Montag, 20. Mai 2013

Formidabel - simpel - göttlich ...

.... manchmal befällt mich so eine Art Kochlust. Aber - da ich nicht allzu viel essen kann, halten sich die Experimente bislang in überschaubaren Grenzen. Dieses Frühjahr gibt es Soßen-Experimente. Zusammen mit meinen täglichen Spargel-Exzessen - also 6-7 Stangen dieser Königin, wenn ich Zeit zum Kochen habe. Mit Kartoffeln natürlich - manchmal mit frisch-gepflücktem Vor-der-Haustür-Grün - und vor allem mit Soße.
"Echtes Kochen" - habe ich bisher nie gelernt. Also das Basiswissen - wie was genau zubereitet wird. Jetzt werde ich mir ein Kochbuch schenken - Betonung auf "ein" ... scheint ein geniales Buch zu sein, in dem vor allem viel  Basiswissen und zusätzliche Tips beschrieben sind. Nach Rezepten kochen - ist eher nicht meins. Ich improvisiere gerne und experimentiere einfach - also gekocht habe ich schon immer - aber meist freihändig und unwissend - ohne Anleitung. 
Erstmals mit Anleitung habe ich vor ein, zwei Sommern in einem Paradiesgarten und zu mehreren gekocht. Und es gefiel mir außerordentlich gut. Oder vor Jahren mal - als ich noch öfter Parties gefeiert habe mit vielen Gästen - und gerne den ganzen Tag in der Küche gewirbelt habe, um wirklich Leckeres anzubieten. Meistens hat das sehr gut geklappt - sogar sowas wie "Braten-Erst-Versuche".
Bei den Eltern einst - brauchte ich nicht kochen - und niemand hat versucht, mir das beizubringen.
Meine Mutter hat viel gekocht - manchmal auch zweimal am Tag. Einmal für ihre Kinder, wenn diese aus der Schule kamen und dann nochmal abends für den Mann. Später einmal meinte sie zu mir - das würde sie heute nicht wieder tun! Heute weiß ich, wieviel Arbeit das war. Und es hat immer sehr gut geschmeckt. Obwohl ich gerade zu der zeit aufwuchs - in der Fertigprodukte so langsam ihren Einzug in die Haushalte hielten. Ich kam also - eineseits noch in den Genuß von selbst hergestellten Köstlichkeiten - und andererseits auch peut-a-peut in den Genuß von Fertigsaucen mit immer gleichem Grundinhalt und Geschmacksverstärkern. Oder Konserven-Gemüse, vorzugweise Erbsen und Möhren und grüne Bohnen. Also sowas, was mir heute nicht mehr ins Haus kommt. Dennoch war´s immer lecker bei der Mutter. Besonders gut waren die vielen Früchte, Gemüse und Kräuter aus dem eigenen Schrebergarten der Eltern - würde ich heute sagen. Damals hatte ich eher noch keinen "bewußten" Sinn dafür - aber mochte den Garten immer sehr mit all seiner Fülle. Nur nicht die viele Arbeit, die meine Eltern da immer hatten.
Es gab - Erdbeeren, Kartoffeln, Stachelbeeren, verschiedenen Pflaumenbäume, ein selbstgezimmertes Mini-Gewächshaus vom Vater, in dem er Salate zog und noch viel mehr ... alles in Hülle und Fülle, so daß auch die Nachbarn mitkamen zum Arbeiten und ihre Freude an der Ernte hatten. Nach getaner Arbeit - gab es dann den geselligen Teil des Tages. Und zuhause wurden dann die Früchte eingekocht - und in Gläsern im Keller gelagert. Das war seinerzeit noch so - bei der ganzen Mischpoke. Phantastische Kuchentafeln mit selbstgebackenen Torten wurden bei Familienzusammenkünften aufgetragen, nichts wurde mal eben beim Bäcker geholt. Den ganzen langen Tag - wurde gevöllt. Mittagessen, Kaffeetafel und üppiges Abendessen. Mir wird jetzt noch übel, wenn ich dran denke. Und ich erinnere mich, daß ich oft sagte - soviel kann doch kein Mensch in sich hineinstopfen an einem Tag.
Andererseits - weiß ich heute, daß sie wohl eine Art Nachholbedarf hatten, weil sie in kargeren Zeiten aufgewachsen waren und später die Fülle des Völlens genossen. Und den Überfluß. Und heute denke ich auch - wäre auch kein Fehler gewesen - noch von den Alten etwas gelernt zu haben.  Die wußten einfach noch andere Dinge - als wir heute.
Zum Ausgleich für diese unermüdliche Ackerei der Erwachsenen - wünschte ich mir einst einfach ein Blumenbeet - ganz für mich. Für die Schönheit - also die Schönheit - ohne Nutzen. Und bekam eins - setzte Samen ein und freute mich über das Resultat.
Im Grunde - war ich aber immer irgendwie dabei - auch ohne es zu wissen. Mit dem Spaten die Erde umgraben und lockern, die Früchte von den Bäumen und Sträuchern pflücken, Äpfel nach der Ernte einkellern ... was eben so alles getan wird in einem üppigen Garten. Ich hatte es nur - lange vergessen.
Als der Vater starb - verkaufte die Mutter den Garten zügig, an unseren damaligen Nachbarn. Ich war sechzehn und einerseits nicht in der Situation, mich um einen solchen Garten kümmern zu wollen, andererseits doch traurig, daß sie dieses kleine Paradies so schnell abgab. Dazu noch - für ein lächerliches Salär - an einen Undankbaren, der es offensichtlich nicht einmal wirklich zu schätzen wußte. Seine selten blöde Randbemerkung war - da stände ja nicht einmal eine vernüftige Laube aus Beton drauf. Ne - die Laube war noch aus Holz und von meinem Vater zusammengezimmert. Dafür - daß er dort ein feines Sammelsurium an Arbeitsgeräten vorfand und üppige Beete - für das lächerliche Salär - hatte er wohl keinerlei Sinn.
Habe noch sehr sehr oft von diesem Garten geträumt - bis heute immer wieder mal.
Und denke auch über Tag oft an diesen.
Es ist wohl ein Stück Kindheitsparadies.
Besonders auch die große, hohe, selbstgezimmerte Schaukel, die der Vater für uns Kinder gebaut hatte - und auf der ich viele Stunden verbrachte - schon seinerzeit weit weg in einer Art Trance.
Und der Brunnen, zu dem man laufen und das Wasser mit der Hand über den Hebel hochpumpen mußte ... um dann wieder zurückzulaufen mit schweren Gießkannen. Ich tat das immer sehr gerne, besonders das Pumpen hat mir Spaß gemacht.
Als ich mir vor etwa zwei Jahren noch einen Schrebergarten in der Kolonie anschaute - den ich sofort bekommen hätte, als Auserlesene unter bereits zahlreichen nicht-kompatiblen Vorbewerbern - an einem Ort meiner jugendlichen Freiheit und für solche, die die Anlage nicht kennen, nicht zu erblicken - freute ich mich bei der Besichtigung, eine dieser alten Pumpen wiederzutreffen. Ein altes Künstlerehepaar, welches ich mit dem Taxi fuhr und die mir diese Option während des Gespräches in der Limousine eröffnet hatten - hatte eine aus unserer einstigen Gartenanlage herübergerettet.  Ich kannte nicht nur diese Pumpe wieder - sondern auch den "Präsidenten" der komplett aus ehemaligem Urwald selbstgeschaffenen, kleinen und versteckten Anlage. Der erkannte mich auch wieder - nach Jahrzehnten - wir waren einst im gleichen Sportverein als Jugendliche.  Und dieser - hat viele viele Jahre noch weitergemacht und viele Jugendliche trainiert.
So klein ist also - oft die Welt. Du triffst nicht nur Leute wieder - sondern sogar alte Wasserpumpen, die weiterhin erstaunlich geliebt werden.
Ich entschied mich damals - gegen diesen Garten. Es wäre eine Art Ersatzlösung gewesen. Eigentlich aber - wollte ich weg aus der Kolonie. Und nach einem Mal drüber schlafen - fiel es mir zügig ein, in Form einer Panikattacke.
Ich eigne mich nicht wirklich - für eine Schrebergarten-Gemeinschaft.
Bis heute aber - erinnere mich gerne an den langen und ausgiebigen Rundgang einst mit dem "Vereins-Präser", der sich gut zwei, drei Stunden Zeit nahm - und mit mir alle diejenigen in der Anlage besuchte, die gerade anwesend waren. Ich staunte jedes Mal wieder darüber wieder - wie schön und jeweils individuell diese Leute ihre Gärten gestalteten. Jeder für sich - ein eigenes kleines Paradies. Manche sehr ordentlich, andere eher üppig und manche auch wild. Inzwischen auch international - türkische Maulbeerbäume kündeten von den Leuten, die da ihr Fleckchen Heimaterde beackern. Ein Italiener wieder - hatte mit Anderem aufzuwarten - z.B. mit phantastischen Zucchinis, groß wie Kürbisse (sind ja auch welche, haha). Bei den Franzosen fanden sich großflächige Kräuterbeete.
Bei dem Künstlerehepaar - die gerade auch da waren - fanden sich besonders schöne Blumen- und "meine alte Pumpe". 

