Dienstag, 22. März 2011

Ach so .. ja dann .. alles halb so wild

Der Herr Shingo Yushida, japanischer Publizist und Jounalist, sprach heute vormittag beim TV-Sender "Phoenix"  einen Satz aus, der meine Ohren sehr spitz werden ließ. Befragt, was er von der Berichterstattung deutscher Medien zu Fukushima halte, sagte er "Ich habe den Eindruck, daß die deutschen Medien nicht alle Informationen weitergeben."

Wow, dachte ich, endlich sagt es mal einer klar und deutlich, und ich war gespannt auf das Folgende.
Da erzählt uns der Herr Yushida, wie es wirklich ist: Er vermißt die Präzision bei der Weitergabe der Informationen. Zum Beispiel seien ja nur die Milch und die Blattgemüse verstrahlt, und davon auch nur die, die direkt aus der Region um Fukushima stammen. Unterstrichen wird diese wichtige Aussage im Hintergrund durch Bilder von Salatblättern auf einem grauen Kurzflor-Teppichboden liegend, die Kamera zoomt sich ganz nah heran, aber immer noch ist eine Verstrahlung nicht deutlich erkennbar. Ich fühle mich an platteste Propaganda erinnert, unterste Schublade .... habe ich das nicht alles schon einmal in jungen Jahren gehört?

Dann erklärt der Herr Yushida noch, daß selbst bei einem verstrahlten Kohl beispielweise ja nur die äußeren Blätter verstrahlt sind - und wenn man die abmacht, kann man den Kohl wieder bedenkenlos essen. Und außerdem würden die Japaner ja auch nicht soviel Milch trinken und Salat essen.

Ich schalte nochmal ein, alle paar Stunden schaue ich, wie der Stand der Dinge ist: Er redet immer noch großen Unsinn, live im Studio - räumt ein, es könne sich bei den nicht-präzisen Informationen in den deutschen Medien ja teilweise auch um Übersetzungsfehler handeln, da die meisten Informationen aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt würden. Der muß die Deutschen wohl für ziemlich blöd halten, denke ich mir so ... pruuust.

Ja, und die Mentalität der Europäer sei es eben, die Dinge eher negativ zu sehen, während Japaner positiv schauen, sagt er auch noch. Die Deutschen machen sich einfach zuviele Sorgen. Mir fällt spontan die Schwester der Sorge ein, die Sorgfalt, die mir sehr sympathisch ist - und widerum eng verwandt mit Präzision.

Obwohl es zutiefst zynisch ist, muß ich inzwischen lachen über diese beiden Kasperlefiguren, die da Beruhigungspropaganda verstrahlen.
Was der Mann da von sich gibt und wie der Moderator der Sendung es anschließend nochmal kurz zusammenfasst, damit wir es auch wirklich begreifen, daß alles halb so wild ist - halte ich für schlimmste Verhöhnung der betroffenen Menschen.

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