Am Wochenende landete tatsächlich am Bahnhof eine junge, schlanke, schöne Soldatin an der Limousine an - im Tarnanzug, mit Tarnrucksack und mit Tarnhelm (wo ich´s gerade so schreibe, frage ich mich auch, was Leute dazu bewegt, sich ständig zu tarnen?!).
Diese junge Frau brachte jedenfalls meine bis dato geführte private Umfrage bezüglich ergaunerter Doktorenwürden ins Wanken, derzufolge bislang 100 Prozent meiner wackeren Mitbürger für einen sofortigen Rücktritt des hinlänglich bekannten Adeligen gestimmt hatten - zweifelsfrei - und: Komisch? ganz das Gegenteil zu den MSM-Umfragen ....
Als sie einsteigt höre ich gerade eine Sendung im Radio zu diesem Thema und so sind wir schnell bei der Sache. Ich sage, mehr im Scherz: "Die reden über Ihren Minister" - und sie antwortet, mehr im Ernst: "Ich stehe zu meinem Minister."
Hmmhh ... zwei Weltalle prallen in diesem Moment aufeinander.
Was ist zu tun?
Erst mal besser schweigen und atmen.
Ja, sie meint das wirklich so.
Gefühlt und schwingungsgeprüft
Ich denke so bei mir:
Ja, die meint das wirklich so.
Was es alles so gibt an unterschiedlichen Lebensentwürfen, Lebensformen und Parallelwelten ...
Sie meint, es gebe niemanden, der keinen Dreck am Stecken habe.
Ja, da stimme ich zu.
Sie meint, wenn man mal genau hinschauen würde, wäre niemand mehr da von den PolitikerInnen.
Auch hier - stimme ich ihr sofort zu!
Besondere und zutiefst erfreute Zustimmung erfährt sie auf ihre Anmerkung hin, daß jeder bei sich anfangen muß.
Das - checken lange nicht alle!
Doch all das ändert nichts daran, daß "ihr Minister" ein Lügner und als "Vorbild" und/oder "Vorzeige-Exemplar" nicht geeignet ist.
Ich sage noch, daß ich ohnehin keinen Minister habe und auch keinen brauche.
Und auch keinen will!
Schon gar keine Guttenberger oder Westerwellen, die mich irgendwo im Ausland repräsentieren wollen.
Dann - schweige ich lieber wieder.
Der Graben zwischen uns ist tief - und doch hat sie meinen Respekt für ihre Erkenntnis, daß jede(r) von uns bei sich selbst beginnen muß.
Es arbeitet einfach in mir. Ich finde die ganz in Ordnung - und ich bin sicher, daß sie ihre ureigensten Beweggründe hat, sich als Soldatin zu betätigen. Dennoch - finde ich Soldaten und -Innen überflüssig und für mich zählt diese Spezies nach wie vor zu den Kriegstreibern und sicher nicht zu den Friedensstiftern - mag ihre Motivation auch noch so edel sein, sie sind freiwillige Befehlsempfänger - und Befehlsempfänger sind mir mehr als suspekt.
Ich drücke mich hier sehr vorsichtig aus.
Was ich noch vernehme von der Dame: Es ist in zwei Jahren der dritte Minister, den diese SöldnerInnen präsentiert bekommen - sie wünschen sich halt mehr "Rückhalt" und solches Zeugs .... also all das, was es in diesen Zeiten nicht mehr gibt.Sag ich jetzt mal so als bekennende "Prekäre".
In den vergangenen Tagen habe ich auch oft über die Söldner sinniert, die sich Gadaffi gekauft hat. Leute also, die für SOLD den SOLDATEN machen und morden. Wo genau ist da bitte die "Demarkationslinie"? Zwischen SoldatInnen und Söldnern? Vom Wortsinn her - kommen sie jedenfalls aus demselben Stamm. Während die einen schlicht für Geld und somit aus Kalkül morden - tun die anderen es für eine temporäre ideelle Seifenblase.
Ich persönlich - ziehe weder das eine noch das andere vor.
Und für mich ist beides - Mord.
Gegen SOLD.
Sold, Soldi =-Lohn, Entlohnung.
Töten gegen Entlohnung ist also erlaubt?
Privat aber verboten?
Wer sich also als Befehlsempfänger einbringt bzw. "verdingt" (ich liebe die deutsche Sprache!) und gegen Sold verkauft - der verkauft mit Sicherheit seine Seele.
Übrigens - war ich Soldatentochter und wollte als Kind aus reiner Vaterliebe die erste Frau sein, die in D zum Militär geht. Hat sich mit der Pubertät gründlich verlaufen ....
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