Aber mal zurück - zum Anfang. Nach einem für mich selbst überraschenden Spaziergang durch die Gärten meiner Kindheit.
Suchte gestern nach einem Rezept mit alten, verschrumpelten Äpfeln, weil ich diese nicht wegwerfen wollte. Und fand eine göttliche Sauce - ratzfatz und einfach, simpler geht´s nicht. Ist der Anfang - für eine Art Projekt, welches da lauten könnte: Was kann ich Gutes draus kreieren - statt es einfach wegzuwerfen?

Also - zwei Zwiebeln und zwei Äpfel kleinschneiden und in Butter weichdünsten. Bissel Wasser dazugeben. Keine Brühe - sonst schmeckt´s nur nach dieser. Sag ich. 200 ml - also einen Becher Sahne reingeben und zwei Teelöffel Senf (den, den Du magst). Würzen - nach Gusto. Ich nehme gerne selbst-angemischtes Masala .... Kräuter - nach Gusto. Köcheln lassen ... und fertig. Eine paradiesische Sauce. Im Himmelsgeschoß ertönten laute "Ooohhh" und "aaahhhh" - Rufe nach vollbrachter Tat. Ca. 15 Minuten Arbeitsaufwand.

Davon - will ich noch mehr lernen.

1 Kommentar:

Astrophil hat gesagt…

"...Meistens hat das sehr gut geklappt - sogar sowas wie "Braten-Erst-Versuche..".
_________________________________

Da tät' sogar ich auf einen genüsslichen Schmaus vorbeikommen..;-)
Und würde natürlich auch den Knoblauch (leider nur aus China erhältlich) mitbringen..*g*...

------>>>>>>

"....Im Himmelsgeschoß ertönten laute "Ooohhh" und "aaahhhh" - Rufe nach vollbrachter Tat...."
________________________________

Die "Untergeschoßigen" werden sich aber was Schönes dabei gedacht haben. Das wird ja dann wieder ein ungemein wichtiges "Ortsgespräch" werden....*ROFL*...

Astrophil

PS:

Wer isst Spargel in der Zeit -
Ist für Lust und Freud bereit...*g*..