zufrieden. Eine kam aus Mecklenburg und hatte dort für eine Vollzeitstelle mit erheblich mehr Arbeits- und Überstunden gerade mal 800 Euro verdient. Dito ihr Gatte - der ist Koch. Nun arbeiten sie in der Schweiz - und verdienen mindestens fünf Mal soviel - bei moderaten Arbeitszeiten. Eine andere Welt eben. Ein anderes "System" - welches Wert darauf legt, einen betsimmten Standard für die Menschen aufrecht zu erhalten. Und ein gewisses "Image".

Die Freundin wird heute eine neue Arbeit antreten - in einem Asylbewerberheim für syrische Flüchtlinge. Auch die Schweiz hat ein bestimmtes "Kontingent" an Syrern, die aufgenommen werden. Zur Zeit befinden sich auf einem riesigen Gelände in schönsten Gebäuden und einem großen angrenzenden Park etwa 30 Menschen aus Syrien - und die werden von  fast ebensovielen "betreut", bis im November nochmal etwa 30 kommen sollen  - ein Personalschlüssel der komplett entgegen-gesetzten Art zu Deutschland. Fast so absurd wir dieser - nur um 180 Grad verschoben. Ebenso das Salär - extraordinär formidabel. So - geht´s also auch.
Welche Variante menschenfreundlicher ist - für alle Beteiligten - darüber braucht es wohl kein langes Sinnieren. 

Lustig: Die Syrer haben sich beschwert über das "billige Brot", welches ihnen serviert wurde. Es war hochwertiges dunkles Brot - aber das gilt bei den Syrern als billig und für arme Leut. Jetzt - bekommen sie billigstes Weißbrot - und sinds zufrieden.

Wie geschruben - für mich wär´s nichts in der Schweiz. So beeindruckend die Berge, die sattgrünen Wiesen, die Seen und die vielen glücklichen Kühe auch sind, ist es nicht meine Landschaft. Vor vielen Jahren mal war ich in der ganzen Schweiz unterwegs, in allen Landesteilen, bis runter in den Süden. Und schon damals - war´s mir irgendwie zu steril - und stank an manchen Orten, besonders in Genf, nach arg überzogenem Luxus - der aber nichts Lebendiges hatte.

Die Pflege der Kultur dort aber - stände uns hier gut - wenigstens ein Teil davon. So ein "mittlerer Weg" quasi, ein gutes Maß. Besonders auch die Volksabstimmungen.

Bis vor kurzem ging es in dem Kanton, in dem ich zu Besuch war, noch sehr traditionell und "transparent" zu bei Abstimmungen: Man versammelte sich auf einem Platz und stimmte mit den Armen zu den anstehenden Themen ab. Manche hoben gerne mal beide Arme .... aber damit kamen sie wohl nicht wirklich durch. Wahlbetrug also ausgeschlossen - jeder sieht, was läuft. Dazu - viel weniger Verwaltungsaufwand und kein Papier.

Erst vor wenigen Jahren wurde in diesem Kanton darüber abgestimmt - ob die Frauen auch wählen sollen. Lustigerweise heißt es - die Männer hätten fast alle dafür gestimmt - und die Frauen in großer Zahl dagegen. Kommentar einer Bäuerin "Ach - das sollen mal weiter die Männer machen - ich bleib lieber daheim."

Ich hatte Glück in der Woche - am Wochenende war Almabtrieb und Gruppen mit blumengeschmückten, wunderschönen Schweizer Kühen (hellbraune) zogen durch den Ort - die armen Kühe hatten riesige Festglocken um die Hälse, an reich verziertem, besticktem großzügigem Ledergeschirr befestigt. Ein solches Geschirr kostet fast soviel wie ein Kleinwagen - aber die Bauern zelebrieren das mit Stolz. Die Straßen erbebten von dem Glockengeläut. Die Kühe waren sicher sehr erleichtert am Abend - als sie das Zeug wieder los wurden. Aber - es hatte was.

Ein ganz anderes Land also .... mit viel Qualität - wenn man´s mag.

Ein wunderschönes Lied habe ich mitgebracht - 
"Ombra mai fu" von Georg Friedrich Händel.
Aus längst vergangenen Zeiten - in denen es auch in Deutschland noch eine eigene "Kultur" gab. 
Was für eine Stimme .....

Und hier nochmal - ganz anders ... erstaunlich.

Habe jetzt übrigens auch einen "Trick" gefunden - um endlich mal weinen zu können:
Dieser Musik lauschen.
Es wechselt zwischen breitem Grinsen bis über die Ohren über soviel Schönheit - und ein paar Tränen der Berührtheit über diese.
Und: Ich lasse sie mir schenken.
Sie "kostet nichts" - und ist doch so kostbar.  

3 Kommentare:

Lola B. hat gesagt…

Liebe Sati -
danke fuer deinen multidimensionalen Blog. Zum Thema Stierfrau & Krebsmann:
es sind immer the Zeichen vor und nach dem eigenen die uns in puncto Karma am meisten beibringen koennen.
Herzliche Gruesse aus Kalifornien -

Steinbocksonne, Zwillingsmond

Sati hat gesagt…

Hallo, Lola!
Danke für den schönen Gruß und - dann habe ich ja einen Volltreffer gelandet!
(wobei ich selbst den Mond im Wasser nebenan habe ...)

Sehr feiner Satz bei Dir übrigens:
“Die Tuere zu deinem Herzen hat nur eine Klinke. Auf der Innenseite.”

Gruß zu Dir und nach California, Sati

Sati hat gesagt…

PS - pfffff - zu schnell - der Mond isses ja ar nicht .... aber schon was Markantes.